Hessen: Fünf Jahre Umweltlotterie

Die hessische Umweltlotterie GENAU hat ihr fünfjähriges Jubiläum gefeiert und eine Zwischenbilanz geliefert. Obwohl bereits Millionen erspielt und zahlreiche Projekte für den Umweltschutz finanziert wurden, führt die zukunftsorientierte Lotterie noch immer ein Nischendasein im Schatten herkömmlicher Lottoangebote. Bereits 2019 zeigte das Aus der Bildungs-Chancen-Lotterie, dass es nachhaltige Modelle am Glücksspielmarkt nicht leicht haben.

Baumsetzlinge in einem Pflanzenkorb.

Über 250 Naturprojekte wurden bereits durch die Umweltlotterie gefördert. ©shimulnath/Pixabay

Knapp 1,3 Millionen Euro für die Natur

Vor fünf Jahren hat das Bundesland Hessen die Umweltlotterie GENAU über die staatliche Lottogesellschaft ins Leben gerufen. Der Name GENAU steht für den Slogan Gemeinsam für Natur und Umwelt. Unter dem Zeichen der Nachhaltigkeit fließen die Erlöse in Projekte für den Umweltschutz. Aus Anlass des fünfjährigen Jubiläums hat Lottochef Heinz-Georg Sundermann einige Zahlen veröffentlicht.

Hiernach war die Umweltlotterie seit 2016 schon an mehr als 250 Projekten für den Umwelt- und Naturschutz in Hessen beteiligt und hat diese maßgeblich unterstützt. Über 1,25 Millionen Euro seien direkt in Maßnahmen zur Erhaltung der hessischen Natur geflossen. Doch wie genau ist das Gewinnsystem aufgebaut und wie werden die Gelder in den Umweltschutz gelenkt?

Lotterielose laufen über Postleitzahlen

Zusätzlich neben den Einzelgewinnen wird bei GENAU wöchentlichen ein Jackpot im Wert von 5.000 Euro ausgespielt. Der Betrag fließt direkt in ein Umweltprojekt, dass sich in der Nähe des Wohnorts des Lottosiegers befindet. Einzelne Landkreise und kreisfreie Städte dürfen bis zu 30 Naturschutzprojekte auf die Liste setzen.

Unter den Begünstigten befinden sich viele Umweltgruppen, Schulen sowie Kultur- und Heimatvereine. Investiert wurden die Einnahmen bereits in den Schutz von Rehkitzen, Bienen, Käuzen und Kröten. Zudem wurden diverse Gartenanlagen und das Netz an Barfußpfaden ausgebaut. Darüber hinaus wurden ganze Wiesen und Schulanlagen mit Obstbäumen bepflanzt.

Um an der GENAU-Umweltlotterie teilzunehmen, benötigt man in jedem Fall eine Postleitzahl in Hessen. Gibt man diese an, wird die dazugehörige Stadt oder Region automatisch ermittelt. Schon ab fünf Euro Einsatz hat man bereits die Chance auf einen Hauptgewinn von 10.000 Euro. Der Hauptgewinn steigt dabei mit der Anzahl der Spieler. Der höchste bisher ausgespielte Gewinn lag im Oktober 2020 bei 90.000 Euro und ging an einen Spieler aus Kreis Offenbach. Eine im Mai 2017 eingeführt Zusatzoption auf einen Gewinn von einer Million Euro wurde bisher noch nicht getroffen.

GENAU seit fünf Jahren Nischenlotterie

Trotz des beachtlichen Erfolgs und den hohen Ambitionen ist GENAU im Gegensatz zu anderen Lottoangeboten immer noch eine kleine Nebenlotterie, die nur ein sehr langsames Umsatzwachstum verzeichnet. Die Ergebnisse könnten noch weitaus besser sein. Allerdings erscheint der Glaube utopisch, dass eine Naturlotterie Millionengewinne für die Umwelt erwirtschaften kann, wenn den Spielern nur sehr geringe Chancen auf Millionengewinne geboten werden.

Dies wird dadurch verdeutlich, dass die Zusatzchance auf eine Million Euro bisher noch kein einziges Mal geknackt worden ist. Der Millionengewinn kann bereits über das gängige Los für 5,25 Euro gewonnen werden. Hierfür müssen jedoch die letzten drei Ziffern der Losnummer des Hauptsiegers mit einer dreistelligen Zusatzzahl übereinstimmen, was einen Gewinn eher unwahrscheinlich macht.

Ein Blick auf die Entwicklungen der letzten Jahre verdeutlicht das eher schleppende Wachstum: 2016 startete GENAU mit Umsätzen von 2,2 Millionen Euro. 2017 lagen sie bei 2,9 Millionen, während sie 2018 wieder auf 2,8 Millionen und 2019 auf 2,7 Millionen Euro sanken. Die bisher höchste Zuwachsrate wurde 2020 erzielt, wo die Umsätze auf 3,2 Millionen Euro anstiegen. Die Gesamtumsätze liegen also bei etwa 15 Millionen Euro in fünf Jahren.

Lottochef Sundermann sprach jüngst dennoch von einer beeindruckenden Bilanz und ist nach wie vor von dem Konzept der Umweltlotterie überzeugt. Man habe ein Nischenprodukt erzeugt, dass speziell auf Hessen zugeschnitten ist und sich daher gut entwickelt habe. Die Umweltlotterie spreche junge, umweltbewusste Familien an, die, um ihrer Kinder Willen, etwas zum Schutz der Natur beitragen möchten. Dazu erhalten sie die Möglichkeit, selbst mitzubestimmen, welche Projekte gefördert werden sollen. Dies mache einen besonderen Reiz aus, denn man könne wirklich etwas bewegen.

Um mehr Kunden zu akkreditieren, hat die GENAU-Umweltlotterie in den letzten Jahren viele Sonderauslosungen angeboten, zum Beispiel wurden Fahrräder und E-Bikes verlost. Auch zum fünfjährigen Jubiläum wird ein E-Auto als Sonderpreis angeboten. Ob die Nachfrage hierdurch weiter ansteigt, bleibt vorerst abzuwarten.

Nachhaltige Lotterien oft erfolglos

Nachhaltige Konzepte haben es auf dem stark gewinnorientierten Glücksspielmarkt nicht leicht. Schon viele soziale oder nachhaltige Lotterieprodukte haben den Härtetest nicht bestanden und mussten wieder eingestellt werden. Ein Beispiel dafür ist das Aus der Bildungs-Chancen-Lotterie im August 2019.

Der Hauptinitiator der Bildungs-Chancen-Lotterie war die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung. Außerdem waren die Hilfsorganisation SOS-Kinderdörfer sowie der Stifterverband der Deutschen Wissenschaft mit in das Projekt involviert.

Eigentlich sollten verschiedene Bildungsinitiativen durch den Losverkauf gefördert werden. Doch die Soziallotterie war hinter den Erwartungen zurückgeblieben, hieß es vonseiten der Initiatoren. Für das Ende verantwortlich waren hohe Marketingausgaben, der zunehmende Konkurrenzdruck auf dem Lotteriemarkt und ausbleibende Losverkäufe. Das öffentliche Interesse an der Ausspielung war schlichtweg zu gering.

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