Sportradar Hand in Hand mit EHF

Der Europäische Handballverband EHF und die EHF Marketing GmbH (EHFM) haben ihre Partnerschaften mit dem Schweizer Sportdaten- und Integritätsdienstleister Sportradar ausgeweitet. Die neuen Verträge laufen bis 2030 und umfassen die offizielle Datenerfassung und -verteilung an Medienorganisationen und Wettanbieter. Welche Vorteile bietet das Abkommen für Buchmacher und Sportwettkunden? Und ändert sich etwas für Online Casinos?

Ein Handballspieler in Wurfposition.

Vereine und Mitarbeiter des EHF erhalten (u. a.) Schulungen zur Wahrung der Sportintegrität. ©ooscario/Pixabay

Abkommen über 1.500 Spiele

Neben Glücksspielwerbung wird in der Branche zurzeit kaum ein Thema so ausgiebig diskutiert, wie die Gefahren von Wettmanipulation. Um betrügerischen Aktivitäten entgegenzuwirken, haben der EHF (European Handball Federation) und die EHFM (European Handball Federation Marketing) nun ihre Abkommen mit dem führenden Sportdatendienstleister Sportradar ausgebaut. Bis 2030 wird das in St. Gallen (Schweiz) stationierte Unternehmen als offizieller Datenpartner für beide Gremien fungieren.

Die Vereinbarung umfasst die Erfassung von Live-Daten und Statistiken für mehr als 1.500 Spiele der Nationalmannschaft und des Beach-Handballs. Dazu kommen mehr als 750 Europapokalspiele pro Saison in allen europäischen Spitzenwettbewerben. Letztere umfassen die Europameisterschaften der Männer und Frauen und deren Qualifikationsspiele, die Veranstaltungen des Nachwuchssports sowie die Europapokalspiele der WM-Qualifikation und die Beach-Handball-Europameisterschaften.

Was das EHF-Marketing betrifft, so umfasst der Vertrag alle Spiele der EHF Champions League der Männer und Frauen, der EHF European League und des EHF European Cup.

Sportradar wird dabei weiterhin alle offiziellen EHF-Daten sammeln und an verschiedene Medien- und Sportwettanbieter verteilen. Neben dem international bewährten Fraud Detection-System, einem digitalen Verarbeitungssystem zum Schutz vor Onlinebetrug, wird Sportradar auch hochmoderne KI-Systeme nutzen, um die Datenanalyse zu perfektionieren und den Datenverkehr im Handball weiter zu verbessern.

Integration von Bildungsprogrammen

Die Zusammenarbeit von Sportradar mit der EHF und dem EHF-Marketing begann im Juni 2017 und umfasste eine vielschichtige Vereinbarung über Datenschutz, Marketing und digitale Dienstleistungen. Im Februar 2018 erweiterte Sportradar die Zusammenarbeit mit der Organisation um die Bereitstellung von Ausbildungs- und Überwachungsdiensten, um die Integrität der EHF-Wettbewerbe zu gewährleisten.

Eine Reihe von Bildungsprogrammen über die Risiken von Spiel- und Wettmanipulation wurden eingeführt. Die Sitzungen schulen die Mitarbeiter der Verbände in relevanten Richtlinien in Bezug auf Sportwetten und illegale Spielabsprachen. Obendrein kann der EHF die sogenannten „Integrity Services“ von Sportradar nutzen. Hierbei handelt es sich um zugeschnittene Audits, die bei der Umsetzung von Integritätsprogrammen helfen.

“Wir haben eine langjährige Beziehung mit EHF und EHFM und wir freuen uns, dass wir unsere Partnerschaft weiter ausbauen konnten, um einen langfristigen Vertrag über Daten und Vertriebsrechte abzuschließen. Wir werden mit weiter mit dem Verband zusammenarbeiten, um den Sport über unser umfangreiches Netzwerk von Medien- und Wettpartnern auszubauen.”David Lampitt, Geschäftsführer, Sportradar, Pressemitteilung

Neue Ära im Handballsport

Die EHF-Organisatoren haben die Ausweitung der Partnerschaft mit Sportradar begrüßt. Zu Wort meldete sich unter anderem Martin Hausleitner, Generalsekretär des EHF, der betonte, dass der europäische Handball sich zurzeit an der Schwelle zu einer neuen Ära befindet, wobei das Abkommen mit Sportradar eine entscheidende Rolle spielt. Man wolle den Sport somit zu neuen Höhenflügen verhelfen und Live Scouting-Daten vertiefen.

David Szlezak, Geschäftsführer bei EHFM, fügte hinzu, dass es absolut unerlässlich sei, qualitativ hochwertige und genaue Daten aus den Vereinswettbewerben der EHF anzubieten. Mit der erweiterten Zusammenarbeit ergänze man das Top-Level-Scouting, beispielsweise werden die in der neuen EHF European League erhobenen Daten bereits ab den ersten Runden auf EHF-Champions-League-Standard sein. Das Potenzial an Daten könne nun voll ausgeschöpft werden.

Zunahme an Wettmanipulationen?

Infolge der Corona-Krise gehen viele Sportverbände von einer Zunahme an Wettmanipulationen aus. Durch die europaweit unterschiedlichen Starttermine für Spitzensportligen, könnten sich die kriminellen Aktivitäten auf einzelnen Märkten konzentrieren. Angeheizt wurde die Debatte unter anderem durch einen Bericht der Antikorruptionsorganisation Transparency, der sich vorwiegend auf den deutschen Markt bezog, wo seit Ende Mai die Bundesliga-Wetten wieder gestartet sind.

Sylvia Schenk, Leiterin der Arbeitsgruppe Sport bei Transparency Deutschland, hatte erklärt, dass Menschen überall auf der Welt darauf warten würden, wieder zu wetten. Die Sicherheit bliebe dabei womöglich auf der Strecke. Dagegen argumentierte der Anwalt Carsten Thiel von Herff, demnach würde lediglich das Wettvolumen wieder ansteigen, nicht jedoch die Anzahl an Manipulationen.

Bei der Bundesliga sei die Anzahl der Spieler, zu denen Betrüger Kontakt suchten, im Vorfeld der Wiederaufnahme nicht gestiegen. Im Gegenteil sei das Risiko der Kontaktaufnahme durch die Quarantänemaßnahmen deutlich geringer. Die Transparency-Sprecherin Schenk erklärte im Gegenzug, dass Insiderwissen viel Geld bringe und heutzutage bequem digital oder per Telefon preisgegeben werden könnte. Die Entwicklungen bleiben abzuwarten.

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