Die Hand des Toten Mannes

Ja, in den Karten liegt das Schicksal. Sie können sogar über Tod und Leben entscheiden, und als Dead Man’s Hand Poker Spieler erschrecken. Aberglaube ist niemandem fremd, der sich am Spieltisch der wankelmütigen Glückgöttin Fortuna anvertraut. Vor allem beim Poker scheinen bestimmte Kartenkombinationen in der Hand des Spielers weit mehr zu bedeuten als nur Gewinn oder Verlust. Kreuz Vier – schnell weg damit! Zwei Asse und ein Paar Achten – Todesgefahr! Woher solche Überzeugungen stammen, erklären wir hier. Wie man völlig unbeeindruckt davon z.B. in Online Casinos sein Glück machen kann, wird auch bei uns erklärt.
Die Hand des Toten Mannes beim Poker
Veröffentlicht am: 10. August 2020

Wilder Westen, Wilder Bill

Wild war der amerikanische Westen, und ziemlich genau passte James Butler Hickok dort hinein. Wild Bill Hickok ging als Legende in den Gründungsmythos der Eroberung des nordamerikanischen Kontinents ein. Und als warnendes Beispiel für alle, denen das Schicksal die Dead Man’s Hand zuteilt.

Der Wilde Bill betätigte sich Mitte des 18. Jahrhunderts als Revolverschwinger, Fährtensucher, Bärentöter, Führer von Planwagen-Trecks und umstrittener Gesetzeshüter an der damaligen amerikanischen Fronier, die vorwiegend ein Gesetz kannte: das des Stärkeren. Als unerbittlicher Träger des Blechsterns nahm er es gern selbst in die Hand und verschaffte sich als tödlicher Schütze Respekt. Die damaligen Zeitungen, die man getrost als Revolverblätter bezeichnen darf, dichteten ihm zusätzliche Kerben am Pistolengriff an und bezifferten seine durchlöcherten Opfer auf mehr als 100. Tatsächlich dürfte es ein etwa halbes Dutzend gewesen sein. Wild Bill Hickok ereilte der Tod am Kartentisch, beim schicksalhaften Dead Man’s Hand Spiel.

Rache am Poker Tisch

1876, mit 39 Jahren, hatte der Wilde Bill seine besten Zeiten bereits hinter sich. Er hatte gut verdient, auch am Kartentisch. Aber seine angegriffene Gesundheit kratze an seinem Nimbus als unbesiegbarer Meisterschütze. Er war frisch verheiratet, aber ließ seine 50-jährige Angetraute aus dem Zirkusgeschäft bald in Cheyenne, Wyoming, zurück. Er schloss sich einem Planwagen-Treck zu den Goldfeldern von North Dakota an. Dort soll er Bekanntschaft mit einer weiteren Legende des Wilden Westens gemacht haben, der als Calamity Jane bekannten Martha Jane Canary. Es kann allerdings sein, dass sie sich die gemeinsamen Tage nur ausgedacht hat, als sie in fortgeschrittenem Alter versuchte, ihre Lebenserinnerungen zu versilbern und möglichst viele berühmte Namen darin unterzubringen.

Hickok machte im berüchtigten Deadwood Geld am Poker Tisch. Die Stadt am Rande der Zivilisation des Weißen Mannes galt als gesetzlos; in ihrem Nuttal & Man’s Saloon ereilte ihn sein Schicksal. Dort nahm er dem Büffeljäger Jack McCall am 1. August 1876 viel Geld ab und gab ihm gönnerhaft ein wenig davon zurück, damit der Verlierer sich noch ein Frühstück leisten konnte. McCall kam am nächsten Tag zurück, aber nicht um zu frühstücken. Wild Bill war schon im Saloon, aber hatte sich nicht wie üblich mit dem Rücken zur Wand am Pokertisch niederlassen können. Das wurde ihm zum Verhängnis. McCall schoss ihm von hinten in den Kopf.

Die letzten Karten der Legende

Bill soll immer noch seine Karten umklammert gehalten haben, als er vom Stuhl fiel. Der Legende nach waren es die schwarzen Asse und die schwarzen Achten – Dead Man’s Hand, die Hand des Toten Mannes. Der angebliche Fluch dieser Kartenkombination wurde erst in den 1920-er Jahren populär. Wild Bills Zeitgenossen schenkten dem Schicksal seines Mörders größere Aufmerksamkeit. McCall entkam der ohnehin zweifelhaften Rechtsprechung in Deadwood mit der Rechtfertigung, er habe nicht seinen Spielverlust, sondern den Tod seines Bruders Lew McCall von Wild Bills Hand rächen wollen. Angesichts Hickoks Ruf als Revolverheld schien das den Geschworenen überzeugend. Sie ließen ihn laufen. McCall machte dann allerdings den Fehler, sich öffentlich damit zu brüsten, den Wilden Bill zur Strecke gebracht zu haben – was zu neuen Ermittlungen führte. Sie endeten für ihn 1877 am Galgen.

Die Angst vor einer “Hand des Toten Mannes” gab es im Wilden Westen schon vor dem Mord an Wild Bill Hickok. Diese konkurrierende Legende aus den 1840-er Jahren betrifft die Kartenkombination eines Full House mit drei Buben und einem Paar Zehnen. Angeblich verhieß sie einem unglücklichen Richter die Rettung, der am Pokertisch versuchte, seinen Bankrott abzuwenden. Er musste jedoch voller Entsetzen feststellen, dass sein Gegner ebenfalls ein Full House auf der Hand hatte – mit zwei Zehnen und drei Damen. Daraufhin soll den Richter der Schlag getroffen haben. Als “offizielle” Dead Man’s Hand setzten sich jedoch schließlich Wild Bills Buben und Achten durch, nachdem 1926 seine Biographie erschienen war.

Dead Man’s Hand Spiel in Literatur und Film

Aus Wild Bills letzten Karten wurde ein langlebiger Mythos. Er findet sich in Songs von Bob Dylan, Bob Seger, The Church und Motörhead wieder, in Comics und Büchern. George R. R. Martin, Schöpfer der Romanvorlagen für “Game of Thrones” benannte einen Band seiner “Wild Cards”-Serie so. Natürlich fand der angebliche Fluch Eingang in Western-Filme, in die Fernsehserie “X-files” und unter anderem in die Computerspiele “Fallout 4”, “Hearthstone”, “The Walking Dead” und “A New Frontier”. Am Kartentisch hält sich die Bezeichnung Dead Man’s Hand in Versionen von Blackjack und Poker. Jedem, der sich von Aberglauben freimachen kann, wird einleuchten, dass man mit der Dead Man’s Hand Poker auch gewinnen kann – für den Anfang handelst es eigentlich um keine schlechte Kartenhand – kommt nur drauf an, was dann passiert…

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