Google lockert Werberichtlinien für Glücksspiel

Der Tech-Gigant Google hat seine Richtlinien für Glücksspielwerbung aufgelockert. Das Unternehmen gab am vergangenen Dienstag bekannt, dass Glücksspielprodukte ab sofort in den Ländern Kolumbien, Nigeria und Kenia beworben werden dürfen. Außerdem dürfen Sportwettreklamen ab sofort in den US-Bundesstaaten Indiana, Rhode Island, Iowa, Pennsylvania und Montana geschaltet werden. Bisher hatte Google Sportwettwerbung nur in drei US-Staaten erlaubt. Hier ein Überblick zur Entwicklung.

Der Google-CEO Sundar Pichai.

Seit 2017 hat Google CEO Sundar Pichai (47) die Werbeauflagen für Glücksspiele immer mehr gelockert. (©flickr)

Vorteile für US-Sportwettmarkt

Der im kalifornischen Mountain View ansässige Technologiekonzern Google LLC hat seine Werbepolitik in punkto Glücksspiel entspannt. Wie der Konzern mitteilte wurden die Richtlinien für Glücksspielwerbung in den Ländern Kolumbien, Nigeria und Kenia sowie auf den US-Märkten Indiana, Rhode Island, Iowa, Pennsylvania und Montana gelockert. Die Aktualisierung umfasst die Kategorie „Glücksspiel- und Spielrichtlinien“. Im Kontext seines sogenannten Limited Beta-Programms hatte Google Sportwettwerbung bisher nur in den Staaten New Jersey, Nevada und West Virginia erlaubt. Der seit Mai letzten Jahres frisch-legalisierte US-Sportwettmarkt könnte daher erheblich von der Auflockerung der Richtlinien profitieren.

Alle Betreiber, die als Wettanbieter in den oben genannten Ländern und Staaten zugelassen sind, dürfen zukünftig Werbeaktivitäten über Google Ads, Google Display Network, YouTube und AdMob durchführen, eine Untersagung gilt jedoch weiterhin für den Google Ad Manager. Alle Werbetreibenden müssen zudem eigenverantwortlich sicherstellen, dass sämtliche Richtlinien in Bezug auf die Art der Reklame eingehalten werden. So müssen alle Produkte konkret benannt werden, gleichzeitig wird die Berücksichtigung des Kinder- und Jugendschutzes eingefordert.

Zum Verständnis: Google war bisher für seine stringenten Regel im Bereich Glücksspielwerbung bekannt. Obgleich Programme wie Google Ads Glücksspielwerbung bisher nicht gänzlich verbieten, hat der Konzern die Werbemöglichkeiten für Glücksspielanbieter in der Vergangenheit regelmäßig immer weiter eingeschränkt. Alle Anzeigen, die mit Glücksspiel zu tun haben, müssen unter anderem im Vorfeld durch ein Google Ads-Zertifikat als „ordnungsgemäß“ deklariert werden. Zudem gilt es als verboten, Anzeigen an Google-Nutzer zu richten, die aus Ländern stammen, in denen Glücksspiel untersagt wird. Sämtliche Anzeigen müssen zudem Hinweise zum verantwortungsbewussten Spielen sowie für den Kinder- und Jugendschutz beinhalten. Viele der Richtlinien ergeben sich seitjeher aus den Glücksspielgesetzen einzelner Staaten.

Ein langwieriger Prozess

Wie bereits angedeutet hat sich Google innerhalb der letzten Jahre jedoch immer mehr von seiner früheren Anti-Glücksspielpolitik verabschiedet. Noch im Jahr 2013 ist der Konzern entschieden gegen Glücksspielwerbung vorgegangen – viele Glücksspielreklamen und -Apps wurden aus dem App Store des Suchmaschinenbetreibers geworfen. Damals galt ein hartes Verbot für „alle Inhalte oder Dienste, die das Online Glücksspiel erleichtern“ und zudem für „Online Casinos, Sportwetten, Lotterien oder Geschicklichkeitsspiele“.

Bis zur Liberalisierung war es ein komplexer und langwieriger Prozess. Zu einem ersten Umdenken kam es im Juli 2017, erstmals in seiner Geschichte erlaubte Google Glücksspiel-Apps im Play Store. Anfang 2019 wurde das Konzept auch auf Google Ads ausgeweitet. Seit Juli war es Online Buchmachern somit zum ersten Mal möglich, über Google Ads Werbung im US-Staat New Jersey anzuzeigen. Seit letzten August erlaubt Google zudem auch Werbung von Daily Fantasy Sports (DFS)-Anbietern, wie zum Beispiel FanDuel.

Die Schritte wurden mit Blick auf die Aufhebung des US-weiten Sportwettverbots natürlich branchenweit begrüßt. Seit Mai 2018 obliegt die Sportwettregulierung in den USA bekanntlich den einzelnen Bundestaaten. Bisher haben bereits 18 Staaten entsprechende Gesetzesnovellen erlassen, darunter zum Beispiel Mississippi, Nevada, New Jersey, New York, Pennsylvania und Montana. Im April wurden in diesem Kontext Sportwettlegalisierungen in Colorado und Iowa bekanntgegeben.

Erschließung neuer Märkte

Die jüngste Aktualisierung der Richtlinien hat zur Folge, dass Online Glücksspielanbieter zukünftig auch Werbung in Kolumbien, Kenia und Nigeria schalten dürfen. Die Freigabe gilt allerdings nur für Betreiber, die über Lizenzen bei den Glücksspielaufsichtsbehörden der besagten Länder verfügen (Coljuegos, Betting Control Licensing Board, National Lottery Regulatory Commission). Dass Kenia sich unter den Ländern befindet, ist allerdings überraschend, denn Kenias Regierung verbietet derzeitig Glücksspiele jeglicher Art.

Unter dem Strich bietet Google den Betreibern hiermit die Möglichkeit, neue Kunden zu gewinnen und sich neue internationale Märkte zu erschließen. Im Umkehrschluss hat dies auch positive finanzielle Folgen für Google, denn die Glücksspielindustrie investiert laut dem Londoner Finanzberatungsunternehmen Regulus Partners jährlich über 1,73 Mrd. Euro in Glücksspielwerbung. 80 Prozent der Aufwendungen fließen dabei direkt ins Online Marketing. Genaue Zahlen liegen an dieser Stelle zwar nicht vor, doch laut Schätzungen verdient Google daran jährlich im dreistelligen Millionenbereich mit.

Google verdient im Übrigen auch in Deutschland Geld durch Glücksspielwerbung. Hier richten sich die Vorgaben ebenfalls nach den Gesetzen der einzelnen Bundesländer. Sofern Anbieter über eine entsprechende Lizenz (Schleswig-Holstein oder anderweitiges EU-Land) verfügen, dürfen Reklamen für Sport- und Pferdewetten sowie für Lotterien geschaltet werden. Es wird geschätzt, dass die Anbieter 2018/19 in Deutschland über 400 Mio. Euro in Online Glücksspielwerbung investiert haben.

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