Visa untersagt Online Casino-Zahlungen

Der Kreditkartenanbieter Visa zieht sich offenbar vom deutschen Online Casino-Markt zurück. Laut Berichten des NDR hat der US-Konzern seine Partnerbanken dazu aufgefordert, Zahlungen an nicht-lizenzierte Online Casinos in Deutschland zu unterbinden. Grund ist, dass die Betreiber in Deutschland offiziell immer noch illegal sind. Der Schritt steht jedoch im Widerspruch zur geplanten Regulierung des Sektors ab Juli 2021.

Ein Kunde bezahlt online per Kreditkarte.

Die Zahlung per Visa-Card gehört zu den beliebtesten Zahlungsarten des Online Glücksspiels. ©Rupixen/Pixabay

Wachsender Druck der Behörden

Erst vor zwei Wochen hatte Deutschland seine Glücksspielnovelle in Brüssel zur Ratifizierung eingereicht. Den Regulierungsplänen der Bundesregierung entgegen hat nun der Kreditkartenanbieter Visa angekündigt, sich aus dem deutschen Online Casinogeschäft zurückzuziehen. Die Partnerbanken wurden angewiesen, keine Transaktionen mehr mit nicht-lizenzierten Online Casinos in Deutschland durchzuführen. Ein- und Auszahlungen können somit nicht länger über die beliebte Kreditkarte abgewickelt werden.

Die Meldung wurde zuerst durch den NDR verbreitet. Hiernach ist der überraschende Schritt darauf zurückzuführen, dass Online Casinos in Deutschland nach jetziger Rechtslage immer noch illegal sind. Eine Ausnahme bildet lediglich Schleswig-Holstein. Die Innenministerien der Bundesländer haben schon seit längerem kritisiert, dass trotzdem deutschlandweit online gespielt wird und sowohl Banken als auch Zahlungsdienstleister die Transaktionen unterstützen.

Nachdem im vergangenen Jahr gegen den Zahlungsdienstleister PayPal eine Untersagung ausgesprochen wurde, woraufhin sich der Anbieter offiziell vom deutschen Online Glücksspielmarkt zurückgezogen hatte, scheint sich nun auch Visa dem Druck der Behörden zu beugen. In einem Statement im Magazin Handelsblatt droht Visa seinen Partnerbanken sogar mit Konsequenzen, sollten nicht nur „legale Transaktionen“ abgewickelt werden. Im Wortlaut hieß es:

“Im Hinblick auf Transaktionen bei Online Glücksspielen in Deutschland gilt: Wir haben die Händlerbanken vor kurzem daran erinnert, sicherzustellen, dass nur legale, ordnungsgemäß lizenzierte Transaktionen abgewickelt werden. Stellt Visa fest, dass eine Händlerbank ihre Compliance-Anforderungen nicht einhält, können wir ihren Zugang zum Visa-Netzwerk unterbrechen oder beenden.”

Banken in der Verantwortung

Der Druck der Behörden wurde vor allem von der Glücksspielaufsicht des niedersächsischen Innenministeriums ausgeübt, die sich stellvertretend für die Bundesländer gegen die zurzeit noch illegalen Zahlungen einsetzte. Laut NDR ist das Ministerium derzeitig mit 19 Zahlungsdienstleistern im Gespräch. Die Namen der Firmen wurden nicht bekanntgegeben, allerdings sollen bereits neun Anbieter die Zahlungen an Online Casinos eingestellt haben.

Besonders Innenminister Boris Pistorius (SPD) ist innerhalb der letzten Monate vehement gegen Glücksspieltransaktionen per Kreditkarte vorgegangen. Die Kreditinstitute müssten demnach ihrer Verantwortung gerecht werden und seien verpflichtet, Zahlungen an nicht-lizenzierte Online Glücksspielbetreiber zu unterlassen. Auch die Teilnahme am unerlaubten Glücksspiel sie nur möglich, weil Banken und Zahlungsdienstleister, trotz der momentanen Rechtslage, weiterhin Ein- und Auszahlungen ermöglichen.

NDR führt Stichproben durch

Um zu überprüfen, wie sich die Untersagung des niedersächsischen Innenministeriums auf die Marktsituation auswirkt, hat der NDR jüngst Stichproben unter den Online Casinobetreibern durchgeführt. Hiernach haben einige große Anbieter Visa bereits als Zahlungsmethode entfernt. Ferner zeigten sich Spieler in Onlineforen überrascht darüber, dass sie über Visa keine Transaktionen mehr abwickeln können.

Allerdings fallen die Stichproben unterschiedlich aus. Ein Betreiber, der in Deutschland weiterhin Visa-Zahlungen anbietet, ist der Wettanbieter Bwin. Dieser verweist auf seiner Homepage darauf, dass die Verwendung der Karte nur noch für Sportwetten möglich ist. Auch der bekannte Wettanbieter Tipico hat das Visa-Logo von seiner Casinoseite entfernt. Ein Test des NDR zeigte jedoch, dass die Zahlungsmethode in beiden Fällen trotzdem für Casinospiele genutzt werden konnte.

Visa hat bisher keine spezifischen Fragen zu diesen Fällen beantwortet. Ein Sprecher von Bwin erklärte, keine Geschäftsbeziehungen zu Zahlungsdienstleistern zu kommentieren. Zudem würde das Vorgehen des niedersächsischen Innenministeriums „nicht mit dem Unionsrecht in Einklang stehen“. Auch Tipico berief sich auf die EU-Lizenz und teilte mit, dass das eigene Online Casino legal sei.

Reguliertes Online Glücksspiel ab 2021

Mit der geplanten Regulation des deutschen Online Glücksspiels ab Juli 2021 könnten derartige Debatten endgültig von der Bildfläche verschwinden. Der sogenannte Glücksspielneuregulierungsstaatsvertrag sieht die deutschlandweite Lizenzierung von Online Casinos, Online Poker und Online Sportwetten vor. Gründe, die für eine Liberalisierung des boomenden Sektors sprechen, sind zum Beispiel bessere Kontrollmöglichkeiten, mehr Arbeitsplätze und ein erhöhter Kinder- und Jugendschutz.

Obwohl die Bundesrepublik schon seit Jahren von hohen Steuereinnahmen profitiert, sind Online Glücksspiele bisher nur in Schleswig-Holstein erlaubt. Das Bundesland hatte sich jedoch schon 2011 aus den Schranken der alten Gesetzeslage befreit und 2012 damit begonnen, Lizenzen an seriöse Online Glücksspielanbieter auszustellen. Im Rahmen der laufen Gesetzesreform soll nun eine neue zentrale Glücksspielaufsichtsbehörde in Sachsen-Anhalt entstehen.

Die Lizenzvergabe dient an dieser Stelle der Wahrung höchster Spielerschutzstandards. Diese bestehen aus einem Korpus an Richtlinien, der sich an europaweit bewährten Erfolgsmodellen orientiert. Vorgeschrieben werden Einsatzlimits von 1.000 Euro pro Monat, Frühwarn- und Selbstausschlusssysteme sowie eine Reihe von Werbebeschränkungen. Darüber hinaus soll ein bundesweites Sperrregister für problematische Spieler eingeführt werden. Dass Visa in diesem Zug auf den Markt zurückkehren wird, ist wahrscheinlich.

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Eine Deutschlandfahne im Wind.

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