Von Schach bis StarCraft: Spiele, die Poker ähneln
Poker gehört zu den bekanntesten Kartenspielen der Welt. Wer jedoch genauer hinschaut, merkt schnell, dass schon die Frage „Was ist eigentlich Poker?“ gar nicht so einfach zu beantworten ist. Viele Menschen denken dabei automatisch an Texas Hold'em, doch diese Variante stellt nur einen kleinen Teil einer deutlich größeren Familie von Spielen dar.

Was haben StarCraft, Schach und Poker gemeinsam?
Zwischen Texas Hold’em, Omaha, Seven Card Stud, Five Card Draw, Razz, Badugi oder Open Face Chinese Poker liegen teilweise Welten. Während Hold’em mit Gemeinschaftskarten gespielt wird, kommen bei Seven Card Stud zahlreiche offene Karten ins Spiel. Five Card Draw erinnert an die klassischen Pokerrunden aus alten Westernfilmen, während Open Face Chinese Poker für viele Spieler beim ersten Kontakt kaum noch wie Poker aussieht.
Trotz dieser Unterschiede haben alle Varianten eines gemeinsam: Es geht darum, Entscheidungen unter Unsicherheit zu treffen. Spieler müssen Informationen sammeln, Wahrscheinlichkeiten einschätzen, Risiken bewerten und versuchen, ihren Gegnern stets einen Schritt voraus zu sein. Genau diese Fähigkeiten machen Poker so faszinierend und genau deshalb gibt es auch viele andere Spiele, die Poker erstaunlich ähnlich sind.
Dabei muss es sich nicht einmal um Kartenspiele handeln. Einige der interessantesten Parallelen finden sich bei Brettspielen, Würfelspielen und sogar Computerspielen.
Backgammon: Der wohl engste Verwandte des Pokers
Wenn man erfahrene Pokerspieler fragt, welches Spiel Poker am ähnlichsten ist, fällt häufig ein Name, mit dem viele Außenstehende gar nicht rechnen würden: Backgammon.
Auf den ersten Blick wirken die beiden Spiele völlig unterschiedlich. Hier Karten und Chips, dort Spielsteine und Würfel. Doch unter der Oberfläche teilen sie viele zentrale Eigenschaften.
Der wichtigste gemeinsame Faktor ist die Mischung aus Können und Glück. Genau wie beim Poker kann im Backgammon selbst der beste Spieler eine einzelne Partie verlieren. Schlechte Würfel können perfekte Pläne zunichtemachen. Umgekehrt kann ein unerfahrener Spieler durch eine günstige Serie von Würfen gewinnen.
Das Entscheidende ist jedoch, dass sich über viele Partien hinweg meistens der bessere Spieler durchsetzt. Dieser Gedanke ist Pokerspielern bestens vertraut. Niemand gewinnt jedes Turnier und niemand verliert zwangsläufig wegen einer einzelnen schlechten Entscheidung. Langfristig zählen die Qualität der Entscheidungen und die Fähigkeit, Wahrscheinlichkeiten richtig einzuschätzen.
Auch Konzepte wie Risikoabwägung und Erwartungswert spielen in beiden Spielen eine wichtige Rolle. Soll man eine sichere, aber kleinere Gewinnchance wählen oder ein höheres Risiko eingehen, um einen größeren Vorteil zu erzielen? Solche Überlegungen begleiten Spieler sowohl beim Backgammon als auch beim Poker ständig.
Nicht ohne Grund gibt es zahlreiche Spieler, die in beiden Disziplinen erfolgreich waren oder sind. Wer die Denkweise eines guten Pokerspielers entwickelt hat, fühlt sich oft auch am Backgammon-Brett schnell zuhause.
Schach: Wenn Strategie wichtiger wird als Glück
Kaum ein anderes Spiel wird so häufig mit Poker verglichen wie Schach. Dabei könnte der Unterschied auf den ersten Blick kaum größer sein.
Beim Schach gibt es keinen Zufall wie beim Poker oder auch im Online Casino. Beide Spieler sehen jederzeit das komplette Brett und sämtliche Figuren. Es gibt keine verdeckten Informationen, keine unbekannten Karten und keine Glückskomponente.
Warum also halten sich die Vergleiche seit Jahrzehnten?
Die Antwort liegt in der Art, wie beide Spiele gedacht werden. Sowohl Schach als auch Poker belohnen strategisches Denken, Geduld und die Fähigkeit, langfristig zu planen. Gute Spieler treffen Entscheidungen nicht nur auf Basis der aktuellen Situation, sondern berücksichtigen mögliche Entwicklungen mehrere Züge oder sogar Minuten im Voraus.
Hinzu kommt die Bedeutung von Analyse und Selbstkritik. Erfolgreiche Schachspieler verbringen oft Stunden damit, ihre Partien nachzubereiten und Fehler zu identifizieren. Genau dasselbe gilt für professionelle Pokerspieler, die Hände analysieren, Datenbanken auswerten und versuchen, ihre Entscheidungen kontinuierlich zu verbessern.
Natürlich gibt es einen wesentlichen Unterschied: Poker verlangt zusätzlich den Umgang mit Unsicherheit. Dennoch teilen beide Spiele viele geistige Anforderungen, weshalb zahlreiche Pokerspieler auch eine Leidenschaft für Schach entwickeln.
Bridge: Das Spiel der Informationen
Unter den klassischen Kartenspielen besitzt Bridge einen beinahe legendären Ruf. Viele Experten betrachten es als eines der anspruchsvollsten Kartenspiele überhaupt.

Anders als beim Poker steht hier weniger die Psychologie im Vordergrund. Stattdessen dreht sich vieles um Information und Kommunikation. Spieler müssen aus wenigen Hinweisen möglichst präzise Rückschlüsse auf die Kartenverteilung ziehen und ihre Strategie entsprechend anpassen.
Gerade dieser Aspekt macht Bridge für Pokerspieler interessant. Auch am Pokertisch versucht man ständig, Informationen zu sammeln. Wie groß setzt der Gegner? Wie schnell trifft er seine Entscheidung? Welche Hände könnten zu seiner bisherigen Spielweise passen?
Bridge trainiert genau diese Fähigkeit, aus unvollständigen Informationen die wahrscheinlichste Situation abzuleiten. Wer Freude daran hat, Muster zu erkennen und logische Schlüsse zu ziehen, findet hier viele Gemeinsamkeiten mit Poker.
Zudem besitzt Bridge eine enorme strategische Tiefe. Selbst erfahrene Spieler entdecken nach Jahren noch neue Konzepte und Feinheiten. Diese ständige Lernkurve erinnert stark an Poker, wo selbst Weltklassespieler niemals behaupten würden, das Spiel vollständig verstanden zu haben.
Yahtzee: Poker mit Würfeln
Nicht jedes pokerähnliche Spiel muss besonders komplex sein. Ein gutes Beispiel dafür ist Yahtzee.
Auf den ersten Blick erscheint das beliebte Würfelspiel deutlich einfacher als Poker. Es gibt keine Bluffs, keine verdeckten Informationen und keine psychologischen Duelle. Dennoch erkennen Pokerspieler viele vertraute Elemente wieder.
Bereits die Kombinationen wirken bekannt. Full House, große Straße oder Vierling erinnern unmittelbar an klassische Pokerhände. Noch wichtiger ist jedoch die Frage, wie man seine Würfe optimal nutzt.
Nach jedem Wurf müssen Spieler entscheiden, ob sie auf eine bestimmte Kombination weiterspielen oder lieber eine sicherere Option wählen. Diese Abwägung zwischen Risiko und Sicherheit gehört zu den Grundprinzipien des Pokers.
Natürlich erreicht Yahtzee nicht dieselbe strategische Tiefe. Dennoch zeigt das Spiel sehr anschaulich, wie wichtig Wahrscheinlichkeiten und mathematisches Denken für erfolgreiche Entscheidungen sein können.
Magic: The Gathering und andere Sammelkartenspiele
Wenn man sich in Pokerforen oder auf Turnieren umhört, stößt man überraschend häufig auf Spieler mit einer Vergangenheit im Bereich der Sammelkartenspiele. Besonders oft fällt dabei der Name Magic: The Gathering.
Wie beim Poker verfügen die Spieler nur über einen Teil der Informationen. Sie kennen ihre eigenen Karten, wissen aber nicht genau, welche Optionen ihrem Gegner zur Verfügung stehen. Dadurch entsteht ein ständiges Spiel aus Vermutungen, Wahrscheinlichkeiten und Anpassungen.
Besonders interessant sind die psychologischen Aspekte. Erfahrene Magic-Spieler versuchen häufig, ihrem Gegner bestimmte Informationen vorzutäuschen oder ihn zu einer falschen Einschätzung der Situation zu verleiten. Diese Form der Täuschung erinnert stark an einen Pokerbluff.
Auch die langfristige Planung spielt eine wichtige Rolle. Gute Spieler denken mehrere Züge voraus und berücksichtigen verschiedene mögliche Reaktionen ihres Gegners. Gleichzeitig müssen sie flexibel genug bleiben, um auf unerwartete Entwicklungen reagieren zu können.
Wer den strategischen und psychologischen Teil des Pokers besonders schätzt, findet in Magic daher viele vertraute Elemente.
StarCraft: Poker in Echtzeit
Die vielleicht überraschendste Ähnlichkeit findet sich nicht bei Karten- oder Brettspielen, sondern in einem Computerspiel.
StarCraft gilt seit vielen Jahren als eines der anspruchsvollsten Echtzeit-Strategiespiele überhaupt. Gleichzeitig besitzt es einige bemerkenswerte Parallelen zum Poker.
Der wichtigste Faktor ist die unvollständige Information. Spieler sehen niemals die gesamte Karte und kennen die Pläne ihres Gegners nicht. Stattdessen müssen sie aktiv Informationen sammeln und auf Basis dieser Informationen Entscheidungen treffen.
Ist der Gegner wirtschaftlich orientiert? Bereitet er einen Angriff vor? Täuscht er lediglich eine bestimmte Strategie an?
Solche Fragen erinnern stark an die Überlegungen zum Beispiel bei einer Partie Online Poker. Dort versucht man ebenfalls ständig herauszufinden, welche Hand der Gegner halten könnte und welche Absichten hinter seinem Verhalten stehen.
Hinzu kommt die Bedeutung von Täuschung. Erfolgreiche StarCraft-Spieler streuen häufig bewusst falsche Informationen, um ihren Gegner zu einer Fehlentscheidung zu bewegen. Im Kern unterscheidet sich dieses Prinzip kaum von einem gut getimten Bluff beim Poker.
Auch die Fähigkeit, unter Druck schnelle Entscheidungen zu treffen, verbindet beide Spiele miteinander. Während Poker meist in einem langsameren Tempo gespielt wird, verlangt StarCraft dieselbe Denkweise in deutlich höherer Geschwindigkeit.
Warum sich Pokerspieler in so vielen anderen Spielen wiederfinden
Wer alle diese Spiele betrachtet, erkennt schnell ein gemeinsames Muster. Die Ähnlichkeiten entstehen nicht durch Karten, Würfel oder Spielbretter. Sie entstehen durch die Art der Entscheidungen.
Poker ist letztlich ein Spiel der Informationsverarbeitung. Spieler sammeln Hinweise, schätzen Wahrscheinlichkeiten ein, wägen Risiken ab und treffen Entscheidungen mit unvollständigem Wissen. Genau dieselben Fähigkeiten werden auch in Schach, Backgammon, Bridge, Magic oder StarCraft benötigt.
Deshalb wechseln viele Pokerspieler problemlos zwischen unterschiedlichen Spielen. Sie bringen eine Denkweise mit, die weit über die Welt der Karten hinausgeht.
Vielleicht ist Poker deshalb weniger ein Kartenspiel als vielmehr eine besondere Form des strategischen Denkens. Und genau deshalb findet man seine Spuren an überraschend vielen Spieltischen, Spielbrettern und Bildschirmen rund um die Welt.
Von Schach bis StarCraft: Spiele, die Poker ähneln
12 Poker-Destinationen in Europa, die eine Reise wert sind
5 deutsche Pokerspielerinnen, die du kennen solltest
Die Glücksnummer der WM: Mit diesen Trikotnummern läuft es rund – und diese werden vom Pech verfolgt