Klagen gegen EA in Frankreich

Der Videospielentwickler und -publisher Electronic Arts (EA) wird in Frankreich mit einer Doppelklage konfrontiert. Zwei Juristen wollen erwirken, dass der FIFA-Spielmodus „Ultimate Team“ als Glücksspiel klassifiziert wird. Hierdurch könnte die Debatte um Lootbox-Elemente wieder Fahrt aufnehmen. Mit welchen Entwicklungen ist zu rechnen?

Zwei Fußballspieler eines FIFA-Games.

Die Käufer von FIFA-Spielkarten wissen nicht, welche Spieler sie für ihr Geld erhalten. ©Jorono/Pixabay

Wurde ein Wettspiel integriert?

Die Diskussion um Lootbox-Elemente in Videospielen hatte sich seit einiger Zeit gelegt, doch nun könnte das Thema wieder in die Schlagzeilen geraten. Laut Berichten der französischen Sportzeitung L’Équipe wurde in Frankreich eine Doppelklage gegen den US-amerikanischen Spielehersteller EA eingereicht. Die Kläger sind zwei Pariser Anwälte namens Karim Mordan-Lahouazi und Victor Zagury, durch ihre Aktion wollen sie auf die Risiken des FIFA-Spielmodus „Ultimate Team“ aufmerksam machen.

Die Juristen sind der Ansicht, dass der Spielmodus als Glücksspiel zu klassifizieren ist. Der Grund ist, dass die Spieler Geld ausgeben müssen, um an die Kartenpakete zu gelangen, dabei jedoch nicht wissen, welche Spieler sie genau erhalten. Um sich das gewünschte Team zusammenzustellen, hätten einige Spieler in nur wenigen Monaten Hunderte Euro ausgeben. Die Anwälte erklärten:

“Die Entwickler dieses Spielmodus haben ein illusionäres und vor allem süchtig machendes System kreiert. Je mehr du bezahlst, desto höher ist die Chance, die großen Spieler zu erhalten. Wir glauben, dass ein Glücksspiel in dieses Spiel integriert wurde, denn die Pakete zu kaufen, ist nichts anderes als eine Wette.”

Wenig Kontrolle durch Eltern

Laut Aussagen der Kläger erhalte somit ein Glücksspiel unerkannt Einzug in Wohn- und Kinderzimmer. Ein Kontrollsystem für Eltern existiert laut Medienberichten nicht, weshalb vor allem Kinder- und Jugendliche durch das Gefahrenpotenzial gefährdet seien. Unterdessen würde sich der Hersteller EA jährlich um hunderttausende Euro bereichern. Zagury betont:

“Heutzutage kann ein elf oder zwölf Jahre alter Teenager ohne jegliche Restriktion FIFA Ultimate Team spielen und Geld ausgeben, weil es kein Kontrollsystem für Eltern in diesem Modus gibt.”

Des Weiteren wollen die Anwälte durch ihre Klagen „Einsicht in den Algorithmus“ erhalten. Auf diesem Weg soll nachvollzogen werden, nach welchen Kriterien sich die Spielkartenpakete zusammensetzen. Eine Stellungnahme vonseiten EAs steht bislang noch aus. Zuletzt hatte sich der Hersteller vehement doch letztlich erfolglos gegen ein Verbot in Belgien gewehrt. Das Land hatte im September 2018 ein Verfahren gegen EA eröffnet.

FIFA-Spieler kritisiert EA

Um der Doppelklage noch mehr Gewicht zu verleihen, ziehen die Juristen außerdem die Aussagen eines Klienten heran. Zu Wort kam ein 32-jähriger Chauffeur namens Mamadou. Dieser erklärte gegenüber L’Équipe zwar für mehrere hundert Euro Spielpakete gekauft, dabei jedoch nie einen guten Spieler erworben zu haben. Der beste Spieler sei der griechische Abwehrspieler Kostas Manolas von SSC Neapel gewesen.

„Ich kannte ihn nicht einmal“, bekundet Mamadou seine Enttäuschung. „Ich habe so viel Geld investiert, nur um Manolas zu kriegen.“ Laut eigenen Angaben hätten Bekannte Mamadous sogar 2.000 bis 3.000 Euro in ihre Teams investiert. Mamadou selbst sei durch die Ausgaben sogar mit seinen Mietzahlungen in Rückstand geraten. „Das ist verrückt“, so das Fazit. Weiter heißt es:

“Wann immer ich ein Paket kaufte, sagte ich mir selbst, dass dies das letzte Mal ist, aber ich machte es immer wieder. Du wirst so frustriert, wenn du nicht genug gute Spieler bekommst, sodass du immer und immer wieder etwas kaufst.”

Aus diesem Grund verweist auch der Klient auf die Risiken, welche von „Ultimate Team“ ausgehen. „Du wirst schnell süchtig von diesem Spiel“, so das klare Statement. Ob die Juristen Lahouazi und Zagury hiermit auch vor Gericht bestehen, bleibt abzuwarten. Ein Erfolg ist jedoch nicht unwahrscheinlich. In Belgien und den Niederlanden sind die Spielvarianten bereits verboten.

In beiden Ländern musste EA seine Games den neuen Gesetzen anpassen, was im Falle einer erfolgreichen Klage auch in Frankreich drohen würde. Für EA sind die Vorwürfe jedenfalls nichts Neues. In Belgien kam es, wie bereits erwähnt, zu ähnlichen Verfahren. Zudem geriet auch das Spiel NBA 2K20 im letzten Jahr in die Kritik. Hier war es die Kartenvariante MyTeam, die am Pranger stand.

Reanimation der Lootbox-Debatte?

Lootboxen sind virtuelle Schatztruhen in Videospielen, in diesem Fall Spielkartenpakete. Sie beinhalten ein Sortiment bestimmter Spielgegenständen, zum Beispiel Waffen, Werkzeuge oder (bei FIFA) legendäre Fußballspieler und exquisite Trikots. Ziel ist zumeist die Sicherung von Spielvorteilen. Die Schlüssel sind dabei stets gegen kleinere Geldsummen, sogenannte Mikrotransaktionen erwerblich. Welche Gegenstände der Spieler genau erhält, ist beim Kauf jedoch unklar.

Kritische Stimmen werfen den Anbietern daher vor, Glücksspielaffinitäten durch Lootboxen zu fördern. Die Debatte entfachte 2017. Grund war eine Kontroverse über das Game „Star Wars: Battlefront 2“. Ein Mitglied des Repräsentantenhauses Hawaii, Chris Lee, sprach von einem „Star Wars-Online Casino für Kinder“. Folglich gerieten die Lootbox-Elemente in Videospielen wie FIFA, Counter Strike: Global Offensive, PUBG oder Overwatch ins mediale Kreuzfeuer.

In Großbritannien, Frankreich, Deutschland oder den Niederlanden wurde folglich über ein Verbot diskutiert. In Belgien wurde sofort eine strenge Strafverfolgung geplant. Im Raum steht die Frage, ob es sich bei Lootboxen um Glücksspiel handelt oder nicht. Zwischen den Ländern herrscht diesbezüglich nach wie vor Unklarheit. Viele Entwickler haben sich indessen ohnehin wieder von dem Trend distanziert.

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