Glücksspiel-Razzien in NRW

Mit einem riesigen Polizeiaufgebot ist das Bundesland Nordrhein-Westfalen am vergangenen Wochenende gegen Clankriminalität in zehn Städten vorgegangen. Die Razzien wurden unter anderem in Wettbüros, Shisha-Bars und illegalen Spielhallen durchgeführt. Sichergestellt wurden manipulierte Spielautomaten, außerdem geht es um Schutzgelderpressung und Geldwäsche. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) will künftig mit harten Bandagen gegen die kriminellen Aktivitäten vorgehen.

Eine Polizeieinheit patrouilliert auf der Straße.

Der Großeinsatz begann am Samstag (15.08.) um 21 Uhr, über 1.000 Polizisten waren beteiligt. ©MikePowell/Pixabay

Essen im Zentrum der Ermittlungen

Die Polizei von NRW hat am letzten Wochenende eine Großrazzia gegen arabisch-stämmige Familienclans durchgeführt, die sich unter anderem mit illegalen Spielhallen, manipulierten Automaten, Steuerhinterziehung und Schutzgelderpressung finanzieren. Die Razzia begann in Essen-Kray, wo Shisha-Bars, Wettbüros, Lokale und Teestuben ins Visier genommen wurden. Außerdem stand ein getarnter Spieltreff an der Ecke Tempelhof/Heinrich-Sense-Weg im Fokus der Ermittler.

Allein an den Durchsuchungen der Lokalitäten in Essen wirkten über 300 Polizisten mit. Die Ermittler wurden schnell fündig. In fünf Lokalitäten wurden insgesamt neun manipulierte Spielautomaten beschlagnahmt. An 21 weiteren Spielgeräten wurden Sicherheitsmängel festgestellt. Obendrein entdeckten die Ermittler einen versteckten Eingang hinter einem Schrank in einem Billardsalon. Dieser führte in ein Hinterzimmer, wo drei illegale Spielautomaten und ein Pokertisch standen.

Laut Aussagen des Essener Polizeichefs sei die Ruhrgebietsmetropole das Hauptzentrum der illegalen Machenschaften. Eine Sondereinheit der Polizei beobachte die Aktivitäten der Clans schon seit Jahren. Inzwischen seien auch die Steuer- und Zollbehörde und Glücksspielexperten der Bezirksregierung mit in die Ermittlungen involviert. Regelmäßig registriere man Verstöße in Gaststätten und Spielhallen. Dies auch in Bezug auf die Corona-Schutzverordnungen.

Essen sei ein wichtiges Standbein der organisierten Clans, die ihr Geld größtenteils aus manipulierten Glückspielautomaten beziehen. Besonders die Automaten würden den Familien als Gelddruckmaschinen dienen. Viele Gastronomen sollen außerdem von den Clans unter Druck gesetzt werden, um die Automaten zu installieren. Damit einher gehe Steuerhinterziehung, Erpressung und Geldwäsche.

Razzien im ganzen Ruhrgebiet

Insgesamt waren am Samstag über 1.000 Polizisten gegen die Clans im Einsatz. Weitere Untersuchungen wurden zum Beispiel in Duisburg, Bochum, Mülheim, Gelsenkirchen, Dortmund, Wuppertal, Herne und im Kreis Mettmann vorgenommen. In allen Örtlichkeiten konnten die Polizei vereinzelt weitere manipulierte Geldspielgeräte oder illegale Glücksspiel-Lokalitäten feststellen. In Duisburg stieß man unter anderem auf eine Spielhalle in einer vermeintlichen Teestube.

Dort wurden gleich 16 nicht-registrierte Spielautomaten beschlagnahmt. Unter dem Strich blickt die Polizei von NRW infolge der Duisburg-Razzia auf eine ebenso wie beachtliche wie erschreckende Bilanz. Konfisziert wurden 19 Automaten, 34.000 Euro Bargeld sowie drei Kilo illegaler Shisha-Tabak. Zudem, wurden elf Lokale aufgrund schwerwiegender Verstöße gegen die Corona-Verordnungen dicht gemacht.

Auch in Bochum wurden obendrein 20 Kilogramm an unverzolltem Shisha-Tabak sichergestellt. Hier nahmen Ermittler außerdem über 50 Personenüberprüfungen vor. Ob es zu Festnahmen kam, ist bisher nicht bekannt. Klar ist, dass die Polizei seit 2019 insgesamt eine Tonne illegalen Shisha-Tabak in Bochum sichergestellt hat.

Lob vonseiten der Politik

Lokale Politiker zeigten sich angesichts der gelungen Großrazzia erfreut und gratulierten der Polizei. Thomas Kufen (CDU), Oberbürgermeister von Essen, sprach von der richtigen Taktik und würdigte die Zusammenarbeit zwischen den Städten, der Polizei und anderen Behörden. Man habe gezeigt, dass der Staat in Bezug auf Clan-Kriminalität und illegales Glücksspiel nicht wegschaut und sich offensiv und wehrhaft präsentiert.

Auch der NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) befürwortete die Aktion und sprach sich für eine Null-Toleranz-Strategie aus. Den kriminellen Clans wolle man keinen rechtsfreien Raum gewähren. Es gelte nicht das Gesetz der Familien, sondern das des Staates. Man könne eine Fehlentwicklung von über 30 Jahren jedoch nicht von jetzt auf gleich rückgängig machen, weshalb Durchhaltevermögen nötig sei.

Das LKA hatte im Mai 2019 einen Lagebericht zur Clan-Kriminalität in NRW vorgestellt. In dem Bundesland geben sich demnach mindestens 104 Clanfamilien die Klinke in die Hand. Von 2016 bis 2018 sollen rund 6.500 Verdächtige Clan-Mitglieder über 14.000 Straftaten begangen haben. NRW gliedert sich damit ohne weiteres in die Riege der Clan-Hotspots Berlin, Bremen, Niedersachsen und Ostdeutschland ein.

Glücksspiel-Razzien auch in Österreich

Für Schlagzeilen sorgten erst kürzlich mehrere großangelegte Glücksspiel-Razzien in Österreich. Auch im deutschen Nachbarland werden die Behörden seit längerem von einer regelrechten Glücksspielmafia herausgefordert. Bei der Polizeiaktion wurden insgesamt 38 illegale Spielautomaten sichergestellt, obendrein wurden zwei Pokertische beschlagnahmt. Mit dem Einsatz ging die Schließung mehrerer illegaler Glücksspielbetriebe einher.

In Österreich erscheint der Kampf gegen die kriminellen Gruppierungen jedoch weitaus aussichtsloser. Die Spielgeräte werden teils über Nacht ersetzt. Außerdem wird den Ermittlern die Beschlagnahmung erschwert, indem die Maschinen einbetoniert oder mit Gewindestangen am Boden befestigt werden. Auch von mit Reizgas präparierten Geräten wurde schon berichtet. Ebenso sollen Türen unter Strom gesetzt werden, wenn sich die Polizisten nähern.

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