Werbung für illegales Glücksspiel auf Twitch: Wie groß ist das Problem wirklich?

Die Streaming-Plattform Twitch steht massiv in der Kritik: Der Grund dafür sind Influencer und Streamer, die immer wieder illegales Glücksspiel auf Twitch bewerben. Der Jugendschutz gerät dadurch ebenfalls in Gefahr, da viele Minderjährige die Plattform nutzen. Das Beispiel des deutschen Influencers Ron Bielecki, 25, zeigt, dass diese Problematik auch in Deutschland vorhanden ist.

Ein junger Mann streamt seine Teilnahme an Glücksspiel.

Wie wird Twitch gegen Werbung für illegales Glücksspiel vorgehen (Symbolbild)? © OnlineCasinosDeutschland.com/DALL-E

Glücksspielinhalte auf Twitch

Twitch ist ein amerikanisches Live-Streaming-Videoportal. Zuschauer können live dabei zusehen, wie Influencer und Streamer an verschiedenen Spielen teilnehmen. Obwohl auf Twitch hauptsächlich Gaming und E-Sport zu sehen ist, werden auch immer wieder Glücksspielinhalte beworben.

Streamer zeigen sich dabei, wie sie an illegalem Glücksspiel teilnehmen und fordern ihre Zuschauer auf, es ihnen gleichzutun. Es gibt kein allgemeines Verbot für das Bewerben von Glücksspiel auf Twitch. Die Voraussetzung ist eine gültige Lizenz der Anbieter sowie ein Nachweis über den eingehaltenen Jugendschutz. Nutzer können nach wie vor Casino- und Glücksspiel-Content auf Twitch streamen.

Die Plattform Twitch steht deshalb massiv in der Kritik und geht jetzt stärker gegen unerlaubte Inhalte vor. Twitch muss sich an geltende Gesetze der jeweiligen Länder halten. Wird auf der Streaming-Plattform illegales Glücksspiel beworben, könnte dies zu massiven Strafen führen. Nicht nur Twitch selbst drohen rechtliche Konsequenzen, sondern auch den Influencern und Streamern, die gegen geltende Gesetze verstoßen.

Ein junger Mann streamt auf seinem Computer über Twitch.

Twitch wird vor allem von Jugendlichen und jungen Erwachsenen genutzt (Symbolbild). © EdenMoon/pixabay.com

Prozess gegen deutschen Influencer wegen Twitch-Werbung

Mit Ron Bielecki sieht sich auch ein deutscher Influencer mit dem Vorwurf konfrontiert, illegale Glücksspielangebote auf Twitch beworben zu haben. Der 25-Jährige ist auf Twitch sehr erfolgreich und hat derzeit knapp 150.000 Follower auf der Streaming-Plattform.

Die Berliner Staatsanwaltschaft werfe ihm vor, zwischen Oktober 2021 und Mai 2022 illegales Glücksspiel in seinen Streams auf Twitch und YouTube beworben zu haben. Er soll in insgesamt 37 Streams Werbung für einen Glücksspielanbieter gemacht haben, der keine Lizenz für den deutschen Markt habe.

Bielecki sei von der Staatsanwaltschaft zu einer Zahlung von 480.000 Euro verurteilt worden. Seine Anwälte hätten jedoch Einspruch eingelegt, sodass das Verfahren bis heute nicht abgeschlossen sei. Bielecki behaupte, die Videos seien manipuliert worden. Unbekannte Täter hätten die Werbung in seine Videos retuschiert und er habe mit illegalem Glücksspiel nichts zu tun.

Das Beispiel Bielecki lässt vermuten, dass die deutschen Behörden entschlossen gegen Werbung für illegales Glücksspiel vorgehen. Influencer und Streamer haben eine große Reichweite, mit der sie viele Menschen zur Teilnahme am illegalen Glücksspiel bewegen könnten. Hinzu kommt, dass die Hauptzielgruppe oftmals Jugendliche und sehr junge Erwachsene sind.

Der Strafverteidiger Sinan Akcakaya, der auch viele Influencer vertritt, macht in einem Interview mit der WirtschaftsWoche auf das Problem aufmerksam:

Als Influencer muss ich genau aufpassen, für wen ich wie und wann werbe. Da wird auf dem Rücken von Minderjährigen und Spielsüchtigen viel Geld gemacht.Sinan Akcakaya, Strafverteidiger, WirtschaftsWoche

Werbung für illegales Glücksspiel auch auf anderen Plattformen

Twitch ist nicht die einzige Plattform, auf der Streamer Werbung für illegales Glücksspiel machen. Wie der Fall von Ron Bielecki zeigt, hat auch die Plattform YouTube ein Problem mit Werbung für nicht-lizenzierte Anbieter. Die Betreiber stehen vor zahlreichen Herausforderungen, um dies zu unterbinden.

Zum einen ist es ihnen nicht möglich, alle Streams zu überwachen und auf ihre Legalität zu prüfen. Twitch hat weltweit 970 Millionen Nutzer. Alle Aktivitäten und Streams zu überwachen, würde einen enormen Aufwand darstellen. Zum anderen unterscheiden sich die Glücksspielgesetze in verschiedenen Ländern. Glücksspielanbieter können in einigen Ländern lizenziert und in anderen nicht-lizenziert sein. Das muss im Einzelfall überprüft werden.

Ein weiteres Problem ist die Reaktion der Nutzer auf Einschränkungen und Verbote. Nachdem Twitch neue Richtlinien eingeführt hatte, verlor die Plattform 75 % der Glücksspiel-Zuschauer.

Mit Kick und Rumble gibt es zwei Alternativen zu Twitch und YouTube, auf denen Glücksspiel-Streams im vollen Umfang erlaubt sein sollen. Es ist vermutlich aber nur eine Frage der Zeit, bis auch diese Dienste in Konflikt mit dem Gesetz geraten werden.

Twitch droht Verbot in Schweden

Das Problem der Werbung für illegales Glücksspiel auf Twitch und anderen Streaming-Plattformen ist nicht nur in Deutschland vorhanden. Vor wenigen Tagen habe ein schwedischer Fernsehsender einen Bericht dazu ausgestrahlt, wie schwedische Twitch-Streamer illegales Glücksspiel bewerben würden.

Influencer hätten auf Twitch ihr Gameplay gezeigt und ihre Zuschauer dazu aufgerufen, sich bei den entsprechenden Anbietern zu registrieren. Der Sender habe diese untersucht und dabei festgestellt, dass es sich um illegale Glücksspielseiten gehandelt habe. Das schwedische Glücksspielgesetz verbiete Werbung für nicht-lizenzierte Anbieter. Deshalb könnte Twitch eine Strafe oder sogar ein komplettes Verbot in Schweden drohen.

Wie wird Twitch gegen das Problem vorgehen?

Derzeit werden laut verschiedenen Berichten auf Twitch lediglich Streams gesperrt, die Glücksspielanbieter ohne gültige Lizenz und ohne entsprechenden Jugendschutznachweis bewerben. Die Plattform scheint es jedoch nicht zu schaffen, alle Verstöße zu erkennen, sodass nach wie vor illegale Glücksspielanbieter beworben werden können. Auch die Streamer selbst scheinen sich ihrer Verantwortung nicht bewusst zu sein.

Twitch hat das Problem, dass es für die Betreiber der Plattform nahezu unmöglich sein könnte, alle Streams zu überwachen und Werbung für illegales Glücksspiel zu unterbinden. In Zukunft könnten der Streaming-Plattform deshalb auch in anderen Ländern rechtliche Konsequenzen drohen. Es bleibt abzuwarten, ob es den Betreibern gelingt, dieses Problem zu lösen.

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