Geschichte des Glücksspiels

Das Spiel mit dem Glück begleitet die Menschheit seit Tausenden von Jahren. Es gibt keine Kultur, der Glücksspiel unbekannt war. Während es heute rein der Unterhaltung dient, übernahm das Glücksspiel in alten Zivilisationen kultische und religiöse Funktionen. Hier nun ein Streifzug durch unser heutiges Wissen. Welches wohl als bestes Glücksspiel galt?
Geschichte des Glücksspiels
Veröffentlicht am: 15. Juli 2020

1. Altägypten und Mesopotamien

Die alten Hochkulturen haben ihren Ursprung in Mesopotamien, dem Land zwischen Euphrat und Tigris. Aus dieser Region im heutigen Irak und Syrien stamen daher auch die ältesten Glücksspiele. Dort gaben Menschen erstmals das nomadenhafte Dasein auf, wurden sesshaft, entwickelten städtische Strukturen – und spielten. Archäologische Funde deuten darauf, dass auch schon gewettet wurde. Statt Würfeln waren Knochen, die geworfen wurden, für Glücksspiele in Gebrauch. Die alten Ägypter kannten schon den Würfel. Er war für sie ein Mittel dafür, mit den Göttern in Kontakt zu treten und von ihnen Auskünfte zu erhoffen. Den Ergebnissen eines Wurfes ordneten sie darin enthaltene überirdische Botschaften zu. Ein altägyptischer Würfel mit 20 Seiten verblüfft bis heute die Forscher: Ihnen ist unklar, wozu er diente. Auch über die Regeln des altägyptischen Brettspiels namens Senet sind sich Historiker nicht ganz einig.

2. Das Reich der Mitte

Nirgendwo im gesamten Fernen Osten war und ist Spielen so populär wie in China – und das, obwohl es im Reich der Mitte in der Geschichte des Glücksspiels immer wieder Perioden gab, in denen es verboten oder streng reguliert war. Belege für das Spiel mit dem Glück reichen in China bis ins Jahr 1900 vor Christus zurück. Die chinesische Obrigkeit entdeckte Glücksspiel schließlich als Einnahmequelle und belegte es mit einträglichen Steuern. Die ältesten Glücksspiele der Welt haben häufig ihren Ursprung in China. Unter anderem kann man in Blackjack, Poker und Keno chinesische Wurzeln entdecken. Die Erfindung von Karten wird den Chinesen zugeschrieben, sie lässt sich in etwa auf das neunte Jahrhundert vor Christus datieren. Auch die Vorläufer von Domino lassen sich ins alte China zurückverfolgen.

3. Die altamerikanischen Kulturen

Über das Glücksspiel in den alten amerikanischen Kulturen ist sehr wenig bekannt. Die Forschung geht davon aus, dass Würfel dort in Gebrauch waren, möglicherweise schon vor rund 5000 Jahren. Eines der ältesten amerikanischen Spiele ist Patolli. Es handelte sich dabei um ein Brettspiel für zwei Spieler, die Sachwerte auf ihre sechs Spielsteine setzten. Der Einsatz konnte aus persönlichen Habseligkeiten bestehen, aus Nahrungsmitteln, kostbaren Steinen oder Goldschmuck. Doch konnte es auch um weit mehr gehen: das eigene Haus, die Familie, die persönliche Freiheit. Man spielte immer um alles oder nichts: Das Spiel endete erst, wenn einer der Beteiligten alles verloren hatte.

4. Das antike Europa

Sowohl die alten Griechen als auch die antiken Römer kannten Glücksspiele. Eines der beliebtesten hieß “Gerade oder Ungerade”, und das beschrieb schon ziemlich genau die einfache Spielregel: Ein Spieler verbarg eine Anzahl von kleinen Gegenständen in seiner Faust, meist waren das Nüsse oder Kieselsteine, und der andere musste erraten, ob deren Zahl gerade oder ungerade war. Die Griechen vergnügten sich auch mit sehr vielen Würfelspielen. Allerdings hatte das Glücksspiel in ihrer Kultur keinen guten Ruf, galt sogar als unehrenhaft. Das überrascht, denn in der griechischen Mythologie spielt eine Würfelpartie zwischen Zeus, Poseidon und Hades eine entscheidene Rolle. Die drei Götter teilten mit Hilfe der Würfel das Universum unter sich auf. Das schlechteste Ergebnis hatte Hades vorzuweisen, er musste daher mit der Unterwelt vorliebnehmen.

In der Römischen Republik war Glücksspiel lange verboten, nur zur Gelegenheit des Festes der Saturnalien gestattet. Diese kehrten als eine Art Vorform des Karnevals alle Verhältnisse um: Sklaven ließen sich zum Beispiel von ihren Herren bedienen, und das sonst verbotene Glücksspiel war eben ausnahmsweise erlaubt. Allerdings scherten sich die Römer die übrige Zeit des Jahres auch nicht viel um das Verbot. Betrug und Streit waren dabei an der Tagesordnung. In Pompeji warb jemand mit der erhaltenen Wandinschrift für sich: “Ich bin geschickt genug, um auch ohne Betrug zu gewinnen.” Etliche römische Kaiser waren leidenschaftliche Glücksspieler, Augustus und Nero zum Beispiel. Kaiser Commodus soll einmal sogar den gesamten Staatsschatz verspielt und seinen Palast dann in ein Casino verwandelt haben, um wieder zu Geld zu kommen – ein bemerkenswerter Vorgang in der Geschichte des Glücksspiels, der das berühmte Hotel und Casino “Ceasars Palace” in Las Vegas in geradezu historisches Licht rückt.

5. Das alte Indien

Ähnlich wie in der griechischen Mythologie spielt eine Würfelpartie auch in der hinduistischen Überlieferung eine bedeutende Rolle und löst politische und kriegerische Verwicklungen aus, in die der Gott Krishna eingreift. Nachzulesen ist das im berühmten Epos Mahabharata, einem Hauptwerk der hinduistischen Literatur. Glücksspiel ist in der hinduistischen Kultur mindestens bis ins Jahr 2000 vor Christus zurückzuverfolgen und heute noch eng mit den Festen Holi und Diwali verbunden. Beide Feste sind der Erneuerung gewidmet, auch der finanziellen. Spieler erbitten bei dieser Gelegenheit den Beistand der Göttin Lakshmi, die unter anderem für Wohlstand zuständig ist. Ein indisches Brettspiel auf einer Spielfläche in Form eines symmetrischen Kreuzes ist Pachisi, was wörtlich 25 bedeutet und der höchste erreichbare Wurf ist.

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