Tennisprofi wegen Wettbetrugs gesperrt

Nach der lebenslangen Sperre des ägyptischen Tennisspielers Youssef Hossam im letzten Mai hat die TIU (Tennis Integrity Unit) erneut einen Tennisspieler wegen Wettvergehen gesperrt. Diesmal ist der spanische Tennisprofi Gerard Joseph Platero Rodriguez betroffen, erstmals kam es in diesem Fall auch zu einer gerichtlichen Verurteilung. Die aktuelle Debatte um Wettbetrug und illegale Spielabsprachen könnte hierdurch weiter angeheizt werden.

Ein Tennisspiel der ITF vor Publikum.

Anfang September erweiterte die ITF ihr Integritätsgremium um vier weitere Rechtsexperten. ©RajTatavarthy/Pexels

15.000 Euro wegen Courtsider-Aktivitäten

Das Thema Wettmanipualtion wird in der Glücksspielwelt zurzeit umfassend diskutiert. Wie notwendig die Debatte ist, zeigt sich aktuell am Beispiel des bisher nichtgelisteten spanischen Tennisprofis Gerard Joseph Platero Rodriguez, der jüngst eine vierjährige Sperre durch die Integritätsabteilung (TIU) des Tennisweltverbands ITF (International Tennis Federation) erhalten hat. Erstmals kam es auch zu einer offiziellen gerichtlichen Verurteilung.

Der Sportler muss wegen seiner Wettvergehen und mangelnder Kooperationsbereitschaft eine Geldbuße von 15.000 US-Dollar zahlen. Die Untersuchung ergab, dass Rodriguez bei einem M15-Turnier der ITF, welches im Juli 2019 in Pittsburgh, USA, stattfand, als sogenannter Courtsider agiert hatte. Bei einem Courtsider handelt es sich um einen Mittelsmann, der Insiderkenntnisse besitzt, Live-Score-Daten für Wettzwecke sammelt und diese illegal an Dritte verkauft.

Rodriguez ist der erste Tennisspieler, der von der TIU wegen Courtsider-Aktivitäten angeklagt und verurteilt wurde. Zudem wurde er wegen Wettverstößen gegen das Tennis-Anti-Korruptionsprogramm (TACP) verurteilt, da er im Juni letzten Jahres 75 Online Sportwetten auf Tennisspiele platziert hatte, was ausdrücklich verboten ist. TACP verbietet für Tennisprofis jede Form der Beteiligung an Sport- insbesondere Tenniswetten, ebenso ist Werbung für Sportwetten in jeder Form verboten.

Rodriguez verweigerte Kooperation

Darüber hinaus muss jeder Spieler, gegen den eine Disziplinarmaßnahme der TIU droht, uneingeschränkt mit den Ermittlern kooperieren – vor allem wenn eidesstattliche Aussagen bei Anhörungen erforderlich sind. Im Verlauf der Untersuchung soll sich Rodriguez jedoch in keiner Weise kooperativ gezeigt haben, weshalb ihm weitere Vorwürfe wegen mangelnder Zusammenarbeit gemacht wurden.

Das Disziplinarverfahren wurde in diesem Fall von Ian Mill, einem unabhängigen Anhörungsbeauftragten des Tennis-Integritäts-Aufsichtsrats (Tennis Integrity Supervisory Board, TISB) geleitet. Dieser hat Rodriguez in allen Anklagepunkten für schuldig befunden. Seine vierjährige Suspendierung startete am 30. September, allerdings erhält der Spieler gegen Ende der Laufzeit eine Bewährungsfrist von sechs Monaten, sofern bis dahin keine weiteren Verstöße vorliegen.

Das TISB hat sein unabhängiges Gremium aus Rechtsexperten und Anhörungsbeauftragten erst Anfang September um ein Quartett bestehend aus Richard McLaren, Jane Mulcahy, Ian Mill und Charles Hollander erweitert. Darüber hinaus sind dem Gremium die Rechtsanwälte Raj Parker, Janie Soublière und Amani Khalifa beigetreten. Deren künftige Aufgabe ist es, Disziplinaranhörungen zur Korruptionsbekämpfung im Profitennis zu beurteilen. Das TISB hat seit 2009 mehr als 100 Disziplinaranhörungen auf der Grundlage von TIU-Ermittlungen durchgeführt.

Illegale Spielabsprachen im Tennis

Europol, das Polizeiamt der Europäischen Union (EU), hatte Anfang August vor einer Zunahme illegaler Spielabsprachen gewarnt. Aus einem Bericht geht hervor, dass vor allem Tennis in diesem Kontext ein Problemfeld darstellt. Im Jahr 2016 wurden lediglich 11 Spiele manipuliert, im Jahr 2017 waren es schätzungsweise 236, wobei dieser Wert bis 2018 wieder leicht auf 191 gesunken ist.

Ein weiteres Beispiel für die Problematik ist der Fall des ägyptischen Tennisprofis Youssef Hossam, der im Mai eine lebenslange Sperre erhielt. Dem Spieler wurde Korruption nachgewiesen, er hatte mehrfach illegale Spielabsprachen gegen finanzielle Zuschüsse getroffen. Der 21-Jährige, der zu diesem Zeitpunkt auf Platz 820 der Association of Tennis Professionals (ATP) rangierte, soll seinen illegalen Aktivitäten über fast vier Jahre, zwischen 2015 und 2019, nachgegangen sein.

Wie TIU im Anschluss an die Untersuchung mitteilte, konnten Hossam 21 Verstöße gegen TACP nachgewiesen werden: Acht Fälle von Matchfixing, sechs Fälle von Spielvermittlung, zwei Fälle von Spielabsprachen, drei Versäumnisse bei der Meldung korrupter Vorgehensweisen und zwei Versäumnisse bei der Zusammenarbeit mit einer TIU.

Als besonders schwerwiegend hob TIU die Tatsache hervor, dass Hossam sich mehrfach an andere Spieler wandte und von diesen forderte, sich nicht nach besten Kräften um einen Sieg zu bemühen. Hierbei soll Hossam Bestechungsversuche unternommen haben, unter anderem sollten Spieler an etwaigen Wettgewinnen beteiligt werden. Die TIU zitierte hierzu mehrere Abschnitte des TACP und sprach von einem Fall mit großer Tragweite. Mit der lebenslangen Sperre wurde gleichsam ein Exempel statuiert.

Wettmanipulation großes Thema

Die Themen Wettmanipulation und illegale Spielabsprachen sind Bestandteil vieler aktueller Regulierungsmaßnahmen. Neben der MGA (Malta Gaming Authority), Europol und Großbritannien, wo zuletzt ein neuer Whistleblower-Service eingeführt wurde, hatte sich jüngst auch Schweden mit dem Thema befasst und neue Wettregeln vorgestellt. Das Land ist der Meinung, dass die Gefahr des Wettbetrugs vor allem von nicht-lizenzierten Anbietern ausgeht.

Ein weiteres Land das härter durchgreift ist Spanien. Hier hat die Nationale Kommission zur Bekämpfung der Manipulation im Sport und des Betruges bei Sportwetten (CONFAD) jüngst einen neuen Sicherheitsplan genehmigt. Dieser gilt vorläufig für dieses und kommendes Jahr. Unter Aufsicht des Verbraucherschutzministeriums wird CONFAD ihre Arbeit dabei auf vier Pfeilern stützen.

Erster Punkt ist die Analyse und Diagnose. Zweiter Punkt ist die Offenlegung der Problematik und Sensibilisierung. Der dritte Punkt umfasst die Kontrolle und Überwachung. An vierter Stelle steht die Untersuchung der geltenden Vorschriften und Verfahrensmethoden. Ob die Maßnahmen den gewünschten Effekt erzielen bleibt abzuwarten.

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