Wynn vs. Nevadas Glücksspielbehörde

Steve Wynn, ehemaliger CEO der Wynn Resorts, steht vor Sanktionen durch die Glücksspielbehörden aus Nevada. Diese sollen aber keine Befugnis haben. Wynn und seine Anwälte argumentieren, dass der Ex-Glücksspielmagnat nach dem Ausscheiden aus dem Wynn-Konzern für die Regulierungsbehörden unantastbar ist. Bereits im Februar 2018 ist er von der Rolle als CEO zurückgetreten und hat seine Firmenanteile verkauft.

Das Wynn Encore Hotel in Las Vegas.

Steve Wynn soll Mitarbeiterinnen seiner Casinos jahrelang sexuell belästigt haben. ©RJA1988/Pixabay.com

Verlust des Eignungsstatus für Glücksspiellizenz?

Das Wall Street Journal deckte die sexuelle Belästigung durch den Las Vegas Mogul bereits im Januar 2018 auf. Es wurden Vorwürfe laut, der ehemalige Chef der Wynn Resorts habe über Jahrzehnte Mitarbeiter sexuell belästigt. Wynn stand daraufhin ziemlich unter Druck und musste zurücktreten. Nach einer einjährigen Untersuchung hat das Nevada Gaming Control Board (NGCB) zudem eine Geldstrafe gegen Wynn Resorts Ltd. verhängt. 20 Millionen US-Dollar musste die Casino-Kette zahlen, nachdem das Unternehmen zugegeben hatte, Beschwerden von Mitarbeitern jahrelang ignoriert zu haben.

Nun hat das NGCB Beschwerde bei der Nevada Gaming Commission gegen Steve Wynn persönlich eingereicht. Im Raum steht neben einer erheblichen Geldstrafe auch der Widerruf seiner Glücksspiellizenz. Als Grund dafür führt die NGCB Wynns Fehlverhalten an. Die moralischen Voraussetzungen, die im Nevada Revised Statute und in den Gaming Commission Regulations angeführt sind, seien von Wynn nicht mehr erfüllt worden. Die Eignung für eine Glücksspiellizenz wird ihm also abgesprochen.

Anwalte sehen keine Zuständigkeit bei NGCB

Die Anwälte von Steve Wynn haben bereits mit einem 23-seitigen Antrag auf Ablehnung der Beschwerde geantwortet. Hierin heißt es, der Fall müsse abgewiesen werden, weil die Regulierungsbehörden von Nevada keine Autorität mehr hätten, da Herr Wynn aus der Wynn Resorts Ltd. zurückgetreten sei und all seine Aktien verkauft habe. Weiterhin argumentieren die Anwälte noch etwas polemisch: “Der einzige Grund, warum die Regulierungsbehörden das Verfahren gegen ihn weiterverfolgen, besteht darin, Strafzahlungen gegen ihn zu erheben. Eine solche Strafe stellt im Wesentlichen eine exorbitante Ausstiegssteuer dar, um Nevadas Spielindustrie zu verlassen.”

Laut den Anwälten würde die Zulassung des Verfahrens bedeuten, dass den Regulierungsbehörden ewige Gerichtsbarkeit ermöglicht wird. Sie könne dann Strafen in Form von unzähligen Geldbußen und anderen Sanktionen gegen jeden aussprechen, der jemals eine Glücksspielzulassung erhalten habe. Egal, wie lange diese Person im Vorhinein ihre Beteiligung eingestellt habe.

Was die Befugnis angeht, ist das NGCB jedoch anderer Meinung. Die Lizenz von Steve Wynn ist von der NGCB in einen administrativen Haltezustand versetzt worden, weshalb die Behörde der Meinung ist, immer noch die Autorität über den Glücksspielmogul zu haben. Deshalb wird die Nevada Gaming Commission entscheiden müssen. Die Vorwürfe wiegen bekanntlich schwer. In der Beschwerde des NGCB heißt es:

“Wir haben bei Hernn Wynn ein Muster entdeckt, das rücksichtsloses sexuelles Verhalten mit untergeordneten Mitarbeitern zeigt. Selbst, wenn es einvernehmlich war, wie von Herrn Wynn behauptet, wird dabei das erhebliche Ungleichgewicht zwischen dem CEO eines großen Glücksspielunternehmens und untergeordneten Mitarbeitern übersehen.”

Neue Regeln zum Schutz der Mitarbeiter

Neben der Beschwerde gegen Wynn wird sich die Nevada Gaming Commission diese Woche über neue Regeln austauschen, die darauf abzielen, die Mitarbeiter im Casino besser vor sexueller Belästigung zu schützen. Letztes Jahr lehnten die Regulierungsbehörden es noch ab, konkret darüber abzustimmen, die Betriebsgenehmigungen der Casinos ausdrücklich an Maßnahmen zur Verhinderung und Meldung sexueller Belästigung zu knüpfen. Gründe wurden dafür nicht genannt. Experten gehen davon aus, dass solche Regelungen jedoch dazu geführt hätten, die gesamte Casinoindustrie in den Blickpunkt eines kritischen Themas des ganzen Landes zu rücken.

Der Vorschlag der Nevada Gaming Commission weist lizenzierte Glücksspielunternehmen an, umfassende Antidiskriminierungsrichtlinien zu aufzustellen. Das Ziel soll es sein, die Belästigung am Arbeitsplatz durch Mitarbeiter und Kunden zu bekämpfen. Anders als im Vorschlag letzten Jahres angedacht, verlangen die nun vorgebrachten Regeln allerdings keine Offenlegung der entsprechenden Politik der Casinos. Beispielsweise werden die Casinos nicht aufgefordert, Auskünfte über die Anzahl an Klagen und Vergleichen einzureichen, die im Zusammenhang mit Diskriminierung und Belästigung ausgehandelt werden.

Nächster Akt folgt im Dezember

Das überhaupt solche Richtlinien notwendig sind, zeigt, wie sehr die Gesellschaft in der Frage der Gleichberechtigung noch in der Entwicklung steckt. Während die Richtlinien noch nicht klar festgeschrieben sind, wird an anderer Stelle über die auftretenden Probleme gestritten. Nicht gerade hilfreich für Wynn Resorts Ltd. und auch für den EX-CEO persönlich ist die Tatsache, dass sich noch immer Arbeitnehmer darüber beschweren, dass die aktuellen Führungskräfte gegenüber den Mitarbeiterinnen eine regelrecht feindliche Haltung aufweisen, weil sie die wichtigsten Informationsquellen zu den Vorwürfen darstellen. Auch der aktuelle CEO von Wynn Resorts Ltd., Max Maddows, wurde zu einer Geldstrafe in Höhe von 500.000 US-Dollar verurteilt, weil er die Vorwürfe der sexuellen Belästigung ignorierte.

Der nächste Akt folgt voraussichtlich Mitte Dezember. Bis zum 27. November hat die NGCB Zeit, auf den Antrag auf Ablehnung der Beschwerde zu antworten. Den Ball zurückspielen müssen Wynns Anwälte wiederum bis zum 9. Dezember. Am 19. Dezember könnte dann bereits eine Anhörung stattfinden.

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