YouTube sperrt hunderte Poker-Videos

Seit letzten Freitag (31.05.) hat die Videoplattform Youtube eine ganze Reihe von Poker-Kanälen gesperrt. Betroffen sind unter anderem die Channels der Youtuber und Pokerprofis Felix Schneider, Jaime Staples und Evan Jarvis. Hunderte Videos wurden teils ohne Vorwarnung entfernt. YouTube beruft sich dabei auf verschärfte Nutzungsbedingungen für Glücksspielinhalte. Hier ein Überblick zum Geschehen.

Der YouTube-Slogan „Video nicht verfügbar“.

Der von YouTubern gefürchtete Slogan „Video nicht verfügbar“ prangt aktuell auf etlichen Poker-Videos. (©YouTube)

Schleichender Prozess

Seit letzter Woche hat die Google-Tochtergesellschaft YouTube eine weitere Großoffensive gegen Poker- und Glücksspielinhalte auf seiner Videoplattform gestartet. Betroffen sind insbesondere einige erfolgreiche Poker-Channels, konkret geht es um die Kanäle des deutsche Poker Coaches und Profispielers Felix Schneider (grindingitup/25.835 Abonnenten), des kanadischen Spielers Jaime Staples (PokerStaples/66.086 Abonnenten) und des US-Amerikaners Evan Jarvis (Team Gripsed Poker Training-Evan Jarvis/69.376 Abonnenten). Der Grund für die Sperrungen hunderter Videos sind verschärfte YouTube-Richtlinien in Bezug auf Poker- und Glücksspielinhalte. Die Entfernung der einzelnen Clips erfolgte schleichend. Aufsehen erregte das Procedere erst durch einen Tweet von Seiten Jaime Staples, worin es hieß:

“Sechs Videos wurden in den letzten 20 Minuten von YouTube gelöscht, ist das das Aus für Online Poker auf YouTube? Es sind schon vier mehr, seit ich diesen Tweet begonnen habe, ein großer Verlust. Ich habe diesen Kanal vier Jahre lang aufgebaut.”

Die Aktion wurde von YouTube ohne Bezugnahme auf Staples Statement fortgesetzt. Nur eine Stunde nach seinem ersten Tweet verkündete der Betreiber erneut via Twitter, dass indessen bereits 134 Videos gelöscht wurden – 110 auf seinem Pokerkanal und 24 weitere auf seinem Vlog-Kanal. Laut eigenen Aussagen beinhalteten die gesperrten Videos teilweise Werbung für den weltweit führenden Online Pokerraum PokerStars. Zudem seien jedoch auch Videos gesperrt worden, die sich überhaupt nicht um Poker drehten, sondern lediglich über den PokerStars Platinum Pass informierten, was allem Anschein nach von YouTube als Werbung deklariert wurde. Staples verwies diesbezüglich unlängst auf die Wahrlosigkeit der Aktion, im Wortlaut hieß es:

“Es waren Links zu Sponsoren in den Videos enthalten, aber ich glaube dies spielt keine Rolle, in einem gelöschten Video ging es nur um Bill Perkins Boot.”

Löschung weitete sich aus

Mit Staples Kanal war die Löschungsaktion des Internetgiganten allerdings längs noch nicht beendet. Innerhalb der nächsten Tage weitete sich der Prozess auch auf die besagten Channels von Felix Schneider und Evan Jarvis aus. Während von Felix Schneider bislang kein Statement in der Angelegenheit vorliegt, vermeldete Jarvis ebenfalls über Twitter die Löschung „einiger Videos“, folglich habe er Angst um seinen YouTube-Kanal. Jarvis habe laut eigenen Angaben mehr als zehn Jahre an seinem Kanal gearbeitet, jetzt habe er insgesamt zwei Verwarnungen, sogenannte Strikes, von YouTube per E-Mail erhalten. Konkret gehe es dabei um angeblich „schädliche“ und „gefährliche“ Inhalte. Sollte es zu einem dritten Strike kommen, würde dies das endgültige Aus des Kanals bedeuten.

Darüber hinaus verwies Jarvis darauf, dass die Löschungsaktion ein besonderes Ärgernis in Bezug auf seine geplanten Berichterstattungen zum aktuellen Geschehen auf der World Series of Poker 2019 (WSOP) darstellt. Da gleich mehrere Kanäle von dem Procedere betroffen sind, kann davon ausgegangen werden, dass YouTube seine ohnehin verschärften Richtlinien zukünftig mit aller Härte durchsetzen wird. Dass in absehbarer Zeit noch weitere Kanäle mit Poker- und Glücksspielinhalten von den drastischen Maßnahmen betroffen sein werden, ist wahrscheinlich.

Zum Verständnis

Sämtliche bei YouTube hochgeladenen Videos obliegen den Richtlinien der YouTube-Gemeinschaft. Konkret bedeutet dies, dass gewalttätige, schädliche, gefährliche oder sexuelle Inhalte, ebenso wie Verstöße gegen das Urheberrecht verboten sind und mit den benannten Strikes, der Löschung des Videos oder der kompletten Schließung des Kanals, geahndet werden. Sobald ein YouTuber einen ersten Strike erhält, darf er bereits eine Woche lang kein Video mehr hochgeladen. Kommt es zu einem zweiten Strike innerhalb von 90 Tagen, führt dies zu einer zweiwöchigen Upload-Sperre. Der dritte Strike führt schlussendlich zur unwiderruflichen Abschaltung des Kanals.

Die Grenzen zwischen den einzelnen Parametern gestalten sich – wie sich auch an den aktuellen Beispielen zeigt – jedoch eher schwammig. Dass YouTube, ebenso wie Google, in sämtlichen Fragen rund um erlaubte oder verbotene Inhalte einen eher schlechten User-Support betreibt, ist kein Geheimnis. In den meisten Fällen erhalten betroffene Nutzer lediglich vorgefertigte Textbausteine als Antwort auf ihre Fragen. Kritiker bemängeln den fraglichen Kundenservice der beiden Internetriesen seit Jahren.

Die Löschung von poker- und glücksspielbezogenen Inhalten steht in diesem Kontext schon seit Juni 2018 zur Debatte. Betroffen war hier der Kanal von Brian Christopher (167.000 Abonnenten), auf dem vorwiegend Videos hochgeladen wurden, die sich mit dem Thema Automaten-Glücksspiel befassten. Auf hier erfolgte die Schließung ohne Vorwarnung. Der Youtuber erhielt lediglich eine E-Mail mit einem Richtlinienverweis. Einspruch erheben konnte er nicht, alle Versuche mit YouTube in Kontakt zu treten sind laut eigenen Angaben gescheitert. Wie es zukünftig um die Poker-Channels von Schneider, Staples und Jarvis bestellt ist, bleibt vorerst abzuwarten.

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