PokerStars droht Millionenstrafe

Überraschenderweise hat der Oberste Gerichtshof von Kentucky, USA, ein 2018 aufgehobenes Urteil über 870 Mio. US-Dollar gegen PokerStars wiederhergestellt. Die Summe bezieht sich auf die Altlasten eines Zeitraums, in dem Online Poker durch den sogenannten Unlawful Internet Gambling Enforcement Act (UIGEA) verboten war. Welche juristischen Beweggründe stecken dahinter und wie reagiert der heutige Weltmarktführer auf das Verfahren?

Ein Gerichtssaal am State Capitol Kentucky, USA.

Kein Pokerroom: Ein Gerichtssaal am State Capitol Kentucky, USA. ©USA-Reiseblogger/Pixabay

Ein guter Tag für Kentucky?

Es sei völlig überraschend, so der PokerStars-Inhaber Flutter Entertainment, dass der US-Bundesstaat Kentucky, das 2018 von einem Berufungsgericht ausgesetzte Urteil wieder ausgerollt hat. Die geforderte Summe bezieht sich auf Altlasten der Marke PokerStars. Sie entstanden in einer Zeit als PokerStars noch unter dem Dach von Amaya Gaming stand und Online Poker in den gesamten USA illegal war.

Am Donnerstag (17.12.) stimmte der Oberste Gerichtshof von Kentucky mit 4:3 Stimmen dafür, das Urteil, welches eine Schadensersatzforderung in Höhe von 870 Mio. US-Dollar darstellt, wieder auszurollen. Die Summe ist eine Verdreifachung des 290 Mio. US-Dollar schweren Urteils, welches Richter Thomas Wingate ursprünglich 2015 gegen PokerStars verhängte. Nun sollen sogar Zinsen dazukommen: Die Strafe könnte sich damit auf fast 1,3 Mrd. US-Dollar belaufen.

Kentuckys Gouverneur Andy Beshear sprach am Donnerstag von einem guten Tag für den US-Bundesstaat. Er erklärte, dass die Summe dem über 4 Millionen Einwohner zählenden Staat dabei helfen werde, sich von den gravierenden Folgen der globalen Coronakrise zu erholen. Ferner erklärte er, dass es sich um eine rechtmäßige Rückerstattung unzähliger Dollars handle, die ein kriminelles Syndikat in dem Bundesstaat eingenommen habe.

Das Gericht hat sogar behauptet, dass der zurückgeforderte Betrag möglicherweise nicht einmal den tatsächlich erlittenen Schaden abdeckt. Das ursprüngliche Urteil gegen PokerStars folgte 2015 auf eine Zivilklage des Staates gegen eine Reihe von Online Glücksspielanbietern, die gegen den 2006 verabschiedeten Unlawful Internet Gambling Enforcement Act (UIGEA) verstoßen hatten. Einige Betreiber schlossen Deals mit dem Staat ab. PokerStars, welches damals noch von Isai Scheinberg und seinem Sohn Mark kontrolliert wurde, versuchten jedoch das Vorgehen von Kentucky anzufechten. PokerStars wurde später von The Stars Group (TSG) übernommen, 2018 wurde die Aufhebung des Urteils gefeiert.

Flutter plant erneut Berufung

Der britische Glücksspielkonzern Flutter Entertainment, welcher inzwischen mit TSG fusionierte und damit neuer PokerStars-Eigentümer wurde, betonte, dass sich die Gesamteinnahmen von PokerStars während des besagten Zeitraums (2006 bis 2011) nur auf etwa 18 Mio. US-Dollar beliefen. Man wolle daher erneut in Berufung treten und sei zuversichtlich, dass der letztendliche Betrag nur ein Bruchteil des aktuell geforderten Betrags sein wird.

Das Gesetz, unter dem Kentucky seit 2015 den Schadensersatz verlangt, ist der sogenannte Loss Recovery Act (LRA), welcher es Dritten erlaubt, Glücksspielbetreiber für die Verluste anderer Leute zu verklagen. Diese Drittparteien können einen dreimal so hohen Wert, bemessen an den Verlusten der Spieler, verlangen, auch wenn sich die Parteien überhaupt nicht kennen. Laut Kentucky hätten zwischen 2006 und 2011 34.000 Spieler rund 290 Mio. US-Dollar verspielt.

Das Gericht wies daher das Argument von PokerStars zurück, dass es der Staat versäumt habe, einzelne Einwohner samt Summen zu identifizieren, die tatsächlich Geld auf der Seite verloren hatten. Eine ähnlich ablehnende Haltung nahm das Gericht gegenüber der Behauptung von PokerStars ein, dass der Staat keine Person im Sinne des LRA sei.

Inzwischen hat Flutter sich erneut rechtlich beraten lassen und argumentiert, dass das Urteil im Widerspruch zum modernen US-Recht stehe. Der Staat Kentucky beziehe sich auf ein jahrhundertealtes Gesetz (LRA), das Urteils sei daher vehement zu bestreiten. Derzeitig überprüfe man seine Position und gehe eine Reihe von rechtlichen Verfahren durch, die dem Unternehmen zur Verfügung stehen.

PokerStars im Jahr 2020 erfolgreich

Trotz der plötzlichen juristischen Konflikte in den USA, blickt PokerStars auf ein erfolgreiches Jahr 2020 zurück. Nicht nur die diesjährige EPT Online war ein Hit. Anfang letzter Woche wurde auch bekannt, dass niemand geringerer als Fußballmegastar Neymar Jr. wieder im Team PokerStars spielt. Die Legende von Paris Saint-Germain ist das neue Werbegesicht der I’m In-Kampagne.

Gemeinsam mit PokerStars will der 28-jährige Brasilianer, der 2015 schon einmal Unternehmenspartner war, ein neues Unterhaltungslevel erklimmen und zum Allgemeinwohl der globalen Pokercommunity beitragen. Laut PokerStars zeichne Neymar aus, dass seine Liebe zum Poker nicht gespielt ist. Er könne ein besonderes Flair an die Online- und Live-Tische der Welt bringen. Mit Spannung dürfen spektakuläre gemeinsame Aktionen erwartet werden. Die Entwicklungen in Kentucky bleiben unterdessen abzuwarten.

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