Wettwachstum in Österreich

Gemeinsam mit der Uni Linz und der GAW hat das österreichische Marktforschungsinstitut market neue Studien zum nationalen Sportwettsektor veröffentlicht. Diese liefern brandaktuelle Erkenntnisse über das Branchenwachstum und die Beliebtheit von Sportwetten. Der Sektor trägt demnach immer mehr zur Wirtschaftsleistung des Landes bei, leidet aber gleichzeitig unter einem schlechten Image.

Fußballfans schauen sich ein Spiel an.

Die Mehrheit der Studien-Teilnehmer erklärte, dass Wetten Live-Sportevents interessanter machen. ©RichardBoyle/Unsplash

Sportwetten beliebter machen

Mitten in einem Wirbel aus Glücksspiel-Razzien und Skandalen um Novomatic AG und Casinos Austria scheint der österreichische Sportwettmarkt immer mehr zu erblühen. Wie aus aktuellen Studien hervorgeht, tragen Sportwetten inzwischen über 380 Mio. Euro zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei. Obwohl die Branche rasant wächst und damit an Bedeutsamkeit gewinnt, seien jedoch Imageschäden festzustellen.

Jürgen Irsigler, Präsident des Österreichischen Sportwettenverbandes, griff die Ergebnisse der Studien, welche von der JKU (Johannes Kepler Universität Linz), der GAW (Gesellschaft für angewandte Wirtschaftsforschung) und dem market-Institut durchgeführt wurden, auf: Es sei nun an der Zeit, entsprechende Schritte einzuleiten, um die Branche zu stärken und dafür zu sorgen, dass diese in der Gesellschaft künftig positiver wahrgenommen wird.

Laut Aussagen der GAW-Ökonomen Friedrich Schneider und Stefan Jenewein erzielt die Wettbranche einen jährlichen BIP-Effekt von durchschnittlich 382,9 Mio. Euro. Ähnlich wie in Deutschland generiert der Fiskus dadurch immer höhere Steuereinnahmen. Zurzeit erhält Österreichs öffentlicher Haushalt jährlich 160,3 Mio. Euro aus Sozialversicherungsbeiträgen und Wettsteuern.

Die hohen Erträge seien unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Höhe der Einsätze binnen letzter Jahre weiter gewachsen ist. Drei Prozent der Bevölkerung wetten momentan regelmäßig auf Sportereignisse, dies bei durchschnittlich 22 Euro Einsatz. Darüber hinaus gewinnt der Sektor auch auf dem Arbeitsmarkt an Bedeutsamkeit. Die Branche generiert in Österreich zurzeit 3.164 Vollzeitstellen.

Studie unter 1.000 Teilnehmern

Vor allem junge Männer sind an Sportwetten interessiert, was aus einer Imagestudie hervorgeht, die Dr. David Pfarrhofer vom market-Institut unter 1.000 Teilnehmern durchführte. Zu den Probanden gehörten 300 Teilnehmer, die angeben, regelmäßig Sportwetten zu platzieren. Außerdem wurden 220 Stakeholder aus den Bereichen Sport, Medien, Verwaltung und Politik zum Thema befragt. Der Rest war ein Querschnitt der Bevölkerung.

Laut Studie fühlen sich Menschen mit Migrationshintergrund am besten über Sportwetten informiert. Zudem gaben 56 Prozent der regelmäßigen Wettkunden an, dass Sportwetten Live-Sportübertragungen interessanter machen. Dies bestätigten auch 30 Prozent der Stakeholder sowie 22 Prozent der Bevölkerung. Für 28 Prozent der Passivsportler würde sich außerdem das Zuschauen durch Sportwetten interessanter gestalten.

Laut Pfarrhofer bieten Sportwetten vor allem durch eine junge Anhängerschaft zukunftsträchtige Marktchancen. Motive seien insbesondere die Freude am Sport unter jungen Menschen, die ihr Unterhaltungsprogramm durch Sportwetten steigern würden. In diesem Kontext forderte der Österreichische Sportwettenverband eine Imagekorrektur, da Sportwetten zu eng mit Glücksspiel, Spielsucht und Illegalität konnotiert würden.

Wichtiger als Kritik an Sportwetten zu üben sei es, die Integrität des Sports zu schützen. Kaum ein anderes Thema wird in der europäischen Wettlandschaft zurzeit mehr diskutiert. Diesbezüglich hatte Schweden kürzlich neue Wettregeln angekündigt. Außerdem wurden neue Richtlinien gegen Wettmanipulation von der MGA (Malta Gaming Authority) erlassen. Eine Warnung von Europol vor illegalen Spielabsprachen sorgte für weiteren Zündstoff.

Schwarze Schafe am Markt?

Das Thema Wettsucht wurde in der Untersuchung ebenfalls aufgegriffen. In allen drei Bereichen gaben die Befragten mehrheitlich an, dass Sportwetten süchtig machen können. Unter der Rubrik Bevölkerung waren es 64 Prozent. Obendrein erklärten viele Teilnehmer, dass sich auch illegale Schwarzanbieter am Markt tummeln würden. Dies bekundeten 54 Prozent der Stakeholder und der Bevölkerung. Dagegen waren nur 40 Prozent der Wettkunden dieser Meinung.

Trotz dieser negativen Tendenzen, erklärten über die Hälfte der aktiven Tipper, dass Wettanbieter inzwischen eine wichtige Funktion im Bereich des Sportsponsorings einnehmen. 36 Prozent der Stakeholder und 44 Prozent der Bevölkerung gaben dies ebenfalls zu Protokoll.

Claus Retschitzegger, Präsident der Österreichischen Vereinigung für Wetten und Glücksspiel betonte diesbezüglich die Notwendig einer einheitlichen Regulierung. Insbesondere die boomenden Online Sportwetten würden bisher nur in Ober- und Niederösterreich, Vorarlberg, Salzburg und Tirol reguliert.

Wettboom auch in Deutschland

Die österreichische Studie beweist, was sich zurzeit auch in Deutschland abzeichnet: Sportwetten sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen und so beliebt wie nie zuvor. Erst im Februar meldete der Deutsche Sportwettenverband (DSWV) einen Rekordumsatz von 9,3 Mrd. Euro, wobei etwa 90 Prozent der Wetten auf Fußballspiele abgeschlossen wurden.

Parallel läuft die Regulation des deutschen Online Glücksspiels auf Hochtouren. Die Marktöffnung soll ab Juli 2021 erfolgen. Für Sportwetten gilt jedoch schon seit 2019 eine Sonderregelung, worauf der fulminante Umsatzanstieg zurückzuführen ist. Der Staat nahm hierdurch Steuern in Höhe von 500 Mio. Euro. Eine Reihe von Übergangsregeln soll nun auch den Start für Online Casinos erleichtern. Die Novelle wird derweil von Brüssel und den Bundesländern ratifiziert.

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