Glücksspielrazzia im Saarland

Wegen des Verdachts auf organisierte Bandenkriminalität im Zusammenhang mit illegalem Glücksspiel, ist es im Saarland zu einer großangelegten Razzia der Polizei gekommen. Dabei wurden mehrere Personen festgenommen, außerdem sitzt eine Polizistin in Untersuchungshaft, welche in die kriminellen Aktivitäten verwickelt sein soll. Innenminister Klaus Bouillon (CDU) sprach von einem gelungenen Schlag gegen illegales Glücksspiel. Wie lief die Razzia ab und mit welchen Entwicklungen ist zu rechnen?

Ein Parkplatz voller Dienstfahrzeuge der Polizei.

Rund 400 Einsatzkräfte waren an Großrazzia beteiligt. ©Hans/Pixabay

Zugriff mit Spezialeinheiten und Steuerfahndern

Nicht nur in Österreich, sondern auch in Deutschland sind Razzien gegen illegales Glücksspiel inzwischen keine Seltenheit mehr. Jüngst kam es im Saarland zu einem Großeinsatz der Polizei an der rund 400 Einsatzkräfte beteiligt waren. 41 Objekte wurden durchsucht, drei Tatverdächtige verhaftet und etliche illegale Spielautomaten sichergestellt. Es handle sich um einen Fall von Bandenkriminalität und gewerbsmäßigem Betrug, so die Polizei.

Die untersuchten Häuser befanden sich in den Städten Großrosseln-Naßweiler, Vöklingen, Neunkirchen und Perl. Mit Spezialeinheiten und Steuerfahndern drangen die Ermittler in die Objekte ein – unterstützt wurden sie durch Einsatzkräften aus Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. Sichergestellt wurden Handys, etliche Spielautomaten und eine Vielzahl an Dokumenten. Innenminister Klaus Bouillon (CDU) sprach von einem großen Schlag gegen illegales Glücksspiel.

Bei den drei festgenommenen Personen handelt es sich laut Polizei um illegale Casinobetreiber und Automatenaufsteller. Zur Last gelegt wird ihnen banden- und gewerbsmäßiger Computerbetrug, illegales Glücksspiel und weitere Delikte. Die Software von Spielautomaten soll manipuliert worden sein, sodass die Geräte weniger Gewinne ausschütteten. Die Polizei geht noch von weiteren Tatbeteiligungen aus, womöglich aus dem Ausland. Die Ermittlungen dauern an.

Im August 2020 hatte zuletzt eine Großrazzia im Kontext von Glücksspiel in NRW für Schlagzeilen gesorgt: Im Fokus der Ermittler standen die kriminellen Machenschaften von arabisch-stämmigen Familienclans, die sich unter anderem mit illegalen Spielhallen, manipulierten Automaten, Steuerhinterziehung und Schutzgelderpressung finanzieren. Ein Zentrum der Razzia war Essen-Kray, wo Shisha-Bars, Wettbüros, Lokale und Teestuben überprüft wurden. Außerdem ging es um einen getarnten Spieltreff an der Ecke Tempelhof/Heinrich-Sense-Weg. Über 300 Polizisten wirkten an der Razzia in NRW mit. In fünf Lokalitäten wurden neun manipulierte Automaten beschlagnahmt, außerdem wurden Sicherheitsmängel an 21 Spielgeräten festgestellt.

Ist Polizistin in die Aktivitäten verstrickt?

Bisher ist noch unklar, ob es sich um einen Fall von organisierter Kriminalität handelt. Durch frühere Untersuchungen an der Straße Bremerhof in Naßweiler war die Polizei auf die Gruppierung aufmerksam geworden. Das Brisante: Die Straße verläuft unmittelbar an der Grenze zu Frankreich. Die dort angesiedelten Geschäfte und Casinos sollen vor allem bei französischen Spielern beliebt sein.

Noch brisanter: Auch eine Polizeibeamtin der Inspektion Völklingen könnte in die kriminellen Aktivitäten verwickelt sein. Im Vorfeld der Razzia wurde die Polizistin bereits in Untersuchungshaft festgesetzt, um den Einsatz nicht zu gefährden. Ihre Privatwohnung und ihr Arbeitsplatz wurden bereits unter die Lupe genommen, bisher ist jedoch unklar, inwieweit die Beamtin in die Machenschaften verwickelt ist.

In Naßweiler wurden im Zuge der Razzia außerdem die Spielautomaten von zwei Casinos konfisziert. Die Geräte werden in den kommenden Tagen von Computerspezialisten untersucht. Erst dann sei, so die Polizei, das volle Ausmaß des Schadens ersichtlich. Die Entwicklungen bleiben abzuwarten.

750 Automaten bei Razzia in Wels konfisziert

Erst vor einer Woche war es auch im österreichischen Wels zu einem Großeinsatz der Polizei gekommen. Die Stadt gilt inzwischen als Hochburg des illegalen Glücksspiels. An der Aktion waren 140 Beamte des Bundeskriminalamts, des Landeskriminalamtes, der Finanzpolizei und der Steuerfahndung beteiligt. Dazu waren Ermittler der Dienststelle für Sonderzuständigkeiten des Finanzamts im Einsatz, ebenso wie die Sondereinheit EKO Cobra und eine Polizeihundestaffel.

Das Großaufgebot hat sich für die Ermittler gelohnt, denn bei der Razzia wurden in einer Lagerhalle unglaubliche 750 illegale Spielautomaten sichergestellt, so die Meldung des Innenministeriums. Darüber hinaus wurden 13 Hausdurchsuchungen an mehreren Standorten im Großraum Wels vorgenommen. Hierbei wurden unter anderem zwei Pistolen gefunden und konfisziert.

Weitere Hochburgen des illegalen Glücksspiels in Österreich sind Wien und Salzburg – Polizeieinsätze gegen die Automatenmafia sind dort inzwischen an der Tagesordnung: Mitte September 2020 kam es unter anderem zur Operation Jackpot, wobei 177 Spielautomaten, hohe Summen an Bargeld und etwaige Wertgegenstände sichergestellt wurden. Etwa 320 Beamte waren an der Aktion beteiligt. Der Einsatz vollzog sich parallel auch Wien, wo kurz zuvor ein illegaler Pokerraum hochgenommen wurde. Die vorgefundenen Spielautomaten waren allesamt manipuliert worden.

Obendrein stellten die Ermittler in Wels eine Langwaffe und Bargeld im niedrigen sechsstelligen Bereich sicher. Auch fanden sich Mobiltelefone Laptops und Speichermedien sowie 270 Kartons mit Firmenunterlagen, die im Zusammenhang mit betrügerischem Datenverarbeitungsmissbrauch stehen könnten. Die beschlagnahmten Spielautomaten sollen als Nachschub für Lokale gedient haben, in denen es bereits zu Beschlagnahmungen gekommen ist.

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