NetEnt stattet Svenska Spel aus

Der Spieleentwickler NetEnt beliefert Svenska Spel, den staatlichen Glücksspielanbieter Schwedens, zukünftig mit einem Sortiment an Live Dealer-Spielen. Die Partnerschaft umfasst auch gemeinsame Marketingstrategien, eine Reihe maßgeschneiderter Kampagnen steht bereits in den Startlöchern. Beide Unternehmen haben innerhalb der letzten Monate großspurig expandiert, die Kooperation könnte die Marktpositionen weiter stärken.

Ein Casino-Dealer sortiert Chips am Spieltisch.

Durch die Fusion mit Evolution erweitert NetEnt zurzeit sein Live Casino-Sortiment erheblich. ©WheKevi/Pixabay

Akquisition und Kundenbindung im Visier

Der Spielehersteller NetEnt ist der neue Live Dealer-Lieferant des schwedischen Glücksspielmarktführers Svenska Spel. Im Rahmen der Vereinbarung werden die NetEnt-Spiele Blitz Blackjack, Auto Roulette Studio und Perfect Blackjack auf der Onlineplattform des staatlichen Betreibers (Svenska Spel Sport & Casino) etabliert. Jonas Nygren, Vizepräsident des Svenska Spel-Online Casinos, sprach von einem bedeutsamen Schritt, den Spielern ließe sich ein hoher Mehrwert bieten.

Andres Rengifo, Direktor von NetEnt Live, betonte hingegen das enorme Wachstum, das aus der Partnerschaft resultiert. Man freue sich daher auf die Zusammenarbeit, die auch gemeinsame Marketingziele verfolgt. Eine Reihe von Kampagnen, die auf den neuregulierten schwedischen Glücksspielmarkt zugeschnitten sind, sollen sowohl zur Akquisition als auch zur Kundenbindung beitragen. Man sei sicher, dass die zahlreichen Kunden beider Unternehmen das erweiterte Angebot annehmen werden.

Mit dem Spieleentwickler NetEnt holt sich Svenska Spel eines der stärksten Zugpferde der Glücksspielbranche ins Boot. Im ersten Halbjahr 2020 blickte NetEnt auf ein Umsatzwachstum von 30,2 Prozent im Vorjahresvergleich, die Einnahmen beliefen sich auf 1,04 Mrd. Euro. Berühmt ist NetEnt weltweit für seine zahlreichen Video- und Themenslots, darunter zum Beispiel Starburst, Spinanta Grande, Mega Fortune oder Hall of Gods. Außerdem ist NetEnt für Musikslots wie Guns N‘ Roses, Motörhead oder Jimi Hendrix bekannt.

NetEnt baut Live Casinos mit Evolution aus

Das Live Dealer-Angebot von NetEnt könnte sich künftig erheblich erweitern, denn das ursprünglich schwedische Unternehmen befindet sich zurzeit in einer Übernahme von Evolution Gaming, dem globalen Online Marktführer für Live Casino-Produkte. Im Juni hatte Evolution dem Spieleentwickler ein umgerechnet knapp 2 Mrd. Euro schweres Fusionsangebot unterbreitet. Laut Evolution wolle man somit zum weltweiten Marktführer der Online Glücksspielindustrie avancieren. 

NetEnt hat das Angebot inzwischen angenommen. Die Anteilseigner des Providers können ihre Aktien vom 14. August bis zum 26. Oktober gegen Evolution-Aktien eintauschen. Dies zu einem Kurs von 79,93 Schwedischen Kronen, was einer Prämie von 43 Prozent gemessen am Börsenkurs vor der Angebotsstellung (23. Juni) entspricht. Der Wert ist im 30-Tage-Durchschnittsvergleich sogar um 72 Prozent höher.

Durch die Fusion könnten Kosten von bis zu 30 Mio. Euro jährlich eingespart werden. Laut Mathias Hedlund, Vorstandsvorsitzender bei NetEnt, führe die Kombination außerdem zu einer größeren Hebelwirkung auf expandierenden Märkten wie Nordamerika. Besonders für Evolution Gaming bieten sich hier entscheidende Vorteile, da NetEnt bereits über interaktive Spielelizenzen am US-Markt verfügt. Ein Deal mit Scientific Games wurde erst kürzlich bestätigt.

Die NetEnt-Übernahme ist allerdings noch auf die Freigabe von Marktaufsichtsbehörden, zum Beispiel der britischen CMA (Competition and Markets Authority), angewiesen. Da Wettbewerbsverzerrung aufgrund der enormen Marktstärke befürchtet wird, befindet sich die Evolution-NetEnt-Fusion zurzeit in einer Überprüfung. Nur wenn die Aufsichtsbehörden ein positives Urteil fällen, darf die finale Phase des Prozesses eingeleitet werden. Die Untersuchung der CMA lief bis zum 05. Oktober, über das Urteil ist aber noch nichts bekannt.

Auch Svenska Spel erweitert Sortiment

Auch Svenska Spel befindet sich derweil auf Expansionskurs. Obwohl es sich um ein schwedisches Staatsunternehmen handelt, geht der Betreiber immer mehr Kooperation privaten ausländischen Betreibern ein, um sein Angebot zu diversifizieren. So hat sich Svenska Spel erst kürzlich mit dem Franzosen Pari-Mutuel Urbain (PMU) zusammengetan, den Kunden wird es damit ermöglicht, auf Pferderennen aus der ganzen Welt zu wetten.

Vor diesem Hintergrund wurde die neue Marke Svenska Spel Trotting & Gallop am 21. September livegeschaltet. Zu den Features gehört unter anderem ein tägliches High Five-Spiel, wobei die Spieler auf die fünf bestplatzierten Pferde eines Rennens setzen können. Das Arrangement umfasst auch Streaming-Rechte, wobei die Kunden von Svenska Spel die Möglichkeit haben, die Live-Berichterstattungen von PMU per App zu verfolgen.

Die neuen Wetten ergänzen damit ein bereits bestehendes Angebot, das Anfang 2019 eingeführt wurde. Hierbei ging es allerdings nur um Wetten auf schwedische Trabrennen. Laut Aussagen der Produktmanagerin Helena Hallman haben profitable Wetten auf klassische Pferderennen bisher im Sortiment gefehlt. Kunden hätten an dieser Stelle eine Erweiterung des Portfolios gefordert. Die Zusammenarbeit mit NetEnt knüpft nahtlos an die derzeitige Strategie an.

Kritik an Svenska Spel wegen PMU-Deal

Angesichts des PMU-Deals hegte sich zuletzt Kritik von Hasse Lord Skarplöth, dem Vorstandsvorsitzenden des früheren Pferderennmonopolisten AB Trav och Galopp. Dieser kritisierte Schwedens Regierung, die es versäumt haben soll, eine entsprechende Abgabepflicht für die Pferderennwetten einzuführen. Man habe nichts gegen neue Konkurrenz auf dem Markt, sei jedoch verärgert, dass Svenska Spel keinen Teil seiner Einnahmen an die Pferderennindustrie abführen muss.

Als Beispiel zog der ATG-Chef das eigene Unternehmen heran, welches jedes Jahr einen durchschnittlichen Jahresüberschuss von etwa 2 Mrd. Schwedischen Kronen an die Industrie zurückführe. Dies sei eine nachhaltige Einnahmequelle für die Branche. Ohne diesen Beitrag gebe es kein Preisgeld, keine Forschung, keine Züchterprämien, keine Erhaltung der Rennbahnen und letztlich keine Wette. Ein Statement der Regierung steht hierzu noch aus.

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