UKGC wehrt sich gegen APPG-Bericht

Die britische Glücksspielkommission (UK Gambling Commission, UKGC) hat sich gegen einen kritischen Bericht der parlamentarischen APPG ausgesprochen, in dem unter anderem ein pauschales Glücksspielwerbeverbot gefordert wird. Die erhobenen Kritikpunkte seien haltlos, was indessen auch von dem Glücksspielverband BGC (Betting and Gaming Council) und dem nationalen Werbeverband (Advertising Association, AA) unterstützt wird.

Das britische Parlamentsgebäude in London.

APPGs sind parteiübergreifende Sonderausschüsse (u. a.) für den Glücksspielsektor. ©272447/Pixabay

Kritik trotz Schutzmaßnahmen

Die britische Glücksspielbehörde UKGC sieht sich derweil mit massiven Vorwürfen der zuständigen parlamentarischen APPG konfrontiert. In einem kürzlich veröffentlichten Bericht wird der Behörde die Kompetenz zur Überwachung des Glücksspielsektors abgesprochen. Gleichzeitig wird ein generelles Werbeverbot für Glücksspiele gefordert, ebenso wie ein Verbot von In-Play-Wetten. In einer Stellungnahme weist die UKGC die Vorwürfe von sich. Diese entsprächen schlichtweg nicht der Realität.

Die UKGC argumentiert mit einigen der von ihr eingeführten Beschränkungen, wie zum Beispiel das Verbot von Kreditkartenzahlungen, welches am 14. April in Kraft trat. Außerdem wird mit der ebenfalls im April eingeführten Arbeitsgruppe argumentiert, die aus UKGC-Mitarbeitern und Branchenvertretern besteht und eine Reihe neuer Verbraucherschutzmaßnahmen erarbeitet hat, unter anderem eine Mindestdrehzeit von 2,5 Sekunden bei Spielautomaten.

Die jüngste Zusammenarbeit habe sich zudem auf strengere Regeln für Online Glücksspielwerbung bezogen, um gefährdete Gruppen besser zu schützen. Schon im Laufe der kommenden Woche werde man außerdem eine Konsultation über die künftigen VIP-Praktiken eröffnen. Ziel sei es, zu einer noch sichereren Spielgestaltung zu gelangen und strengere Maßnahmen bei der Kundeninteraktion festzulegen.

UKGC nicht wirksam genug?

Wie die UKGC weiter erklärte, habe man sich als Behörde dazu verpflichtet, Glücksspielschäden zu reduzieren, Spielsicherheit und Verbraucherschutz hätten nach wie vor die oberste Priorität. Durch ein Konzept aus strengen Durchsetzungs- und Einhaltungsmaßnahmen werde das Glücksspiel in ganz Großbritannien sicherer. Dass die UKGC nicht zur Überwachung geeignet ist, sei daher eine haltlose Unterstellung.

Der APPG-Bericht knüpft an Vorwürfe an, die das National Audit Office (NAO) im Februar äußerte. Hiernach würde die UKGC wegen einer Finanzierungsdisparität zwischen der Regulierungsbehörde und einigen der von ihr regulierten Unternehmen keine volle Wirksamkeit beim Schutz der Verbraucher entfalten. Die UKGC erklärte, dass sie mit dem Ministerium für Kultur, Medien und Sport (DCMS) zusammenarbeite, um die Finanzierungsfragen zu klären.

Unterstützung durch BGC

Unterdessen meldete sich auch der neubegründete Glücksspielverband BGC zu Wort und verwies auf seine eigene Bilanz bei der Einführung von Änderungen zur Verbesserung des Spielerschutzes. Erst vor wenigen Tagen hätten sich die fünf größten Mitglieder, unter anderem GVC, William Hill und SkyBet, dazu verpflichtet, umgerechnet über 111 Mio. Euro zur Verbesserung der Behandlungsdienste für problematische Spieler in Großbritannien bereitzustellen.

Seit der Gründung des BGC habe man zudem eine Reihe bedeutender Veränderungen in der gesamten Branche vorangetrieben, so zum Beispiel bei der Einführung von Werbebeschränkungen, der Förderung von Einzahlungslimits, der Überwachung von Spielausgaben sowie bei der Einführung strenger Ausweis- und Altersverifizierungen. Man sei entschlossen weitere Änderungen vorzunehmen, um die Standards für sicherere Glücksspiele weiter zu erhöhen.

In einer Pressemitteilung erklärte der Verband außerdem, dass „einige Menschen“ erst dann zufrieden seien, wenn Glücksspiele gänzlich verboten werden. Diesbezüglich warnte der Verband davor, dass allzu strenge Maßnahmen dazu führen könnten, dass Spieler zu nicht-lizenzierten Anbietern wechseln. Laut BGC halte die regulierte Industrie über 100.000 Arbeitsplätze und zahle jährlich über 3 Mrd. Pfund Steuern.

Totales Werbeverbot kontraproduktiv

Der Werbeverband Advertising Association (AA) äußerte sich zwar nicht über die Vorwürfe gegen die UKGC, wies die APPG-Forderung nach einem totalen Glücksspielwerbeverbot jedoch ebenfalls ab. Der britische Handelsverband der Werbetreibenden, Agenturen, Medien und Forschungsdienste erklärte, dass ein solcher Schritt schlicht unnötig sei. Ein Verbot könne in der Tat negative Folgen für den Markt haben, so die weitere Begründung.

In diesem Sinne forderte der Verband alle Glücksspielbetreiber und ihre Agenturen dazu auf, sich weiterhin an die strengen Standards der Advertising Standards Authority (ASA) und der Glücksspielkommission zu halten. Die Regeln würden von den Glücksspielanbietern eindeutig verlangen, sozial verantwortlich zu handeln und problematische Spieler, ebenso wie unter 18-Jährige zu schützen. Änderungen sollten nur dann erfolgen, wenn Beweise auftauchen, die dies rechtfertigen.

Kinder sehen weniger Glücksspielwerbung

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sei ein vollständiges Verbot nicht notwendig. Die Maßnahme hätte weitreichende Auswirkungen, insbesondere für die medienübergreifende Unterstützung des Sports, die Millionen von Menschen in ganz Großbritannien genießen. Letzten Monat veröffentlichte die ASA außerdem neue Forschungsergebnisse, die zeigen, dass die Exposition von Kindern gegenüber Glücksspielwerbung, ebenso wie die Fernsehzuschauerzahlen bei Kindern rückläufig sind.

Das ASA-Update 2019 zur Überwachung der Exposition von Kindern gegenüber Glücksspielwerbung verdeutlichte, dass Kinder im letzten Jahr durchschnittlich 2,5 TV-Werbespots für Glücksspiele pro Woche sahen. Damit sinkt die Expositionsrate auf das Niveau von 2008 und 2009, als Kinder 2,2 bzw. 2,7 Glücksspielreklamen im Fernsehen sahen. Eine Reaktion vonseiten der APPG zu den Zahlen steht bis dato noch aus.

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Eine britische Flagge im Wind.

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