Überraschendes Urteil: Social Casinos als illegales Glücksspiel eingestuft

Laut Gerichtsurteil im US-Bundesstaat Washington stellen manche Social Casino Games illegales Glücksspiel dar. Anbieter wie Big Fish und PokerStars reagieren alarmiert und ziehen sich vorsorglich zurück. Ist ihr Geschäftsmodell in Gefahr?

Screenshot Social Casino

Auch ein Gratisspiel mit Spielgeldchips kann illegales Glücksspiel sein, zumindest im Staate Washington.

Der Begriff ‚Social Casino‘ bezeichnet Spielgeldvarianten von Casinospielen wie Slots und Poker. Der Name wurde vor allem durch soziale Netzwerke geprägt, die derartige Titel in ihre Spielesammlungen aufnahmen und populär machten. Solche ‚Social Casinos‘ gelten als finanziell außerordentlich erfolgreich. Die Anbieter verdienen vor allem am Verkauf von virtuellen Chips, die als Einsätze benötigt werden. Man erhält zwar regelmäßig eine begrenzte Summe an Chips gratis und kann im Spiel welche dazugewinnen, früher oder später ist das Spielgeld allerdings aller Wahrscheinlichkeit nach aufgebraucht.

Bislang wurden diese Spiele nicht als Glücksspiel eingeordnet, da es an einem geldwerten Gewinnversprechen mangelte. Die Chips lassen sich in der Regel nicht gegen echtes Geld oder Sachpreise eintauschen, sie ermöglichen lediglich die Fortsetzung des Spiels. Die Definition des Glücksspiels im Staate Washington erfordert allerdings keinen expliziten Geldwert als möglichen Gewinn, sondern lediglich „something of value“.

Sind virtuelle Chips etwas wert?

Dass es sich bei virtuellen Spielchips aber um etwas ‚Wertvolles‘ handele, wurde bislang regelmäßig verneint. So hatte Cheryl Kater aus Washington 2015 gegen die Mutterfirma des Big Fish Casino, Churchill Downs, geklagt. Sie warf der Firma unrechtmäßige Bereicherung an illegalem Glücksspiel vor – Kater hatte etwa 1.000 $ an virtuellen Chips verspielt und forderte die Summe zurück. Das Bezirksgericht wies diese Klage zunächst ab.

Am 28. März diesen Jahres kassierte das Berufungsgericht diese Entscheidung allerdings. Die Spielchips ermöglichten die fortgesetzte Nutzung einer Dienstleistung, worin ein ‚Wert‘ im Sinne des Gesetzes liege, so die zentrale Argumentation der Richter. Damit liege auch ein, mithin nicht genehmigtes, Glücksspiel vor: Die Möglichkeit durch das Setzen eines Wertes durch Zufall einen Wert erhalten zu können. Cheryl Kater habe daher auch einen Anspruch auf Erstattung ihrer Verluste.

Ist damit das Social Casino Gaming in seiner jetzigen Form erledigt? Handelt es sich um illegales Glücksspiel? Diese Einschätzung wäre derzeit verfrüht, die beklagte Firma Churchill Downs hat die Möglichkeit, ihren Fall erneut vor dem ursprünglichen Bezirksgericht vorzubringen oder gegebenenfalls den Supreme Court anzurufen, um das Urteil zu prüfen. Doch weitere Klagen gegen Social Casino Betreiber (Huuuge Games, DoubleDown Interactive, High 5 Games und Playtika) wurden bereits eingebracht. Ein Verbot ihrer Angebote erscheint durchaus möglich, zumindest in US-Bundesstaaten, die „something of value“ ähnlich auslegen wie Washington. Ergangene Urteile, bekannt als Präzedenzfälle, haben im US-Rechtssystem ein hohes Gewicht. Andere Gerichte könnten sich auf die Entscheidungen aus Washington berufen und ähnlich urteilen.

Für die Firmen besteht das Risiko, mit illegalem Glücksspiel in Verbindung gebracht zu werden, inklusive möglicher Strafen. Auch Rückzahlungen an zehntausende geschädigte Kunden wären denkbar. Einige Betreiberfirmen, darunter PokerStars und das Big Fish Casino, sperren daher bereits vorsorglich Internetnutzer aus Washington von ihren Angeboten aus. Möglicherweise steht die Wachstumsbranche Social Casino also vor einer echten Bewährungsprobe.

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