Norwegens Werbeverbot in der Kritik

Der norwegische Branchenverband für Online Glücksspiele, NBO (Norsk Bransjeforening for Onlinespill), hat das geltende Werbeverbot für europäische Offshore-Anbieter kritisiert und gleichzeitig ein modernes Lizenzsystem gefordert. Während andere Länder Europas ihre Märkte öffnen, hat die norwegische Regierung die Regeln binnen letzter Jahre immer weiter verschärft. Welche Entwicklungen sind zu erwarten?

Die Innenstadt von Oslo am Abend.

Die Regierung in Oslo hält seit Jahren vehement an ihrem Glücksspielmonopol fest. ©ErikOdiin/Unsplash

Liberale Regulierung gefordert

Der NBO-Generalsekretär Carl Fredrik Stenstrøm hat die immer strengeren Werbeverbote gegen europäische Online Glücksspielanbieter in Norwegen scharf kritisiert. Die Entwicklungen seien „enttäuschend, aber nicht überraschend“, so das Kredo des Branchenvertreters. Der NBO plädiert damit für einen Wechsel zu einem liberaleren Regulierungsmodell, anstatt zu versuchen, ein Monopol für Glücksspiele aufrechtzuerhalten.

Hintergrund ist ein Ende Februar vorgelegtes Dekret, womit die norwegische Regierung ein gesetzliches Schlupfloch, welches es Offshore-Anbietern bisher erlaubte in dem Land zu werben, geschlossen hat. Der Fachverband habe dies laut Stenstrøm „mit Bestürzung“ aufgenommen. Gerade da sich die Liberalisierung der Märkte in anderen europäischen Ländern als Erfolgsmodell erweist, sei eine Auflösung des staatlichen Monopols ratsam. Der Generalsekretär erklärte:

“Es ist enttäuschend, dass die Behörden die Entwicklungen nicht anerkennen, die wir in anderen Ländern sehen, in denen ein Lizenzmodell eingeführt wurde und die Rechenschaftspflicht im Mittelpunkt steht.”

Verschärfung des Rundfunkgesetzes

Die Kritik von NBO bezieht sich vor allem auf eine angekündigte Gesetzesänderung, welche eine Ausdehnung des Rundfunkgesetzes vorsieht. Die Reform wird es der norwegischen Medienbehörde (Medietilsynet) ermöglichen, inländische TV-Sender und Internet-Provider anzuweisen, jede Form der Vermarktung von Online Glücksspielanbietern aus dem europäischen Ausland zu unterbinden. Das neue Gesetz soll noch 2020 in Kraft treten.

Bisher erstreckte sich die Zuständigkeit des Rundfunkgesetzes nur auf Fernsehstationen in Norwegen, nicht auf solche, die aus anderen Ländern ins Land senden. Jahrelang haben die europäischen Betreiber diese Möglichkeit genutzt, um ihre Produkte in Norwegen zu bewerben, obwohl Norsk Rikstoto und Norsk Tipping offiziell die einzigen lizenzierten Betreiber des Landes sind.

Die norwegische Glücksspielregulierungsbehörde Lotteri-og stiftelsestilsynet (Lottstift) gibt an, im April 2018 eine Konsultation zum Thema eingeleitet zu haben. Im vergangenen Oktober meldete die Behörde schließlich einen Rückgang der Werbeausgaben von Offshore-Anbietern um 19 Prozent im Vorjahresvergleich. Die Werbeausgaben waren bis zum 30. Juli 2019 auf umgerechnet 49,8 Mio. Euro gesunken. Dennoch sollen die Gesetze weiter verschärft werden.

Staatliche Monopole unzeitgemäß

Der NBO, der international renommierte Online Glücksspielanbieter wie Betsson, Kindred Group, Cherry’s, ComeOn oder die Gaming Innovation Group zu seinen Mitgliedern zählt, sieht in der Verschärfung eine unzeitgemäße Maßnahme. Generalsekretär Stenstrøm betonte, dass Norwegen auf die Entwicklung eines neuen Regulierungsmodells zur Legalisierung privater Betreiber hinarbeiten müsse, anstatt zu versuchen, gegen Offshore-Tätigkeiten vorzugehen.

Diesbezüglich wies der Experte darauf hin, dass zurzeit nur noch Norwegen und Finnland das Glücksspielmonopol in der Europäischen Union aufrechterhalten wollen. Ein Monopol zu verteidigen sei allerdings nur ratsam, wenn es dem Verbraucherschutz zugutekäme. Dies sei unter Berücksichtigung aktueller Statistiken jedoch nicht der Fall. Über 250.000 Norweger nutzen die Dienstleistungen ausländischer Online Glücksspielunternehmen. Stenstrøm erklärte:

“Es wäre viel besser, diesen Spielern gute Werkzeuge an die Hand zu geben, damit sie ihr Glücksspiel, zum Beispiel durch ein Selbstausschlusssystem, selbst regulieren können. In Schweden haben nach 12 Monaten bereits 48.000 Spieler einen solchen Service genutzt, ein Erfolg für diejenigen, die ihr Glücksspiel einschränken wollen und ein Erfolg für die öffentliche Gesundheit.”

Das Nachbarland Schweden hatte seinen Markt für Online Glücksspiele Anfang 2019 geöffnet. Ziel war es, den seit Jahren boomenden Onlinesektor in regulierte Bahnen zu lenken und gleichzeitig eine Erhöhung des Spielerschutzes herbeizuführen. Hierzu wurde ein modernes Lizenzsystem eingeführt. Bereits im Dezember 2018 hatte Schweden damit begonnen erste Lizenzen zu vergeben. Voraussetzung war unter anderem der Nachweis eines Selbstausschlusssystems.

Ein Kampf gegen Windmühlen?

Trotz der zunehmenden Beliebtheit von Online Glücksspielen geht Norwegen bereits seit 2017 entschieden gegen nicht-lizenzierte Anbieter aus dem Ausland vor. Die nationale Glücksspielbehörde hatte Banken dazu aufgefordert Geldtransfers über internationale Zahlungsanbieter einzustellen, womit der Geldfluss zwischen Online Glücksspielanbietern und norwegischen Spielern unterbunden werden sollte.

Konkret ging es um ein Verbot von Transferleistungen über die Zahlungsanbieter Trustly, Entercash, Earth Port, Inpay, Worldplay, Stay Cool und Betclic Everest Group, welche vorwiegend für Ein- und Auszahlungen bei Online Glücksspielanbietern genutzt worden sein sollen. Nach den Recherchen der norwegischen Glückspielbehörde wurden im Jahr 2016 über 90.000 Transaktionen über die besagten Dienstleister getätigt.

Im Jahr 2018 setzte Norwegen seinen Kampf mit harten Bandagen fort. Um das staatliche Glücksspielmonopol zu schützen, legte die Regierung im Mai einen Katalog mit verschärften Maßnahmen für die Zahlungstransfers vor. Nach einer Überprüfung trat die umstrittene Gesetzesnovelle Anfang 2020 in Kraft.

Die Regelung umfasst nun ein generelles Verbot von Zahlungen an Glücksspielbetreiber, die keine norwegische Lizenz besitzen. Die Behörden erklärten, dass die norwegischen Banken zwar über Systeme verfügen, um derartige Transaktionen zu blockieren, die nicht-lizenzierten Betreiber aber dennoch dazu in der Lage wären, die Maßnahmen zu umgehen, indem sie ihre Identität durch neue Zahlungsanbieter verschleiern.

Trotz des Verbots geben norwegische Bürger immer noch rund knapp 600 Mio. Euro bei ausländischen Anbietern aus, was die Forderung des NBO nach einem zeitgemäßen Lizenzsystem maßgeblich unterstützt. Nach jetzigem Stand ist allerdings nicht davon auszugehen, dass die Regierung von ihren drastischen Maßnahmen absehen wird. Die Entwicklungen bleiben abzuwarten.

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