Blackjack lernen in GTA: Sind Videospiele ein Einstiegstor ins echte Glücksspiel?

  • Ihr startet GTA Online, geht dort ins Casino und tauscht Geld gegen Jetons ein. Dann setzt ihr euch an den Blackjack-Tisch.
  • Schnell lernt ihr, was es mit Hit, Stand und Double auf sich hat. Ihr habt zwar kein echtes Geld verloren, aber Blackjack gelernt.
  • Was passiert, wenn Millionen Spieler Glücksspiel kennenlernen, lange bevor sie erstmals eine Spielbank betreten oder eine Glücksspielwebsite aufrufen?
  • In diesem Artikel schauen wir uns an, wie simuliertes Glücksspiel mit Echtgeldspiel zusammenhängen kann.
Ein Mann spielt auf der Konsole. Im Spiel besucht er gerade ein realistisch wirkendes Casino.

In vielen Videospielen wird Glücksspiel in Minispielen angeboten. © OnlineCasinosDeutschland.com/ChatGPT

Von GTA bis Red Dead: Glücksspiel in bekannten Videospielen

Wenn ihr jetzt denkt, dass Glücksspiel in Videospielen nur ein Randphänomen ist, dann liegt ihr falsch. Tatsächlich gibt es sehr viele Spiele, in denen ihr Poker, Blackjack oder Roulette spielen könnt.

Das gilt sowohl für kleinere Videospiele als auch für weltbekannte Titel. Da am 19. November 2026 mit GTA VI eines der langersehntesten Spiele unserer Zeit erscheinen wird, ist das Thema relevanter als je zuvor.

Wir haben uns angeschaut, in welchen Videospielen ihr tatsächlich an Glücksspielen teilnehmen könnt. Ihr werdet sehen: Es ist nicht nur ein Spieleentwickler oder ein Genre, in dem Glücksspiele angeboten werden. Ihr könnt quer durch verschiedene Spiele, Genres und Altersklassen an Glücksspielen teilnehmen.

GTA Online: Ein realistisches Casino in Los Santos

Im Spiel GTA Online könnt ihr im Diamond Casino & Resort Blackjack, Roulette, Three Card Poker und an Spielautomaten spielen. Das Etablissement entspricht optisch einem realen Casino und ist sehr detailliert. An den Tischen stehen Croupiers, ihr müsst Geld gegen Jetons eintauschen und es gibt maximale Einsatzgrenzen.

Es gibt in GTA Online außerdem das virtuelle Pferderennen Inside Track, auf dessen Ausgang ihr Wetten platzieren könnt. Auch das ist äußerst realistisch gestaltet. Zudem gibt es in dem Casino das Glücksrad Lucky Wheel.

Hier könnt ihr euch einen Eindruck von dem Casino verschaffen:

Red Dead Redemption 2: Poker & Blackjack im Saloon

In Red Dead Redemption 2 könnt ihr Poker (No-Limit Texas Hold’em) und Blackjack spielen. Dabei gelten die realen Regeln, an die ihr euch auch im Spiel halten müsst.

Gespielt wird aber nicht in einem Casino, sondern zum Großteil in Saloons. Dort sitzt ein Croupier am Tisch und leitet das Spiel. Auch das ist ziemlich realistisch gestaltet.

Schaut euch hier an, wie Blackjack in RDR 2 aussieht:

Fallout: New Vegas: Glücksspiel als Teil des Stadtbilds

In Fallout: New Vegas gibt es verschiedene Casinos, in denen Blackjack, Roulette und Spielautomaten angeboten werden. Besonders realistisch ist, dass es dabei unterschiedliche Limits, Gewinngrenzen und Mindesteinsätze gibt.

Wenn ihr in einem Casino zu viel gewinnt, fliegt ihr allerdings raus. Jedes Casino hat eine Gewinnobergrenze. Wenn ihr diese überschreitet, werdet ihr dort dauerhaft vom Glücksspiel ausgeschlossen. Wieso Bethesda diese Mechanik eingebaut hat, ist nicht bekannt. Denkbar ist jedoch, dass damit Geldfarming verhindert werden soll.

Verschafft euch hier einen Eindruck von den Casinos in Fallout: New Vegas:

Yakuza: Like a Dragon

In Yakuza: Like a Dragon werden neben klassischen Casinospielen wie Blackjack und Poker auch japanische Glücksspiele angeboten. Dabei handelt es sich um Koi-Koi und Oicho-Kabu. In anderen Teilen der Reihe könnt ihr auch Roulette spielen.

Gespielt wird in realistischen Casinos. Habt ihr zuvor noch nie gespielt, werden euch die Regeln erklärt. Das gesamte Erlebnis wirkt realistisch und erinnert stark an einen Casino-Besuch.

Schaut es euch selbst an:

Pokémon Rot/Blau

Ja, ihr habt richtig gelesen – auch in Pokémon Rot/Blau gibt es Glücksspiel. In Prismania City gibt es eine Game Corner, in der ihr an Spielautomaten spielen könnt. Wenn ihr die Corner betretet, seht ihr verschiedene andere Personen an den Automaten sitzen.

Sprecht ihr sie an, schildern sie euch ihre Erfahrungen. Eine Person sagt zum Beispiel, dass sie heute eine Glückssträhne hatte. Ein anderer Charakter schildert, dass das Spielen an den Automaten Spaß macht.

Sobald ihr euch einen Münzkorb organisiert habt, könnt ihr an den Automaten spielen. Je nachdem, welche Symbole erscheinen, erhaltet ihr unterschiedliche Auszahlungen. Auch in anderen Pokémon-Editionen wie Feuerrot/Blattgrün, Gold/Silber/Kristall und Diamant/Perl gibt es Spielhallen mit Slots.

Ihr könnt euch in diesem Video einen Eindruck von der Spielhalle in Pokémon Blau machen. Sie ist ab der Minute 15:40 zu sehen:

So funktioniert Glücksspiel in Videospielen

Welche Arten von Glücksspiel in welcher Form angeboten werden, unterscheidet sich in den einzelnen Spielen. Ob ihr mit der In-Game-Währung spielt oder Jetons kaufen müsst, wo ihr spielt und wie wichtig die Spiele sind, variiert von Titel zu Titel.

Schauen wir uns deshalb an, wie Glücksspiel in den von uns ausgewählten fünf Videospielen funktioniert:

Spiel Glücksspiele Regeln Umgebung
GTA Online Blackjack, Roulette, Three Card Poker, Spielautomaten, virtuelle Pferderennen
Red Dead Redemption 2 Poker, Blackjack; zudem Domino und Five Finger Fillet mit Wetteinsätzen
Fallout: New Vegas Blackjack, Roulette, Spielautomaten
Yakuza: Like a Dragon Blackjack, Poker, Koi-Koi, Oicho-Kabu
Pokémon Rot/Blau Spielautomaten

Alle Spiele haben gemeinsam, dass Glücksspiel nach realen Regeln gespielt wird. Es werden also keine bekannten Spiele abgeändert oder an das Spiel angepasst. Kennt ihr die Regeln von Blackjack in Red Dead Redemption 2, dann kennt ihr auch die Regeln von Blackjack in einem echten Casino. Lediglich die Gewinnwahrscheinlichkeiten können sich von echtem Glücksspiel unterscheiden.

Diese Unterschiede gibt es dabei

Obwohl in unseren fünf Spielen ähnliche Spielarten angeboten werden und sie echten Regeln folgen, gibt es Unterschiede. Nicht jedes Glücksspiel in Videospielen funktioniert gleich.

Wir haben genauer hingeschaut. Dabei sind uns folgende Unterschiede aufgefallen:

  • Spielort: In einigen Titeln werden die Glücksspiele in realistischen Casinos angeboten. Besonders in GTA Online und in Fallout: New Vegas erinnern die Etablissements stark an echte Casinos. Das ist aber nicht immer der Fall, denn in RDR 2 spielt ihr überwiegend im Saloon, während es in Pokémon eine separate Spielhalle ist.
  • Währung: Auch womit ihr die Glücksspiele zahlt, variiert. In manchen Spielen tauscht ihr die In-Game-Währung im Casino gegen Jetons. Das ist z. B. bei GTA Online und Fallout: New Vegas der Fall. In RDR2 spielt ihr einfach mit der In-Game-Währung. In Pokémon Rot/Blau tauscht ihr Pokédollar gegen Coins, mit denen ihr dann an den Automaten spielen könnt.
  • Bedeutung: In den meisten Spielen ist die Teilnahme am Glücksspiel optional. In Pokémon, GTA Online, Fallout: New Vegas und Yakuza: Like a Dragon ist das Glücksspiel nicht relevant für die Hauptstory. Anders sieht es hingegen bei den Herausforderungen und Trophäen aus. In Red Dead Redemption 2 gibt es zehn Gambler Challenges. Wenn ihr diese nicht abschließt, könnt ihr das Spiel nicht auf 100 % bringen und ihr bekommt auch nicht alle Trophäen. Deshalb haben die Glücksspiele doch eine größere Bedeutung.
  • Zugang: In den meisten Videospielen wird der Zugang zu Casinos erst im Verlauf der Story möglich. Ihr müsst erst bestimmte Orte freischalten, um die Casinos zu erreichen. In Pokémon Rot/Blau braucht ihr zudem einen Münzkorb, den ihr von einem Mann in einem Restaurant erhaltet.
  • Belohnung: In der Regel erhaltet ihr für eure Gewinne im virtuellen Casino Geld in der In-Game-Währung oder Spieljetons, die ihr dann gegen Belohnungen eintauschen könnt. In Pokémon Rot/Blau könnt ihr sie z. B. gegen ein Dratini, Porygon oder Sichlor eintauschen. Mit den Chips lassen sich in Yakuza: Like a Dragon Waffen, Ausrüstung und andere Sammelobjekte eintauschen. Eine Sonderrolle hat dabei RDR 2: Ihr müsst unter anderem alle Gambler Challenges erfüllen, um das Outfit Legend of the East freizuschalten.
  • Besonderheit: In unseren fünf Spielen gibt es rund um das Glücksspiel einige Besonderheiten. In Fallout könnt ihr mit der Charaktereigenschaft „Glück“ eure Gewinnwahrscheinlichkeit manipulieren. In Pokémon Rot/Blau erhaltet ihr nicht einfach nur Geld, sondern Zugriff auf seltene Pokémon und TMs. In Red Dead gibt es verschiedene Gambler Challenges.

Besonders interessant ist für uns die Bedeutung der Glücksspiele. Wenn sie rein optional sind und keinen Einfluss auf das Abschließen des Spiels haben, liegt es allein bei euch, ob ihr an den Spielen teilnehmt. Wenn es aber nicht nur ein optionales Minispiel ist, sondern eine größere Bedeutung hat (wie z. B. in Red Dead Redemption 2), dann sieht die Sache schon anders aus.

Wann wird aus einem Minispiel eigentlich rechtlich gesehen Glücksspiel?

Während die meisten Spieler an Glücksspielen in Videospielen teilnehmen, um zusätzliche Items zu erhalten, machen sie sich wahrscheinlich gar keine Gedanken über die rechtliche Bedeutung. Videospiele sind kein rechtsfreier Raum, sodass natürlich auch für sie Gesetze und Vorgaben gelten. Dabei gibt es jedoch einen kleinen, aber feinen Unterschied.

Ein zweigeteiltes Bild. Links spielt jemand Blackjack in einem Videospiel. Rechts spielt jemand Blackjack im echten Casino.

© OnlineCasinosDeutschland.com/ChatGPT

Virtuelles Blackjack ist nicht zwingend Glücksspiel

Wenn ihr in einem Videospiel Blackjack, Roulette oder Poker spielt, muss das nicht zwingend klassisches Glücksspiel sein. Die Rechtsprechung macht einen Unterschied zwischen Glücksspiel und simuliertem Glücksspiel.

Nach § 3 Glücksspielstaatsvertrag liegt Glücksspiel vor, wenn für die Gewinnchance ein Entgelt verlangt wird und der Gewinn ganz oder überwiegend vom Zufall abhängt.

Fehlt beispielsweise der entgeltliche Einsatz oder ein geldwerter Gewinn, kann ein Spiel echtes Glücksspiel zwar nachahmen, rechtlich aber als simuliertes Glücksspiel einzuordnen sein.

Das lässt sich am einfachsten in vier Punkten erklären:

  • Einsatz & Verlust: Im echten Casino setzt ihr euer eigenes Geld aufs Spiel. Wenn ihr verliert, ist das Geld weg. Die Funktionsweise ist in Videospielen ähnlich. Dort setzt ihr in der Regel aber nicht echtes Geld ein, sondern die In-Game-Währung bzw. kauft damit Jetons, Coins oder Ähnliches.
  • Reales Vermögen: Ein sehr wichtiger Unterschied ist, ob ihr aus den Gewinnen ein reales Vermögen erhaltet. Normalerweise gewinnt ihr Spielchips in eurem Videospiel und könnt dann innerhalb des Spiels damit virtuelle Gegenstände erwerben. Dabei habt ihr meistens nicht die Möglichkeit, die Gewinne in echtes Geld umzutauschen. Dann spricht man eher von simuliertem Glücksspiel.
  • Zufall: In Bezug auf den Zufall sind sich echtes und virtuelles Glücksspiel sehr ähnlich. Auch beim virtuellen Blackjack oder Roulette kann der Zufall entscheiden. Die Regeln stimmen in den von uns ausgewählten Beispielen überein – zu den Mechanismen im Hintergrund können wir natürlich nichts sagen. Dennoch scheint der Spielmechanismus keinen wesentlichen Einfluss darauf zu haben, ob echtes oder virtuelles Glücksspiel vorliegt.
  • Kreislauf: In unseren fünf Videospielen bleibt das Glücksspiel in einem geschlossenen Kreislauf. Ihr nutzt die Spielwährung als Einsatz und gewinnt bzw. verliert damit. Dann erhaltet ihr eine virtuelle Belohnung. Beim realen Glücksspiel setzt ihr aber echtes Geld ein und bekommt auch reale Gewinne oder Verluste.

Aus rechtlicher Sicht scheint es also keinen Unterschied zu machen, wo das virtuelle Glücksspiel angeboten wird. Ob ihr in einem virtuellen Casino spielt, in einem Saloon oder ganz woanders. Auch realistische Regeln bedeuten nicht automatisch, dass aus rechtlicher Sicht Glücksspiel vorliegt. Das Thema ist also deutlich komplexer.

Der Jugendschutz hat trotzdem ein Auge auf die Glücksspielthematik

Wenn ihr ein Videospiel kauft, dann ist dieses meistens mit einem USK-Badge versehen. USK steht für Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle. Sie prüft die Altersfreigabe von Videospielen.

Auf den ersten Blick stoßen wir hier auf einen Widerspruch: Glücksspiel ist in Deutschland erst ab 18 Jahren erlaubt. Dennoch taucht es in Videospielen auf, die teilweise auch von Kindern und Jugendlichen gespielt werden.

Die USK gibt auf ihrer Website an, dass die Glücksspielthematik ein Punkt ist, der in die Bewertung einfließt. Laut der USK wurde dieses Kriterium bereits im August 2020 in die Bewertung aufgenommen.

Dafür werden verschiedene Gründe angegeben. Die USK fürchtet unter anderem, dass glücksspielähnliche Mechaniken durch die Spiele Einzug in den Medienalltag von Kindern und Jugendlichen finden.

Sie macht damit auf einen wichtigen Punkt aufmerksam: Nur weil simuliertes Glücksspiel aus rechtlicher Sicht von echtem Glücksspiel zu trennen ist, gilt diese Trennung nicht für den Jugendschutz. Kinder und Jugendliche müssen auch vor simuliertem Glücksspiel geschützt werden.

Und bei den Spielen aus diesem Artikel? Hier findet ihr die USK-Freigabe für unsere fünf Spiele:

  • GTA Online: USK ab 18
  • Red Dead Redemption 2: USK ab 18
  • Fallout: New Vegas: USK ab 18
  • Yakuza: Like a Dragon: USK ab 18
  • Pokémon Rot/Blau: USK ab 0

Dazu ist allerdings zu sagen, dass die Einstufung USK ab 18 höchstwahrscheinlich wegen der Gewaltdarstellungen in den Spielen getroffen wurde und nicht wegen der Glücksspielthematik.

Pokémon hat hingegen die Einstufung USK ab 0 und scheint damit auf dem Papier auch für Kinder sicher zu sein. Diese Einstufung hat das Spiel im Jahr 2003 erhalten. Die Glücksspielthematik wurde allerdings erst 2020 ausdrücklich in die Leitkriterien der USK aufgenommen. Wie die Inhalte heute bewertet würden, lässt sich daraus nicht ableiten.

Aktuelle Zahlen: Was die Forschung zu dem Thema sagt

Am 28. August 2026 wurde ein neues Review zu dem Thema veröffentlicht. Dabei handelt es sich um die Veröffentlichung Simulated Gambling Games: an Integrative Review of Links with Monetary Gambling and Harmful Gambling in Adolescents and Adults. Die Autoren haben bereits vorhandene Studien systematisch zusammengetragen, verglichen und ausgewertet.

Zu Beginn wird erklärt, dass simuliertes Glücksspiel audiovisuellen und strukturellen Merkmalen von Glücksspiel mit echtem Geld entspricht, aber einer völlig anderen Regulierung unterliegt. Die Forscher wollten untersuchen, welche Auswirkungen simuliertes Glücksspiel hat – mit besonderem Blick auf Jugendliche.

Eine australische Studie hat ergeben, dass 40 % der Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren Spiele mit simuliertem Glücksspiel konsumiert haben. In Deutschland waren es laut einer anderen Untersuchung 50 % und in Dänemark sogar 66 %. Das zeigt, wie relevant dieses Thema ist.

Wir fassen für euch die Kernaussagen des aktuellen Reviews zusammen:

  • Simuliertes Glücksspiel und Echtgeldglücksspiel hängen oft zusammen: Alle ausgewerteten Querschnittstudien kamen zu demselben Ergebnis. Jugendliche und Erwachsene, die zuvor mit simuliertem Glücksspiel in Kontakt gekommen sind, spielen später häufig auch um echtes Geld. Sie weisen sogar häufiger problematisches Glücksspielverhalten auf. Dadurch wird keineswegs eine Ursache aufgezeigt, aber eine Überschneidung lässt sich eindeutig erkennen.
  • Es gibt Hinweise auf einen Stimulus-Effekt: Die Forscher haben sich drei Erklärungen angeschaut. 1. Simuliertes Glücksspiel könnte künftiges Echtgeldspiel fördern (Stimulus). 2. Risikofreudige Menschen interessieren sich einfach für beides (Selection). 3. Simuliertes Glücksspiel könnte echtes Glücksspiel ersetzen (Suppression). Die bisherigen Zahlen deuten an, dass es einen Stimulus-Effekt gibt.
  • Forscher führen ein 24-Wochen-Experiment durch: Ein australisches Forscherteam hat ein 24-Wochen-Experiment durchgeführt. 556 junge Erwachsene sollten mindestens fünf Minuten pro Woche an einem simulierten Spielautomaten spielen. Das Ergebnis war eindeutig: Je häufiger die Personen an dem simulierten Automaten spielten, umso höher waren ihre Ausgaben an echten Spielautomaten in der Woche danach. Bei den Teilnehmern handelte es sich um Personen, die vorab schon Erfahrung mit echten Spielautomaten hatten. Es wurden also keine neuen Spieler angeworben. Bei erfahrenen Spielern haben sich die Ausgaben erhöht.
  • Forscher finden einen plausiblen Mechanismus: Die Autoren argumentieren, dass simuliertes Glücksspiel die Merkmale von echtem Glücksspiel nachbildet (denkt an unsere Auswertung weiter oben). Dadurch kann es vertraut und normalisiert werden. Es kann sogar zu einer Art Verhaltenstraining kommen. Überhöhte Gewinnchancen, reizvolle Boni und Fortschrittssysteme können außerdem unrealistische Erwartungen schüren.
  • Die kausalen Zusammenhänge sind weiterhin nicht geklärt: Das Review sagt ganz eindeutig nicht, dass Spiele wie GTA oder RDR 2 aus Spielern Glücksspieler machen. Die kausalen Zusammenhänge sind nicht abschließend geklärt. Auch Faktoren wie die individuelle Risikobereitschaft, Impulsivität oder bereits vorhandene Glücksspielprobleme könnten relevant sein.

Die Autoren des Reviews geben an, dass die Datenlage teilweise schwierig ist. Viele Forschungen fokussieren sich auf Social Casino Games oder simulierte Spielautomaten. Zu simuliertem Poker, Blackjack und Roulette fordern sie ausdrücklich eine weitergehende Forschung.

Studie aus Deutschland liefert interessante Erkenntnisse

In diesem Zusammenhang ist auch eine Studie aus Deutschland relevant. Sie wurde 2020 unter dem Titel „Simulated gambling consumption mediation model (SGCMM): disentangling convergence with parallel mediation models“ von Tim Brosowski, Tobias Turowski und Dr. Tobias Hayer veröffentlicht.

Die zentrale Frage dieser Arbeit ist: Wenn Jugendliche simuliertes Glücksspiel nutzen (z. B. in Videospielen, den sozialen Medien oder Apps), steigt dann ihre Wahrscheinlichkeit für Echtgeldglücksspiel oder sogar problematisches Glücksspiel? Und falls ja, woran liegt das?

Dafür wurden insgesamt 1.905 Schüler aus Hamburg, Bremen und Lübeck befragt. Die Schüler verschiedener Schulformen besuchten die Klassen 6 bis 10 und haben im Abstand von 12 Monaten zwei Fragebögen ausgefüllt. Für die 12-Monatsstudie wurden die Daten von 1.178 Schülern ausgewertet. Das durchschnittliche Alter lag bei 13,6 Jahren.

Ein junger Mann spielt auf seinem Computer Slots.

© OnlineCasinosDeutschland.com/ChatGPT

Die Studie hat ergeben, dass ungefähr die Hälfte der Schüler bei der ersten Befragung im vergangenen Jahr mindestens eine Form von simuliertem Glücksspiel genutzt hat. Vier von zehn haben mindestens einmal an Echtgeldglücksspiel teilgenommen – obwohl Glücksspiel erst ab 18 Jahren erlaubt ist.

Die Forscher konnten außerdem Zusammenhänge zwischen der Nutzung von simuliertem Glücksspiel und problematischem Glücksspiel 12 Monate später feststellen. Dabei handelte es sich beispielsweise um die Glücksspielhäufigkeit und irrationale Vorstellungen. Vor allem simuliertes Glücksspiel innerhalb von Videospielen stand im Zusammenhang mit dem Einstieg ins Echtgeldspiel.

Der Konsum von simuliertem Glücksspiel in Videospielen und sozialen Netzwerken scheint zudem die Wahrnehmung von Glücksspielwerbung zu beeinflussen. Es scheint, als würde simuliertes Glücksspiel die Wahrnehmung von Glücksspielwerbung verstärken. Dadurch könnte es eine höhere Wahrscheinlichkeit für einen Einstieg ins Echtgeldspiel geben.

Auch diese Studie hat also nicht bewiesen, dass Glücksspiel in Videospielen Menschen automatisch zum Echtgeldspiel animiert. Sie liefert vielmehr Hinweise darauf, dass simuliertes Glücksspiel bei Jugendlichen mit späterem Echtgeld- und problematischem Glücksspiel zusammenhängen kann.

Es gibt einen Zusammenhang – aber keinen Beweis für Ursache

Bei all den bisher gewonnenen Erkenntnissen muss ein Punkt klar benannt werden. Bisher konnte die Forschung nicht beweisen, dass simulierte Glücksspiele zu einem Einstieg in Echtgeldglücksspiel führen.

Jugendliche mit simuliertem Glücksspiel stiegen häufiger ins echte Glücksspiel ein. Ob das Videospiel aber die Ursache dafür war, konnte bisher nicht eindeutig belegt werden. Denn es könnte schlichtweg einen Selection-Effekt geben: Menschen mit einer hohen Risikobereitschaft oder einem Glücksspielinteresse könnten häufiger simulierte Glücksspiele und Echtgeldglücksspiele nutzen.

Auch Werbung, der Freundeskreis und die Familie, der Zugang zu Glücksspiel sowie das allgemeine Gaming-Verhalten könnten eine Rolle spielen. Die bisherige Forschung liefert also einen begründeten Verdacht, aber noch keinen Schuldspruch.

Interview mit Dr. Hayer: Es spricht einiges für den Türöffner-Effekt

Wir haben euch oben schon einige Ergebnisse aus der Studie von Tim Brosowski, Tobias Turowski und Dr. Tobias Hayer erläutert. Da wir uns nun ebenfalls intensiv mit dem Thema Glücksspiel in Videospielen beschäftigen, wollten wir nochmal genauer nachfragen.

Dafür haben wir uns an Dr. Tobias Hayer gewandt, der Mitautor der Studie „Simulated gambling consumption mediation model (SGCMM): disentangling convergence with parallel mediation models“ ist. Er hat uns vier spannende Fragen beantwortet.

1. Was könnte bei einem Jugendlichen konkret passieren, der in Videospielen regelmäßig Blackjack, Poker oder Spielautomaten nutzt? Geht es eher um Gewöhnung, Regelwissen, Normalisierung oder um andere Effekte?

Dr. Hayer: „Zunächst bleibt festzuhalten, dass inzwischen eine Vielzahl an internationalen Studien einen positiven Zusammenhang zwischen der Teilnahme an verschiedenen Formen des simulierten Internet-Glücksspiels und der Teilnahme am echten Glücksspiel sowie einem größeren Risiko für glücksspielbedingte Schäden belegt hat. Dies gilt im Übrigen sowohl für das Jugend- als auch für das Erwachsenenalter.

Weiterführend existieren experimentelle Forschungen und längsschnittliche Untersuchungen, die in durchaus konsistenter Weise für einen sogenannten Reiz-Expositions-Effekt sprechen: Werden simulierte Internet-Glücksspiele genutzt, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit einer späteren Glücksspielbeteiligung um echtes Geld.

Unklar ist hingegen der konkrete Wirkmechanismus. Aufgrund der strukturellen Ähnlichkeit der beiden Spielangebote liegt es nahe, dass die Teilnahme an simulierten Internet-Glücksspielen als eine Art Verhaltenstraining für echtes Glücksspiel fungiert, Normalisierungs- bzw. Gewöhnungseffekte hervorruft und damit schrittweise Hemmschwellen in Richtung echtes Glücksspiel abbaut.“

2. In Ihrer Studie war simuliertes Glücksspiel innerhalb von Videospielen besonders auffällig. Warum könnte gerade diese Form relevanter sein als andere Formen simulierten Glücksspiels?

Dr. Hayer: „Diesen Einzelbefund würde ich nicht überbewerten, da die Datenerhebung vor über zehn Jahren erfolgte und sich der Gaming-Markt seitdem mit innovativen Produktideen und neuartigen Geschäftsmodellen in enormer Geschwindigkeit weiterentwickelt hat.

Dennoch ist er erklärbar: So zählen Videospiele unterschiedlicher Art schon sehr früh im Entwicklungsverlauf zur Lebensrealität vieler Heranwachsender. Aufgrund dieser Reichweite geraten Gamer*innen geradezu zwangsläufig in Kontakt mit diversen Facetten des simulierten Internet-Glücksspiels.

Eng damit verzahnt können verdeckte Kostenfallen sein, da Spieler*innen nicht selten zu Geldausgaben, wenn auch in Kleinbeträgen, verleitet werden.

Anders sieht es etwa bei Demospielen im Punktemodus aus, die in der Regel auf separaten Websites oder als Apps von Glücksspielanbietern bereitgestellt werden und es den Nutzer*innen erlauben, diese Spiele auszuprobieren, ohne echtes Geld einzusetzen.

Im Gegensatz zu simulierten Glücksspielen im Rahmen von Videospielen dürfte eine Entscheidung für eine Spielteilnahme hier bewusster erfolgen und sich daneben auch als weniger prävalent erweisen.“

3. Macht es aus Ihrer Sicht einen Unterschied, wie realistisch das Glücksspiel im Videospiel umgesetzt ist – also ob echte Regeln gelten, ein Casino nachgebildet wird oder der Spieler für das Glücksspiel zusätzlich belohnt wird?

Dr. Hayer: „Die Gestaltung von simulierten Internet-Glücksspielen ist sicherlich ein wichtiger Faktor für deren Wirkung. Auch wenn hierzu keine konkreten wissenschaftlichen Erkenntnisse vorliegen, ist davon auszugehen, dass gerade die Realitätsnähe bzw. strukturelle Ähnlichkeit zu echtem Glücksspiel mit einem hohen Aufforderungscharakter verbunden ist.

Oder anders ausgedrückt: Je auffälliger oder bedeutsamer die Glücksspielreize einschließlich der damit assoziierten Belohnungseffekte ausfallen, desto eher wird ihnen subjektive Bedeutung zugeschrieben und desto wahrscheinlicher dürften anschließende Migrationsbewegungen hin zu echtem Glücksspiel sein.

Ein weiterer zentraler Faktor bezieht sich auf die Zentralität der jeweiligen Glücksspiel-Simulation: Ist sie wesentlich in das Spielgeschehen eingebunden oder lediglich eine marginale Randerscheinung? Auch hier sind ganz unterschiedliche Auswirkungen auf nachfolgende Glücksspielaktivitäten zu erwarten.“

4. Ab welchem Punkt würden Sie wissenschaftlich tatsächlich von einem „Einstiegstor“ zum Echtgeldglücksspiel sprechen? Welche Belege fehlen dafür bislang noch?

Dr. Hayer: „Aus meiner Sicht spricht der Forschungsstand bereits jetzt für die „Türöffner-These“ bzw. belegt Migrationseffekte in hinreichender Weise: Personen, die Erfahrungen mit simulierten Internet-Glücksspielen aufweisen, beginnen nachfolgend mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit mit echtem Glücksspiel als die Vergleichsgruppe der Unerfahrenen.

Zum einen sollte dieser Befund mit weiteren Längsschnittdaten, weiterreichenden Erhebungszeiträumen und wohldefinierten Stichproben abgesichert werden.

Zum anderen sehe ich dringenden Forschungsbedarf in der Bestimmung der spezifischen Kipppunkte: Wann genau erfolgt der Umstieg zum echten Glücksspiel? Welche Mechanismen und Prozesse sind hierfür verantwortlich? Welche Rolle spielen zum Beispiel personenbezogene Faktoren wie Impulsivität oder kognitive Verzerrungen? Und welche Bedeutung haben Game-Design-Elemente wie In-Game-Käufe, Mikrotransaktionen oder überhöhte Ausschüttungsquoten?

Schließlich ist zu evaluieren, welche verhaltens- und verhältnispräventiven Maßnahmen wirksam sind, um etwaige Entwicklungsbeeinträchtigungen bestmöglich zu verhindern.“

Spielerstimmen – was Gamer selbst über virtuelles Glücksspiel berichten

Nachdem wir uns nun verschiedene Forschungsergebnisse angeschaut und die Einschätzung von Dr. Hayer gehört haben, möchten wir nun auch Spieler zu Wort kommen lassen.

Um mehr über die Wahrnehmung und Erfahrungen von Spielern zu erfahren, haben wir eine Umfrage auf Reddit gestartet. Wir haben die GTA Online- und RDR2-Community gefragt, ob das simulierte Glücksspiel in den Spielen ihre Einstellung zu Echtgeldglücksspiel beeinflusst hat.

Anscheinend haben wir mit der Frage einen Nerv getroffen, denn wir haben sehr viele Antworten erhalten. Die Tendenz ist eindeutig: Nein, eine klare Mehrheit der User denkt nicht, dass simuliertes Glücksspiel in GTA Online und Red Dead Redemption 2 ihre Einstellung zu Glücksspiel mit echtem Geld beeinflusst. Einige halten diese Vermutung sogar für absoluten Schwachsinn.

Schauen wir uns die konkreten Zahlen an. Wir haben insgesamt 73 verwertbare Antworten erhalten und diese ausgewertet. Diese Umfrage ist nicht repräsentativ, sondern gibt nur die Einschätzung aus zwei Gaming-Communities wieder. Das Ergebnis ist klar:

Eine Statistik dazu, ob virtuelles Glücksspiel die Sicht auf echtes Glücksspiel beeinflusst.

© OnlineCasinosDeutschland.com/ChatGPT

68,5 % der Umfrage-Teilnehmer gaben an, dass virtuelles Glücksspiel überhaupt keinen Einfluss darauf hat, wie sie echtes Glücksspiel sehen. 17,8 % finden hingegen schon, dass es einen Einfluss gibt. 13,7 % waren sich nicht sicher oder sehen es gemischt. Schauen wir uns jetzt an, woran die Nutzer ihre Sichtweise festmachen.

Virtuelles Glücksspiel hat keinen Einfluss auf die Einstellung zu echtem Glücksspiel

Ein Großteil der User meint, dass virtuelles Glücksspiel überhaupt nicht beeinflusst, wie sie zu echtem Glücksspiel stehen. Dafür führen sie verschiedene Argumente an:

  • Kein echtes Geld = kein echtes Risiko: Das mit Abstand häufigste Argument ist, dass virtuelle Verluste für viele User bedeutungslos sind. Sie verlieren kein echtes Geld und haben dadurch auch keinen realen Schaden.
  • Verluste lassen sich rückgängig machen: Viele User schildern, dass sie Verluste im Spiel durch Speichern/Neuladen einfach rückgängig machen können. Es fehlt also die Konsequenz. Ein User sagt explizit, dass man im echten Leben nicht einfach neu laden kann.
  • Trennung von Fiktion und Realität: Die meisten Spieler scheinen sehr bewusst zwischen fiktivem Spielen und der Realität zu unterscheiden. Nur, weil man etwas im Spiel tut, muss man es nicht auch im echten Leben machen. Einige vergleichen das sogar mit Gewalt in Videospielen, die sich auch nicht automatisch auf die Realität überträgt.
  • Einsätze sind zu gering: Im Verhältnis zum Spielvermögen sind die maximalen Einsätze in virtuellen Casinos oft verschwindend gering. Dadurch fehlt das Gewinn- und Verlustgefühl. Vor allem in RDR2 sind die Einsätze und Verluste bei den Glücksspielen absolut bedeutungslos.
  • Negative Einstellung zu Glücksspiel: Manche User schildern, dass sie von vornherein eine negative Einstellung zu Glücksspiel haben. Simuliertes Glücksspiel kann ihre Meinung nicht ändern.

Unsere Auswertung ist eindeutig. Ein Großteil der User gibt an, dass sie keinen Einfluss von simulierten Glücksspielen auf ihre Haltung zu Echtgeldglücksspiel wahrnehmen. Von einem möglichen Zusammenhang oder gar Gefahren möchten sie nichts wissen. Einige hielten uns sogar für verrückt, weil wir so etwas fragen, und wurden wütend.

Wir haben ein paar Antworten für euch herausgesucht:

Comment by u/MiriamLovesSport94 from discussion in reddeadredemption

Übersetzung: Nein, denn kein echtes Geld = kein echter Einsatz.

Comment by u/MiriamLovesSport94 from discussion in reddeadredemption

Übersetzung: Nein … Ich habe nie zugelassen, dass sich Fantasie und Realität vermischen.

Comment by u/MiriamLovesSport94 from discussion in gtaonline

Übersetzung: Nein, im echten Leben spiele ich nie, aber ich besuche das GTA-Casino mehrmals pro Woche.

Comment by u/MiriamLovesSport94 from discussion in gtaonline

Übersetzung: Nee, ich spiele gerne Blackjack und Poker – sowohl im echten Leben als auch in Videospielen –, daher hat es mir auch in RDR2 Spaß gemacht. Aber ich spiele nicht um echtes Geld und habe mich auch nie auch nur im Geringsten durch ein Videospiel dazu verleitet gefühlt.

Comment by u/MiriamLovesSport94 from discussion in gtaonline

Übersetzung: Nein. Überhaupt nicht. Ich bin arm, also habe ich sowieso nicht viel Geld zu verlieren.

Nur wenige User sind anderer Meinung

Unter den befragten Reddit-Nutzern gibt es die klare Tendenz, dass simuliertes Glücksspiel überhaupt keinen Einfluss darauf hat, wie sie zu echtem Glücksspiel stehen. Es gibt nur wenige User, die das anders sehen.

Ein User hat geschildert, in GTA Blackjack gelernt und danach ein echtes Casino besucht zu haben. Ein anderer meint, dass simuliertes Glücksspiel Selbstüberschätzung fördern könnte.

Im Rahmen unserer Umfrage hat ein weiterer Nutzer konkret geschildert, dass GTA seine Einstellung zu Glücksspiel verändert hat. Er hat in GTA Online durch die Casinospiele ein virtuelles Vermögen aufgebaut. Er hat daraus die Erkenntnis gewonnen, dass Glücksspiel vor allem für Menschen funktioniert, die genügend verfügbares Geld haben. GTA Online hat ihn zwar nicht ins echte Casino gebracht, aber zumindest seine Einstellung verändert.

Hier findet ihr zwei Gegenstimmen:

Comment by u/MiriamLovesSport94 from discussion in reddeadredemption

Übersetzung: Ja, dadurch dachte ich, ich wäre besser darin, als ich es tatsächlich war.

Comment by u/MiriamLovesSport94 from discussion in gtaonline

Übersetzung: Dadurch wurde mir klar, dass ich in der Nähe eines Casinos nichts zu suchen habe.

Unterschätzte Gefahr oder Abschreckung?

Was lässt sich aus den gewonnenen Antworten schließen? Für uns haben sich zwei Sichtweisen ergeben.

Einerseits scheinen sehr viele Gamer selbst keinen Einfluss von simuliertem Glücksspiel zu bemerken. Viele lehnen kategorisch ab, dass es auch nur einen kleinen Zusammenhang geben könnte. Sie sind der Meinung, Fiktion und Realität sehr gut auseinanderhalten zu können.

Andererseits kann virtuelles Glücksspiel bei einigen Nutzern nach eigener Aussage aber auch abschreckend wirken. Wer sein ganzes Geld im simulierten Casino in GTA verliert, ist auch für das echte Leben sensibilisiert. Vielleicht lehnen diese Menschen Glücksspiel in der Zukunft komplett ab. Auch wir kommen also zu keinem eindeutigen Ergebnis.

Das sagt ein Gamer über seine Erfahrungen mit simuliertem Glücksspiel

Durch unsere Umfrage auf Reddit sind wir auf einen Spieler aufmerksam geworden. Er hat uns geantwortet, dass er durch GTA Blackjack gelernt und daraufhin ein echtes Casino besucht hat. Wir haben uns an den Nutzer gewandt und ihm ein paar Fragen gestellt.

1. Was war das erste Videospiel, in dem du, soweit du dich erinnern kannst, an Glücksspielen teilgenommen hast, und wie alt warst du damals ungefähr?

Das war GTA V. Damals war ich 30 Jahre alt.

2. Hast du durch das Spiel tatsächlich etwas über Glücksspiele gelernt – zum Beispiel die Regeln von Blackjack, Poker oder Spielautomaten – oder kam es dir einfach wie ein weiteres Minispiel vor?

Ja, ich habe durch GTA V die Regeln von Blackjack gelernt. Und das sogar ziemlich gut. Vorher hatte ich noch nie Blackjack gespielt.

3. Wenn du später mit echtem Geld gespielt hast, kam dir diese Erfahrung dann vertrauter vor, weil du ähnliche Spiele bereits in Videospielen gesehen oder gespielt hattest?

Als ich später Blackjack im echten Casino gespielt habe, hat es sich direkt vertraut angefühlt, weil ich in GTA ja schon so viel Blackjack gespielt hatte.

4. Glaubst du, dass das Glücksspiel in Videospielen deine Entscheidung, das Glücksspiel mit echtem Geld auszuprobieren, überhaupt beeinflusst hat – wenn auch nur geringfügig –, oder siehst du die beiden Dinge als völlig getrennt an?

Nein, ich sehe da keine Verbindung. Ich war in meinem Leben nur viermal im Casino und habe nur einmal dort gespielt.

5. Wenn du heute zurückblickst: Glaubst du, dass Videospiele das Glücksspiel normaler, harmloser oder leichter verständlich erscheinen lassen können, als es in Wirklichkeit ist? Warum oder warum nicht?

Ja, ich glaube, dass Videospiele Glücksspiel normalisieren können. Ich glaube auch, dass es für jüngere oder anfälligere Menschen schädlich sein kann.

GTA VI könnte zum nächsten großen Testfall werden

Das Thema simuliertes Glücksspiel in Videospielen ist auch vor dem Hintergrund der anstehenden Veröffentlichung von GTA VI relevant. Sicher habt ihr schon mitbekommen, dass das Spiel am 19. November 2026 erscheinen wird.

Es dürfte sich dabei um einen der größten Releases aller Zeiten handeln. Experten schätzen, dass das Spiel bereits 4,6 Millionen Mal vorbestellt wurde und dabei einen Umsatz von über 260 Millionen Dollar gebracht hat. Für die erste reguläre Verkaufswoche sind Verkäufe von 37 bis 51 Millionen weiteren Exemplaren vorausgesagt.

Am 27. August wurde auf Netflix das erste Video mit In-Game-Material von GTA VI veröffentlicht. Der Andrang war so groß, dass die Server vom Streaming-Riesen Netflix zeitweise überlastet waren. Das Video wurde inzwischen auch auf YouTube hochgeladen und hat bereits 28 Millionen Klicks (Stand: 21.09.2026). Ihr könnt es euch wegen der Altersbeschränkung nur direkt auf YouTube anschauen:

Das ist deshalb so relevant, weil in GTA Online simuliertes Glücksspiel angeboten wird. Es gibt in dem Spiel das echt wirkende Diamond Casino & Resort, in dem ihr an verschiedenen Glücksspielen teilnehmen könnt. Aktuell ist nicht bekannt, ob und in welcher Form Glücksspiel Bestandteil von GTA VI sein wird.

Fest steht, dass viele Fans darauf hoffen. Sie würden sich sogar freuen, wenn der Glücksspielteil ausgebaut wird. Wir haben auf Reddit zahlreiche Kommentare zu diesem Thema gefunden:

Comment by u/Intelligent_Paper295 from discussion in GTA6

Übersetzung: Ich bin mir sicher, dass Rockstar aus dem Casino-DLC viel gelernt hat. Ich bin mir sicher, dass es Aspekte geben wird, die deutlich verbessert werden. Ich fände einen Casino-Raubüberfall im Story-Modus großartig.

Comment by u/TheSoleWolf from discussion in GTA6

Übersetzung: Texas Hold’em an einem Tisch für 8 Spieler. Vielleicht sogar Turniere mit etwa 100 Teilnehmern.

Comment by u/TheSoleWolf from discussion in GTA6

Übersetzung: Vor der Küste muss ein Schiff liegen, das als schwimmendes Casino dient [Sun Cruise Casino], und man muss mit einem Boot hinfahren können, um dort zu spielen.

Ob Rockstar Glücksspiel in GTA VI integriert hat, bleibt eine spannende Frage. Sollte das bisher beliebte Casino verschwinden, wäre das aufgrund der prominenten Rolle in GTA Online bemerkenswert.

Abschließendes Urteil: Sind virtuelle Casinos wirklich ein Einstiegstor?

Wir haben uns für diesen Artikel die verschiedensten Sichtweisen eingeholt. Ihr habt erfahren, was das aktuelle Review ergeben hat und wie Dr. Hayer das Thema sieht. Danach haben wir die Perspektive von Gamern wiedergegeben und ihre Schilderungen in den Text eingebaut. Schauen wir uns nun an, welche Schlüsse sich aus den gewonnenen Daten ziehen lassen.

Was spricht für einen möglichen Einstiegseffekt?

  • Videospiele können Glücksspiele vertrauter machen. Spieler lernen Regeln, Begriffe, Abläufe und mehr.
  • Dafür können sie zusätzliche Belohnungen erhalten, manchmal animieren auch Challenges zum Spielen. Das kann die wiederholte Nutzung fördern.
  • Die Forschung hat Zusammenhänge zwischen simuliertem Glücksspiel und späterem echten Glücksspiel bzw. problematischem Glücksspielverhalten gefunden.

Das spricht gegen ein klares „Ja“

  • Die Forschung konnte simuliertes Glücksspiel bisher nicht als eindeutige Ursache benennen.
  • Menschen mit Glücksspielinteresse könnten einfach beide Formen häufiger nutzen.
  • In den von uns untersuchten Videospielen wird Glücksspiel in ganz unterschiedlicher Art und Weise dargestellt. Ein realistisches Casino in GTA ist etwas anderes als die Spielhalle in Pokémon.
  • Bisher gibt es keinen Beleg dafür, dass Videospiele mit Glücksspielen den späteren Einstieg ins Glücksspiel mit echtem Geld kausal verursachen.
  • Tatsächlich könnte virtuelles Glücksspiel auf manche Spieler sogar eher abschreckend wirken.

Unser Urteil

Videospiele mit Glücksspielen lassen sich nach aktuellem Forschungsstand nicht einfach als harmloses Minispiel abtun. Dr. Hayer hat uns erläutert, dass bisherige Studien für einen Türöffner-Effekt sprechen: Menschen mit Erfahrungen im simulierten Glücksspiel beginnen später mit höherer Wahrscheinlichkeit auch mit Echtgeldglücksspiel.

Die Studien zu dem Thema liefern genügend Hinweise darauf, dass dieser Einfluss relevant sein kann – wie stark er tatsächlich ist, hängt aber vermutlich von der konkreten Umsetzung im Spiel und vom jeweiligen Spieler ab.

Das bedeutet aber nicht automatisch, dass Spiele wie GTA oder RDR2 dafür verantwortlich sind, dass Spieler später auch mit echtem Geld spielen. Welche Mechanismen den Übergang von virtuellem zu echtem Glücksspiel auslösen, ist bisher nicht ausreichend geklärt.

Die spannendere Frage ist deshalb nicht, ob Glücksspiel in Videospielen vorkommt, sondern wann aus einem harmlosen Minispiel eine Erfahrung wird, die echtes Glücksspiel bereits erstaunlich vertraut erscheinen lässt.

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