Florida verbietet Hunderennen

Seit Jahresanfang sind Hunderennen im US-Bundesstaat Florida endgültig verboten. 11 Rennbahnen haben ihre Pforten für immer geschlossen. Vor zwei Jahren hatte sich die Mehrheit des 21,4 Millionen Einwohner zählenden Sonnenstaates für ein Verbot entschieden. Wegen sinkender Umsätze wird das Ende der Hunderennen auch für andere Staaten prophezeit. Wie sehen die Entwicklungen im Detail aus?

Zwei Windhunde beim Rennen.

An Sylvester durchquerten die letzten Greyhounds die Ziellinie des Palm Beach Kennel Clubs. ©herbert2512/Pixabay

Jahrhundertelange Tradition am Ende

Florida galt über Jahrzehnte als das Mekka des Hunderennens. Seit Januar ist diese Ära zu Ende, denn der Sonnenstaat hat Hunderennen offiziell verboten. Dem vorausgegangen war ein Voting der Einwohner vor zwei Jahren, wobei eine überwältigende Mehrheit für das Verbot ab 2021 gestimmt hatte. Folglich wurde der sogenannte Änderungsantrag 13 in Kraft gesetzt, was, zumindest in Florida, das Todesurteil für den jahrhundertealten US-Sport bedeutet.

Mit dem Ausstieg Floridas aus dem Windhund-Renngeschäft geht die dauerhafte Schließung von 11 Rennbahnen einher. In den USA existieren damit nur noch vier weitere Pisten, die sich in den Staaten West Virginia, Arkansas und Iowa befinden. Als der Änderungsantrag 13 im Jahr 2018 verabschiedet wurde, waren es noch 17 Hunderennbahnen. Strecken in Texas und Alabama haben den Betrieb zu Jahresbeginn aber ebenfalls eingestellt.

Das letzte Rennen in Florida fand in der Sylvesternacht im Palm Beach Kennel Club statt. Die Uhr schlug Mitternacht, als Windhund Bug Brush als Sieger die Ziellinie überquerte, wonach die Startboxen für immer schlossen. Doch nicht nur in Florida, auch in den übrigen Staaten sorgen Umsatzeinbrüche sowie das Engagement von Greyhound-Schützern dafür, dass der Hunderennsport US-weit vor dem Aus steht.

Der Windhund oder Greyhound wurde ursprünglich bei der Niederwildjagd eingesetzt – vor allem in USA, Spanien, Portugal, Irland, Russland und Pakistan erlangten die Tiere einen legendären Ruf bei der Hasenjagd. In Großbritannien werden Greyhounds seit 2005 auf Geschwindigkeit und Kondition getestet, dort ist die Jagd in dieser Form seit 2004 untersagt. Die heute auf Tempo gezüchteten Formen erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 80 km/h und sind daher die unangefochtenen Stars des Hunderennens. Als Familienhund ist der Greyhound ebenfalls beliebt, er gilt als ruhig und pflegeleicht.

Ist der Hunderennsport vor dem Aus?

Diese Meinung vertritt Kate MacFall, Direktorin der Humane Society Florida. Gegenüber NBC News bezog sie Stellung zur Rolle ihres Staates beim Niedergang der Windhundrennen. Florida sei einst das Delta und die Basis des Hunderennsports gewesen und habe mit Abstand über die meisten Strecken verfügt. Inzwischen sei die Industrie jedoch weit über dem Zenit und nicht mehr zeitgemäß. Das Verbot sei daher der nächste logische Schritt.

Dagegen hält Jim Gartland, Geschäftsführer des Dachverbandes der Hunderennindustrie (National Greyhound Association, NGA). Der Tag, an dem in den USA keine Windhunde mehr laufen, sei noch fern. Dass die Industrie zum Stillstand komme, sei zwar wahrscheinlich, dennoch werde es noch mindestens fünf oder zehn Jahre lang Hunderennen außerhalb von Florida geben.

Beim letzten Rennen im Palm Beach Kennel Club war Gartland selbst zugegen. Die Schließung des Clubs habe geschmerzt, so der NGA-Chef. Nachdem Bug Brush und sieben weitere Windhunde das 545-Yard-Rennen absolviert hatten und Frank Sinatras zeitloser Hit My Way ertönte, sei eine 88-jährige Geschichte zu Ende gegangen. Er hasse es daran zu denken, so die Bekundung.

Im Gegensatz zu Gartland sieht Patrick Rooney Jr., Präsident des Palm Beach Kennel Clubs, des Ende des Hunderennsports schon in absehbarer Zeit. Es sei kein Geheimnis, dass die Einnahmen aus den Rennen seit Jahren rückläufig sind. Dies verdeutliche auch der Abbau der Rennbahnen: In den späten 1980er Jahren waren in den USA noch mehr als 60 Strecken in Betrieb. Diese existierten nicht nur in den benannten Staaten, sondern auch in Connecticut, Colorado, Arizona, Wisconsin, Idaho, Kansas, Massachusetts, New Hampshire, Oregon, Vermont und New Mexico.

Engagement von Tierschützern erfolgreich

Laut Rooney sei das Aus der Hunderennen vor allem auf das Engagement von Tierschützern zurückzuführen. In der Gesellschaft habe ein Umdenken stattgefunden, die Ansichten über Tierrechte hätten sich signifikant verändert. Da die Hunde oft in beengten Unterkünften leben müssen und unter schwierigen Arbeitsbedingungen leiden, sei der Sport zum Aussterben verurteilt.

Für kommerzielle Attraktionen, die eine tierische Komponente haben, so Rooney weiter, sei es in der neuen Gesellschaft schwierig zu überleben. Dieselbe Entwicklung zeichne sich inzwischen auch beim Pferderennen oder beim Rodeo ab. Vorreiter sei das Aus der Zirkusbranche gewesen. Insgesamt wäre die Gesellschaft sensibler für die Gefühle von Tieren und für Haltungsbedingungen geworden.

Mit Floridas Verbot gibt es laut Christine Dorchak, Mitbegründerin der Anti-Rennsport-Gruppe GREY2K, in 41 Staaten Gesetze gegen Hunderennen. Mit dem fast komatösen Zustand des Sports, sei man dennoch nicht ganz zufrieden. Die Gruppe dränge zurzeit auf ein Verbot auf Bundesebene. Zahlreiche Abgeordnete würden die Forderung unterstützen. Doch auch ohne die Arbeit der Organisationen haben Hunderennen seit Jahren Einnahmen verloren. Seit 2011 sanken die Gesamtumsätze der Branche um mehr als die Hälfte.

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