Lottoglück und Lottofluch des Michael Carroll

Was für Michael Carroll Lotto bedeutet, lässt sich sehr knapp zusammenfassen: größten Gewinn und größten Verlust. Im November 2002 gewann der Brite als 19-Jähriger mit sechs Richtigen mehr als zehn Millionen Euro, acht Jahre später war er ein bankrotter Sozialfall und hatte sein gesamtes Vermögen für Drogen, Alkohol, Prostituierte und Autos verschleudert. Dies ist seine erstaunliche Geschichte. Die Schicksale anderer reicher Glücksspieler sind in einer weiteren Übersicht auf ОnlineCasinosDeutschland.com zu finden.
Lotto
Veröffentlicht am: 4. September 2020

Ein Traum wird wahr

Einmal im Lotto gewinnen – wer hätte davon nicht schon geträumt. Und sich ausgemalt, wie sich das Leben dann im Jet-Set-Stil auf Luxusreisen, in Traumhotels und Edel-Restaurants und in Gesellschaft von Titelbild-Schönheiten ändern könnte. Für Michael Carroll wurde der Traum wahr, doch machte der junge Mann den Fehler, alle seine wilden Phantasien auf einen Schlag verwirklichen zu wollen.

Das Schicksal klopfte am 2. November 2002, einem Samstag, an Michaels Tür. Es kam in Gestalt von sechs Zahlen: 5 – 28 – 32 – 39 – 42 – 48. Michael Carroll war der einzige, der diese Zahlen getippt hatte, und konnte dafür 9.736.131£ einstreichen, fast elf Millionen €.

Was Michael in seinem Glückstaumel noch nicht ahnte: Der wahrgewordene Traum sollte sich in einen Albtraum verwandeln, ihn Ehefrau und Tochter kosten, zum Crack-Süchtigen machen und Morddrohungen sowie lauter neue falsche Freunde einbringen.

Leben auf der Überholspur

Michael Carroll trug eine elektronische Fußfessel für straffällig Gewordene, als er seinen Gewinn abholte. Er hatte kein Bankkonto. Das versuchte er ausgerechnet bei der Londoner Nobelbank Coutts zu ändern. Sie lehnte ihn als Kunden ab, wahrscheinlich wegen seines kriminellen Vorlebens. Es wurde nach seinem Gewinn noch mehrmals zum kriminellen Weiterleben.

Carrolls erste Anschaffung war ein neues Heim mit sechs Schlafzimmern in Swaffham, Norfolk. Inklusive luxuriöser Ausbauten wie einem Schwimmbecken und einem Whirlpool blätterte er dafür mehr als 800.000€ hin. Er erwarb ein dazugehöriges Anwesen, auf dem er eine Autorennstrecke anlegen ließ. Er lebte mit seiner Frau Sandra Aitken und ihrem gemeinsamen Baby zusammen. Es dauerte keine sechs Monate, bis Sandra ihn mitsamt der Tochter verließ.

Seine Frau hatte genug bekommen von dem großspurigen Lebensstil, den er sich zugelegt hatte. Nach dem Verlust seiner Familie ging Michael Carroll erst richtig durch die Decke. Er richtete tagelange Drogen-Partys aus und brachte die Nachbarn gegen sich auf. Autowracks sollen als Überreste von Crash-Rennen sein Grundstück übersät haben. Weithin sichtbarer Ausdruck seiner Rennleidenschaft waren auch große Feuer, gespeist von Autoreifen.

Carroll berichtete später, Ende 2003 jeden Tag mehr als 2000€ für Crack verpulvert und zwei Flaschen Wodka täglich getrunken zu haben. Er gab ebenfalls Tausende für Prostituierte aus. Nach seinen eigenen Erinnerungen wurde ihm 2004 Schmuck im Wert von über 100.000€ gestohlen. Ohne mit der Wimper zu zucken ersetzte er ihn am nächsten Tag komplett mit neugekauften Klunkern.

Ein Millionär mit großem Kerbholz

Nach seinem Lottogewinn wurde Michael Carroll zweimal zu Gefängnisstrafen verurteilt. 2004 waren es fünf Monate, weil er sich einer Anordnung zu einem Drogenentzug widersetze. 2006 musste er sich vor Gericht verantworten, weil er einen Baseballschläger zu einem Konzert mitgenommen hatte. Die Verhandlung enthüllte, dass er seit 1997 mehr als 40 Mal auffällig geworden war. Eine neunmonatige Haftstrafe wegen einer Schlägerei saß er zur Hälfte ab.

Eine gefährliche Erregung öffentlichen Ärgernisses brachte ihn 2005 mit dem Gesetz in Konflikt, als er aus seinem Auto mit einem Katapult Stahlkugeln auf Schaufensterscheiben und andere Wagen schoss. Er wurde dazu verurteilt, 240 Stunden gemeinnütziger Arbeit abzuleisten.

Michaels Eskapaden waren für die Presse ein gefundenes Fressen. Es wurde für ihn zur Routine, auftauchende Reporter und Fotografen mit dem Stinkefinger zu begrüßen. Er machte die Medien zum Teil für seine Probleme verantwortlich. Sie hätten früh beschlossen, ihn als notorischen Unruhestifter abzubilden, und er wiederum habe sich entschieden, diesem Image auch gerecht zu werden.

Acht Jahre später: Nichts geht mehr

2010 hatte Michael Carroll Lotto wieder nötig: Er war bankrott und musste sein Haus mit großem Verlust verkaufen. Das ehemalige Luxusanwesen war laut Medienberichten in beklagenswertem Zustand, vermüllt und heruntergekommen. Carroll offenbarte in einem Interview, dass er reif für Hartz IV war. Mehr als drei Millionen seines Vermögens habe er weggeschenkt, an Freunde und Verwandte. Die Rechnung für Alkohol und Drogen betrug mehr als anderthalb Millionen, für Reisen und Autos ging jeweils eine gute halbe Million drauf. Mehr als eine Million hatte er in seinen Lieblings-Fußballklub gesteckt, die Glasgow Rangers. Diese Investition zog er später wieder zurück und verprasste das Geld.

Michael Carroll enthüllte alle negativen Konsequenzen, die sein Lottogewinn hatte. Die erste Morddrohung hatte er schon unmittelbar danach erhalten, Tausende folgten. Das Geld, so rekapitulierte er, habe in ihm und seinen Freunden das Schlechteste entfesselt. Er werde aber weiterspielen, sagte er. „Ich habe in einem Jahrzehnt mehr erlebt, als den meisten Leuten widerfahren würde, wenn sie zwei Leben hätten. Ich bedauere nichts und würde es wieder so machen.“

Der ehemalige Millionär musste kleinere Brötchen backen, zog nach Schottland, um seiner Tochter Brooke näher zu sein, und verdingte sich für einen Wochenlohn von etwas über 200€ als Packer in einer Keksfabrik. Nach eigener Aussage bekehrte er sich zu einem gesünderen Lebenswandel und war die Drogen los.

Der frühere Dauergast in den Schlagzeilen taucht heute in der Presse kaum noch auf. Er meldete sich allerdings noch einmal zu Wort, als ein Pärchen einen Lottogewinn von rund 35 Millionen € einstrich. Er empfahl den beiden, lieber außer Landes zu gehen.

Extrem und umstritten

Was Michael Carroll Lotto gab und wieder nahm, lässt niemanden gleichgültig. Die öffentliche Meinung in Großbritannien konnte sich oft nicht entscheiden, ob er mehr Täter oder eher Opfer war. Einerseits kann man ihn als Nichtsnutz und schlechtes Beispiel sehen, als öffentliches Ärgernis. Andererseits könnte er auch nichts weiter als ein naiver junger Mann gewesen sein, der in schlechte Gesellschaf geriet und von den Medien dämonisiert wurde. Auf jeden Fall ist er eine der bemerkenswertesten Figuren in den Reihen derer, die ein Lottogewinn zum Krösus machte.

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