Karo Neun – der Fluch von Schottland

Es gibt einige Spitznamen für Spielkarten, aber nur einer lässt Schotten das Blut gefrieren: Karo Neun, Fluch von Schottland. Eine ganze Reihe von Umständen könnten der Karte diesen unheilvollen Beinamen eingetragen haben. Die Karo Neun wird mit blutigen Geschehnissen in Verbindung gebracht, die die britische Geschichte des 17. und 18. Jahrhunderts prägten. Wie Karten hingegen Glück bringen können, präsentiert ОnlineCasinosDeutschland.com mit zahlreichen Tipps für Kartenspiele wie Blackjack und Poker.
Karo Neun Spielkarte
Veröffentlicht am: 1. September 2020

Was die angeblichen dunklen Seiten der Karte Karo Neun angeht, so existieren gleich eine ganze Reihe von Erklärungen dafür, wie sie zu ihren schlechten Ruf kam. Manche sind plausibler als andere, und endgültige Gewissheit über den Ursprung dieses Kartenmythos gibt es nicht. Aber viele Mutmaßungen und Anekdoten, die wir im Folgenden zusammengetragen haben.

Geschichte und Geschichten

Sechs verschiedene Erklärungen sind für den Beinamen Fluch von Schottland der Karo Neun im Umlauf:

Angeblich schrieb Sir John Dalrymple den Befehl für das Massaker von Glencoe auf diese Spielkarte.

Auch der Herzog von Cumberland soll vor der Schlacht von Culloden einen verbrecherischen Befehl auf die Karo Neun geschrieben haben.

Die besondere Rolle, die die Karo Neun in alten Kartenspielen hatte, trug ihr den düstersten Spitznamen für Spielkarten ein.

Karo ist ein königliches Symbol; die Karo Neun symbolisiert die Herrschaft tyrannischer Monarchen.

Die Schotten mussten nach dem Raub von neun Kronjuwelen eine hohe Steuer zahlen.

Der Kartenmythos geht auf ein sprachliches Missverständnis zurück. Aus dem englischen Wort “cross” für “Kreuz” (das Andreaskreuz ist schottisches Nationalysmbol), sei irgendwann “curse” geworden, also “Fluch”.

Alle diese Erklärungsversuche stützen sich im Wesentlichen auf Mutmaßungen und sind nicht von historischen Quellen gedeckt. Aber sie sind unterhaltsam und verraten viel über die britische und schottische Geschichte, weshalb wir sie nun im Einzelnen beleuchten.

John Dalrymple und das Glencoe Massaker

Sir John Dalrymple, erster Graf (Earl) von Stair, betrieb zielgerichtet die Eingliederung Schottlands in den britischen Staat unter englischer Vorherrschaft zwischen 1691 und 1695 als zuständiger Minister. Dalrymple wurde für ein Massaker berüchtigt, das am 13. Februar 1692 stattfand. Es betraf einen der schottischen Clans, die Glencoe McDonalds. Sie standen im Verdacht der Illoyalität gegenüber der englischen Krone. Gegen sie wurde ein abschreckendes Exempel statuiert. In der Nacht des 13. Februars griff das englische Militär den Clan an und tötete 38 seiner Mitglieder.

Das verhängnisvolle Massaker beruhte auf einer schriftlichen Anordnung des Earls von Stair. Es ist allerdings nur eine Legende,, dass er dafür die Karo Neun benutzte. Das Schriftstück ist erhalten, aber nicht auf einer Spielkarte. Dennoch verbindet Dalrymple etwas mit der Karo Neun. Sein Familienwappen weist neun gelbe Karos auf, woraus der Kartenmythos entstand. Der Earl musste nach dem Massaker als Minister zurücktreten, weil es öffentliche Entrüstung über das Massaker gab. Sein Name ist für schottische Patrioten bis heute mit Blut befleckt.

Der Herzog von Cumberland und die Schlacht von Culloden

Auch um Prinz William, Herzog von Cumberland, rankt sich eine blutige Geschichte. Sie betrifft die bislang letzte Schlacht auf britischem Boden, die von Culloden in Schottland im Jahr 1746. Sie gehört zur Geschichte der Auseinandersetzungen um den britischen Thron, die als Jakobiten-Aufstand bekannt wurden und in denen schottische Clans auf der Seite der letztlich unterlegenen Aufständischen kämpften.

Die letzte Schlacht des Jakobiten-Aufstands trug Cumberland den Beinamen „Schlächter“ ein. Er hatte seine Truppen angewiesen, bis auf wenige Ausnahmen keine Gefangenen zu machen. Cumberland fühlte sich dazu berechtigt, weil er die Aufständischen als Hochverräter betrachtete, denen die korrekte Behandlung als Kriegsgefangene nicht zustand. Die Schlacht wurde so zu einem gnadenlosen Blutbad, bei dem es zu fürchterlichen Gräueltaten gekommen sein soll. Wiederum heißt es, der Befehl für das Gemetzel sei auf die Spielkarte Karo Neun geschrieben worden. Dies kann jedoch nicht zutreffen. Die erste schriftliche Erwähnung des Fluchs von Schottland datiert schon von 1708, 38 Jahre vor der Schlacht. Sie kann deshalb nicht der Anlass für den Kartenmythos gewesen sein.

Die Karo Neun in alten Kartenspielen

Die Karo Neun spielt eine besondere Rolle in den beiden alten Kartenspielen „Pope Joan“ und „Commette“. Wahrscheinlich ist hier die plausibelste Erklärung zu finden, warum sie als Fluch von Schottland bekannt wurde. Im erstgenannten Spiel, das im 19. Jahrhundert in Schottland gern gespielt wurde, repräsentierte sie den Papst, der in Schottland damals nicht sonderlich populär war, einigen Schotten sogar als der Antichrist galt.

Der Vorgänger des Spiels „Pope Joan“, „Commette“, wurde schon im 16. Jahrhundert am schottischen Königshof gespielt. Karo Neun war die Siegkarte. Das Kartenspiel ruinierte viele schottische Adlige, die es um Geld spielten. Es lag also nahe, die Karo Neun den Fluch von Schottland zu nennen.

Karo als königliches Symbol

Das 1708 erschienene Buch „The British Apollo“ weist Karo als ein königliches Symbol aus, was darauf beruht, dass der englische Name für Karo „Diamonds“ lautet. Diese Edelsteine waren königlicher Schmuck, etwa in der Krone. Im Buch wird behauptet, in der Abfolge schottischer Könige habe sich jeder neunte als ein Tyrann erwiesen, also als Fluch von Schottland. Es gibt dafür keinerlei historischen Beleg. Ebenso frei erfunden ist die Geschichte vom Kronjuwelenraub, der zu einer hohen Steuer führte. Eine solche Abgabe ist nirgends verbürgt. Keine Grundlage hat auch die Mär, die schottischen Könige hätten sich nur neun Diamanten in ihrer Krone leisten können, während alle anderen Monarchen zehn auf dem Haupte trugen.

Das falsch gedeutete Kreuz

Ein englisches Wörterbuch aus dem 19. Jahrhundert versucht zu ergründen, ob der Begriff „Fluch von Schottland“ mit der Ähnlichkeit der beiden englischen Wörter „curse“ („Fluch“) und „cross“ (Kreuz) zu tun haben könnte. Das schottische Andreaskreuz ähnelt graphisch mit viel gutem Willen dem Karo-Symbol. Man könnte die Karo Neun vielleicht mal „Kreuz von Schottland“ genannt haben. Das Wörterbuch kommt jedoch zu dem Schluss, dass diese Theorie nicht haltbar ist.

Keine Fakten, nur Mythen

Wie der Streifzug durch die Erklärungen für den Fluch von Schottland zeigt, war bei diesem Kartenmythos viel Erfindungsreichtum im Spiel. Insbesondere die Legende von der Karo Neun als Träger mörderischer Befehle ist unausrottbar und findet sich auch noch in anderen Versionen. Es gibt keinerlei verlässliche Erklärung dafür, warum die Karo Neun, eine ansonsten unauffällige Karte mit meist geringer Bedeutung, ausgerechnet für Schottland eine schicksalhafte Rolle gespielt haben soll.

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