Verlustwarnungen bei Flutter und GVC

Das Coronavirus (Covid-19) hat den globalen Spitzensport und damit auch die Wettbranche lahmgelegt. Jüngst wurde die Fußball-EM auf 2021 verschoben. Wie gravierend sich die Situation auf den Sektor auswirkt, zeigt sich am Beispiel der britischen Glücksspielkonzerne Flutter Entertainment und GVC Holdings. Beide Firmen habe ihren Aktionären millionenschwere Verlustwarnungen vorgelegt. Wie sehen die Prognosen aus?

Leere Ränge im Stadion des FC Bayern.

Ohne Sport keine Sportwette. Buchmacher werden von der Covid-19-Pandemie getroffen. ©CielCheng/Unsplash

Eine „beispiellose Herausforderung“

Die Covid-19-Pandemie sorgt für Absagen von Sportevents auf der ganzen Welt, dies geht mit massiven Einbußen für Wettanbieter einher. „Die Herausforderungen, vor der unser Unternehmen und die Industrie derzeit stehen, sind beispiellos“, kommentierte Flutter-CEO Peter Jackson die derzeitige Situation. Die globale Annullierung von Spiel- und Sportereignissen werde einen „erheblichen Einfluss auf die Einnahmen und das Ergebnis der Gruppe haben“.

Im gleichen Atemzug gab der Geschäftsführer eine über 121 Mio. EUR schwere Verlustwarnung bekannt und erklärte, dass etwa 78 Prozent der Gesamteinnahmen im Jahr 2019 durch Wetten auf Sportereignisse erzielt wurden. Durch die jüngst erfolgte Verschiebung der Fußball-EM auf 2021 sei mit einem Rückgang des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von umgerechnet mindestens 98 Mio. EUR zu rechnen.

Laut Jackson sind die langfristigen Auswirkungen auf die Einnahmen zurzeit kaum absehbar. Man wisse nicht, wie lange die Moratorien anhalten. Mit Blick auf die Shareholder erklärte er, dass das Geschäftsergebnis zumindest in den ersten zwei Monaten „über den Erwartungen“ lag. Bis die Krise ausgestanden ist, konzentriere man sich nun auf den Schutz der Mitarbeiter und Kunden. Im Wortlaut hieß es:

“Wir konzentrieren uns jetzt auf den Schutz unserer Mitarbeiter und Kunden. Wir werden in dieser Hinsicht nichts dem Zufall überlassen. Auch wenn unsere Rentabilität kurzfristig durch die weltweite Krise beeinträchtigt ist, wird sich der Vorstand weiterhin auf den Schutz und die Führung des Unternehmens in diesen turbulenten Zeiten konzentrieren.”

Stillstand bis Ende August?

Als Muttergesellschaft von Paddy Power Betfair, Sportsbet und FanDuel ist Flutter Entertainment in besonderem Maße von den Auswirkungen betroffen. Die aktuellen Schätzungen des Konzerns gehen davon aus, dass die großen Sportligen ihre Betriebe mindestens bis Ende August einstellen werden. Das Unternehmen beschäftigt weltweit über 7.900 Mitarbeiter.

Zurzeit treibt Flutter außerdem eine Fusion mit The Stars Group voran. Auch der PokerStars-Inhaber gibt an, von den Auswirkungen der Pandemie betroffen zu sein, allerdings wurden im vergangenen Jahr 62 Prozent der Gesamtumsätze durch Poker und Casinospiele erzielt. Man sei daher zuversichtlich, dass die Einnahmen langfristig wieder steigen werden.

GVC in „robuster Position“

Ein weiteres börsennotiertes Glücksspielunternehmen, das unter der Krise leidet, ist GVC Holdings, Muttergesellschaft von Ladbrokes Coral, bwin und Sportingbet. Das Unternehmen rechnet derweil mit einem Rückgang des EBITDA um ganze 166,1 Mio. EUR. Laut CEO Kenneth Alexander werden sich die Verluste bis zum 31. Dezember 2020 auf mindestens 140 Mio. EUR belaufen.

Der Geschäftsführer geht davon aus, dass der Profifußball mindestens bis Juli 2020 stillstehen wird. Außerdem wird erwartet, dass alle wichtigen Pferderennen, inklusive der Aintree Racecourse und der Royal Ascot 2020, abgesagt werden. Die Schätzungen berücksichtigen auch, dass Wettbüros in anderen Ländern geschlossen werden, so zum Beispiel in Belgien oder Italien, wo das Coronavirus bereits den gesamten Glücksspielsektor lahmgelegt hat.

Sollte jedoch auch das britische Einzelhandelsgeschäft durch die Pandemie geschlossen werden, würde sich das EBITDA um weitere 55 Mio. Euro pro Monat verringern. 2019 wurden rund 45 Prozent der Nettoeinnahmen aus Sportwetten generiert. Da parallel ein weiteführendes Online Glücksspiel-Sortiment besteht, sei man weiterhin gut aufgestellt. Im Rahmen einer Pressemitteilung hieß es:

“Obwohl wir die Herausforderung, die Covid-19 darstellt, nicht unterschätzen, ist GVC in einer robusten Position, um die Auswirkungen zu bewältigen. Wir sind ein vielseitiges globales Unternehmen mit einem erfahrenen und fachkundigen Managementteam, das über mehrere Vertikalen und Märkte hinweg tätig ist.”

Sportwelt in der Krise

Das Coronavirus hat dafür gesorgt, dass inzwischen fast alle weltweiten Sportevents abgesagt wurden. Die Sperren gelten sowohl für die großen US-Ligen als auch für den europäischen Spitzenfußball. Die englische Premier League, die spanische Primera Divison, die deutsche Bundesliga sowie die italienische Serie A haben alle Spiele mindestens bis zum 03. April abgesagt. Die Aussetzung der Fußball-EM ist ein weiterer Schlag für die europäischen Wettanbieter.

Der zweitgrößte Fußball-Wettbewerb sollte eigentlich im Juni und Juli in ganz Europa stattfinden. In einer Stellungnahme erklärte die UEFA, dass die „Gesundheit aller am Spiel Beteiligten“ zurzeit Vorrang habe. Es sei daher „unnötig, Druck auf die nationalen öffentlichen Dienste auszuüben“, die an der Ausrichtung der Spiele beteiligt sind.

Die Annullierung der EM hat jedoch nicht nur Nachteile. Laut UEFA werde die Verschiebung dazu beitragen, dass alle inländischen Wettbewerbe, zum Beispiel die Bundesliga, über den Sommer hinweg abgeschlossen werden können. Ob sich diese optimistische Prognose bewahrheiten wird, bleibt abzuwarten. Die Einschätzungen der Buchmacher sprechen an dieser Stelle jedenfalls eine andere Sprache.

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Ein abfallender Börsenchart.

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