UKGC plant Kinderschutzprogramm

Die britische Glücksspielkommission (UK Gambling Commission, UKGC) hat ihre Verpflichtung zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor glücksspielbezogenen Schäden abermals bekräftigt. Aufgrund der in Großbritannien zuletzt immer wieder aufkeimenden Debatte wurde nun ein aktualisierter Strategieplan vorgestellt.

Ein Screenshot des Onlinecasino-Slots Fluffy Favourites

Ein Einblick in den Onlinecasino-Slot Fluffy Favourites: Bloß alberner Spielspaß für Erwachsene oder steckt Berechnung hinter der Aufmachung? (Quelle: YouTube)

In Kooperation mit dem Strategieausschuss für verantwortungsvolles Glücksspiel (The Responsible Gambling Strategy Board, RGSB) hat die britische Glücksspielkommission aktuell einen Satz neuer Regulierungsvorschriften präsentiert, der speziell Kinder und Jugendliche vor glücksspielbezogenen Schäden schützen soll. Der neue Korpus sieht schwerpunktmäßig vor allem strengere Testverfahren bezüglich der Altersverifikation auf den hiesigen Gambling-Websites vor. Darüber hinaus soll das Mindestalter für National Lottery-Kunden auf 18 Jahre raufgestuft werden.

Weiterhin seien verschiedene koordinierte Präventionsmaßnahmen zwischen UKGC, Regierung, lokalen Behörden sowie Betreibern und Handelsorganisationen in Planung, heißt es von Seiten des UKGC-Direktors Tim Miller. Eine „gezielte Compliance- und Durchsetzungsmaßnahme“ zur Identifikation und Beseitigung von Schwachstellen in puncto Altersüberprüfungen, solle demnach noch in diesem Jahr erfolgen.

Auch die Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen den beiden Institutionen RGSB und UKGC hält der Direktor für zukünftig unabdingbar – „um uns neu auszurichten und zu verstärken, was wir bereits tun“, gibt er zu verstehen. Im Rahmen der Präsentation betont Miller zudem die Wichtigkeit einer aktiven Durchsetzung des neuen Katalogs und appelliert gleichzeitig auch an ausländische Regulierungsbehörden „gemeinsam zu handeln“. Miller nimmt diesbezüglich ebenso Regierung und Eltern in die Pflicht:

Der Schutz unserer Kinder und Jugendlichen im digitalen Zeitalter gestaltet sich komplex. Sowohl die RGSB als auch unsere Forschungen haben gezeigt, dass ein vielschichtiger Ansatz von uns, der Regierung, den Erziehern, den Glücksspielunternehmen und den Eltern erforderlich ist, um Sicherheit zu garantieren. Dies wird die zukünftige, dauerhafte und feste Verpflichtung der Kommission als britische Glücksspielregulierungsbehörde sein – und ebenso von allen, die diesbezüglich eine Rolle spielen.Tim Miller, Direktor der UKGC

In einer 2017 veröffentlichten Umfrage der UKGC gestanden zuletzt 12% der 11 bis 16-jährigen britischen Jugendlichen, innerhalb der vergangenen Woche an Glücksspielen beteiligt gewesen zu sein. Ganze 80% hatten im selben Zeitraum mindestens einmal Glücksspiel-Werbung im TV verfolgt. Über 10% gaben an bestimmte Gambling-Anbieter über Social Media-Plattformen zu verfolgen.

Unter dem Druck der Medien

Der neue Maßnahmenkatalog kann als Reaktion auf eine Welle von Medienberichten verstanden werden, welche das Thema Spielsucht unter Minderjährigen innerhalb der letzten Monate immer wieder aufgegriffen, drastisch beleuchtet und dabei sowohl die UKGC als auch diverse Betreiber scharf kritisiert haben.

Der Startschuss des medialen Feldzugs fiel im vergangenen Januar, unter anderem durch einen weitläufigen Report des britischen Boulevardmagazins The Sun, in dem vor allem Internetgiganten wie google, Apple oder Facebook für die Verbreitung sogenannter Free-to-play-Apps an den Pranger gestellt wurden, welche in der Art ihrer Aufmachung vermehrt auf Kinder, sogar Kleinkinder unter vier Jahren abzielen würden. Markante Glücksspielanalogien seien hier offensichtlich, hieß es. Im gleichen Kontext veröffentlichte die britische Tageszeitung Daily Mirror Anfang Juni eine kommentierte Fotoreihe von Onlinecasino-Slots im Spielzeug-Look unter dem provokanten Titel: „Gambling-Websites bestehen darauf, dass diese niedlichen Cartoon-Spielautomaten nicht auf Kinder ausgerichtet sind“.

Die Zeitung The Guardian sprach quasi zeitglich von einer „Schüler-Glücksspiel-Epidemie“, hier ging es um minderjährige Jugendliche, die sich beim Pokern im Late-Night-Casino Verluste von 20.000 Pfund einfahren.

Erst vergangene Woche sperrte die britische Werbeaufsichtsbehörde ASA (Advertising Standards Authority) zudem insgesamt drei Werbespots des GVC-angehörigen Londoner Buchmachers Ladbrokes Coral, wegen „kinderfreundlicher Aufmachungen“. Unterstützung erfährt die mediale ‚Kampagne‘ dabei von Tom Watson, dem stellvertretenden Parteivorsitzenden der britischen Labour Partei:

„Großbritannien ist von einer versteckten Epidemie der Spielsucht betroffen, wobei der Anstieg des Online- und Smartphone-Glücksspiels ein zentraler Teil des Problems ist. Die aktuellen Gesetze sind nicht geeignet, diese neuen Produkte zu regulieren. Wenn wir das Problem des Glücksspiels in den Griff bekommen wollen, brauchen wir einen neuen Glücksspielakt, der für das digitale Zeitalter geeignet ist.“

Watsons klarer Standpunkt zeugt im kaum zu kontrollierenden digitalen Zeitalter nur von Logik und Vernunft. Ob der neue Strategieplan des UKGC-Direktors Tim Miller ein erster Schritt in diese Richtung ist, bleibt vorerst abzuwarten.

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