Casino Royale Poker – Die Schlüsselszene des Bond-Films

Ein James-Bond-Film ist kein Dokumentarfilm. Insofern ist es verzeihlich, dass im Bond-Streifen “Casino Royale” die Fantasie der Drehbuchschreiber die Realität ein bisschen überflügelt. Es wird das Geschehen bei einer millionenschweren Runde der Poker Variation “No Limit Texas Hold’em” geschildert. Bei den Dreharbeiten wurde der Poker Fachmann Thomas Sandbrook hinzugezogen. Noch mehr Expertenwissen, besonders zu Online Poker kann man hier selbstverständlich nachlesen. Und nun zur dramatischen Schlüsselszene, in der “Casino Royale” Poker benutzt, um den Film ein spannungsreiches Finale ansteuern zu lassen (Achtung, der Artikel verrät wesentliche Clous der Handlung des Films!
James Bonds Casino royal
Veröffentlicht am: 18. August 2020

Worum es geht

Der britische Geheimagent 007 (Daniel Craig) will den internationalen Terrorismus-Finanzier Le Chiffre (Mads Mikkelsen) stoppen. Im dramatischen Finale des Films tritt er zu einem millionenschweren Poker Spiel gegen den Verbrecher an. Insgesamt sitzen vier Teilnehmer am Tisch, alle haben ihren Karten so weit vertraut, dass ein Einsatz von mehr als 120 Millionen $ im Topf ist. Le Chiffre ist besonders siegessicher. Der Bösewicht hält ein Full House auf der Hand, eine Kartenkombination, die im Poker kaum noch übertroffen werden kann. Doch dass dies möglich ist, beweist natürlich Bond, James Bond.

Duell der Meister der Nervenstärke

Bond begegnet Le Chiffre nicht zum ersten Mal am Spieltisch. Im Verlauf des Films hat er schon mehrmals gegen ihn gespielt – und verloren. Er beobachtete die Taktik seines Gegners genau, kennt inzwischen dessen Finten und Bluffs. Und er weiß um eine verräterische Eigenart von Le Chiffre: Unter Druck wischt er sich über die Narbe, die er über einer Augenbraue trägt. Viel informativer als ein solcher Tick ist im wahren Leben am Spieltisch das Wettverhalten des Gegners: Wie setzt er? Wann geht er hoch ran, wann hält er sich zurück? Blufft er mit hohen Einsätzen bei schwachen Kartenhänden? Bond weiß: “Beim Poker spielt man nicht mit seiner Kartenhand. Man spielt mit dem Kontrahenten, dem man gegenübersitzt.” Weil das so ist, tragen Poker Spieler am Tisch übrigens häufig Sonnenbrillen, auch mitten in der Nacht und bei Kunstlicht: nicht, um cool zu erscheinen, sondern um nichts preiszugeben, das an ihren Augen abgelesen werden könnte. Auch Le Chiffre hat sich mit Bonds Spielerfertigkeiten vertraut gemacht, glaubt, ihn durchschauen und einschätzen zu können. Doch er täuscht sich. Le Chiffre verliert das Duell der Meister der Nervenstärke, Bond geht natürlich als Sieger vom Tisch.

Spione am Kartentisch

Der Film verwendet recht viel Zeit darauf, uns vorzuführen, wie ein guter Poker Spieler, der um hohe Einsätze spielt, die Mitspieler taxiert. Wie er versucht, ihren Charakter zu lesen, ihre Stärken und Schwächen zu erkennen. Das Duell der beiden Gegner Bond und Le Chiffre zeigt sie als knallharte, unbeeindruckbare Draufgänger mit sprichwörtlicher Poker Miene. Der Film stützt sich damit auf eine Eigenheit, die “Casino Royale” Poker völlig zu Recht zuordnet: In diesem Kartenspiel geht es sehr stark um Information und Desinformation, fast wie in der Arbeit von Spionen und Geheimdienstlern. Aufmerksamen Spielern können kleinste Beobachtungen schon zum Vorteil gereichen und über Sieg oder Niederlage entscheiden. Natürlich geht es auch um die Karten. Aber das gesante Drumherum kann genauso wichtig sein. Die Einschätzung seiner Mitspieler ergänzt der professionelle Poker Crack mit Täuschungsmanövern über seine eigenen Absichten.

Kein “Casino Real”

“Casino Royale” ist nicht “Casino Real”. Der Film gibt sich viel Mühe, uns in die Faszination Poker einzuführen, erlaubt sich aber einige Freiheiten, die der Überprüfung an der Realität nicht standhalten. Das ist okay, weil unterhaltend. Aber wahr ist es eben nicht. Zum Beispiel werden Pokerrunden in der Wirklichkeit nie bei so hohen Einsatzbeträgen landen wie im Film. Im Online Poker wie in herkömmlichen Spielbanken lagen noch nie dreistellige Millionenbeträge im Topf. Macau ist als Ort für Poker Spiele mit Höchsteinsätzen bekannt. Aber auch dort geht es um nicht mehr als 13 bis 15 Millionen $. Um die Film-Fabelsumme von 120 Millionen $ spielt in der Realität niemand.

Wahrscheinlichkeitsrechnung nicht beachtet

Außerdem halten die vier Spieler am Tisch in “Casino Royale” Poker Karten auf der Hand, die alle extrem stark sind. So stark, dass alle vier Spieler alles setzen, weil sie fest mit einem Sieg rechnen. Der Film kümmert sich nicht um die Wahrscheinlichkeitsrechnung: Eine solche Häufung von Full Houses und Flushes bei einem einzigen Spiel ist nahezu ausgeschlossen. Bei Texas Hold’em beträgt die statistische Wahrscheinlichkeit, einen Flush zu haben, etwa 3%, für ein Full House liegt dieser Wert bei 2,6%. Der Straight Flush, mit dem Bond als Sieger vom Tisch geht, hat eine Wahrscheinlichkeit von 0,027%. Die meisten Poker Spiele werden durch viel niedrigere Kartenkombinationen entschieden. Ein stundenlanges Poker Turnier kann mit einem simplen Paar von Vieren siegreich enden.

Bond spielte früher Baccarat

“Casino Royale” schildert keine realistische Pokerrunde, sondern will Spannung erzeugen. Deshalb schreibt der Film den vier Spielern am Tisch auch ein Wettverhalten zu, das im echten Leben selten bis nie auftritt. Ein großer Spaß ist der Film dennoch oder vielleicht gerade deswegen. Er unterscheidet sich stark von der Vorgängerversion aus dem Jahr 1967, die auch großartig war, aber eine Baccarat-Runde als Finale hat. In den 60-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts galt dieses Kartenspiel als besonders mondän und heutzutage ist es kein Problem Baccarat Online zu spielen.

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