Suchtbeauftragte Mortler kritisiert DAW-Schweinsteiger-Kampagne

Die Drogen- und Suchtbeauftragte der Bundesrepublik, Marlene Mortler (CSU), hat eine bundesweite Fair Play-Kampagne der Deutschen Automatenwirtschaft e. V. (DAW) kritisiert. Im Zentrum steht dabei ein Werbefilm in dem Fußballstar Bastian Schweinsteiger als Hauptdarsteller und Kommentator fungiert.

 Ein Screenshot aus dem DAW-Werbefilm „Wir spielen fair“ mit Bastian Schweinsteiger.

„Es braucht legale Spielhallen, die sich an Recht und Gesetz halten“, so Schweini im DAW-Spot,
womit er Recht hat. Die kämpferischen Bilder des Clips kommen nicht von ungefähr. ©YouTube

„Hübsche Bilder und Versprechungen allein genügen ganz sicher nicht“, lautet das Fazit Marlene Mortlers mit Blick auf den einminütigen Kampagnenfilm der DAW und seinen prominenten Hauptdarsteller, Bastian Schweinsteiger. Mit dem 34-jährigen Ex-Weltmeister als Botschafter lehne sich die Automatenwirtschaft „weit aus dem Fenster“, so heißt es. Die 63-jährige Politikerin erklärt:

„Wenn die deutsche Automatenwirtschaft so dick aufträgt, wie dies mit der aktuellen Kampagne geschieht, dann müssen wir sie unbedingt beim Wort nehmen. Die Defizite, die beim Spieler- und Jugendschutz an vielen Orten bestehen, sind immer noch besorgniserregend.“

Zum Verständnis: Der besagte Clip ist schwarz-weiß gehalten und trägt den Titel „Wir spielen fair“. Als Vorfilm des neuen Detlev Buck Kinofilms „Wuff“, feierte er seine Premiere am 17. Oktober vor rund 1000 Besuchern im Berliner Zoopalast. Gezeigt werden Hinterhofbolzplätze, Trainingssequenzen und dramatische Spielszenen – mögliche Karrierestationen im Leben des Bastian Schweinsteiger, der indessen beim US-Klub Chicago Fire unter Vertrag steht. Der Weltstar passiert in dem Film unter anderem auch eine Spielhalle, dazu kommentiert er:

„Das faszinierende am Spiel selbst ist ja, dass es so einfach ist – eine Handvoll Regeln, mehr braucht es nicht. Natürlich geht es immer um das Gewinnen oder Verlieren. Das Allerwichtigste ist aber, sauber zu spielen, egal wo und was du spielst. Deshalb braucht es legale Spielhallen und die erkennt man an fünf Regeln, die den Unterschied machen.“

Eingeblendet werden: Zutritt nur ab 18, kein Alkohol, geschultes Personal, Spielerschutz, geprüfte Qualität. Soweit legitim und durchaus wünschenswert.

Die bundesweit angelegte Fair-Play-Kampagne wird über einen Zeitraum von sechs Wochen insgesamt 482 Mal, in 63 Kinos aufgeführt, dazu sind 670 TV-Reklamen geplant. Außerdem wird der Clip via YouTube vermarktet. Obendrauf kommen Printformate in 20 politischen Zeitschriften, plus 3500 Plakate. Darunter auch „Riesenposter“ zum Beispiel in Hamburg, Berlin, Hannover und Stuttgart. Der enorme Aufwand hat seine Gründe.

Automatenwirtschaft unter Druck?

Dass die deutschen Spielhallenbetreiber derzeit immer mehr unter Druck geraten, ist kein Geheimnis. Obgleich die Zahlen der Branche laut dem Schleswig-Holsteiner Newsportal SHZ bisher nur „leicht rückläufig“ sind, kann die Großoffensive wohl durchaus als Reaktion, sowohl auf den weiterhin zunehmenden Internetboom, als auch auf die Inkraftsetzung des neuen Glücksspielstaatsvertrags im Dezember 2017 verstanden werden.

Vor allem die 350-Meter-Abstandsregel sorgt in dem Zusammenhang derweil in vielen Bundesländern für Missmut. Dass sich die Betreiber folglich vielerorts mobilisieren, um gerichtlich gegen etwaige geplante Schließungen vorzugehen, verwundert kaum.

Zu Sammelklagen kam es jüngst zum Beispiel in der Ruhrgebietsstadt Duisburg. In NRWs Landeshauptstadt Düsseldorf sorgt hingegen Glücksspielmilliardär Paul Gauselmann für Gegenwind. Der Merkur-Inhaber und Vorsitzende der VDAI (Verein der Deutschen Automatenindustrie e. V.) ist seit Juli außerdem neuer Haupt-Sportsponsor der 600.000 Einwohner zählenden Rheinmetropole.

„Kohärente Regulierung“ gefordert

Dass die Glücksspielgesetzgebung in Deutschland nach wie vor den einzelnen Bundesländern obliegt – was für mehr Chaos als Nutzen sorgt – hat Gauselmann jüngst scharf kritisiert: Ob Spielhalle oder Onlinecasino, jede Glücksspielart benötige die „passenden Rahmenbedingungen“, so der 84-jährige. Das Webportal FinanzNachrichten.de zitiert den Konzernchef fortführend:

„Wir erwarten eine kohärente, das heißt, ausgewogene Regulierung über alle Spielformen, wo Geld eingesetzt wird, einschließlich unserer Branche.“

Trotz allen Unmuts, sollen ab 11. November gar noch einige weitere verschärfte Richtlinien Gültigkeit erlangen: Die Maximalgewinne an Automaten werden demnach von derzeitig 500 auf 400 Euro herabgesetzt. Auch das Verlustrisiko pro Spin soll von momentan 80 auf 60 Euro begrenzt werden. Außerdem stehen Pausier-Mechanismen und ein Verbot gegen simultanes Spielen auf der Agenda. Hinzukommend sollen die Maschinen zukünftig nur noch per Personalkarte in Betrieb genommen werden können.

„Dort wo für viele das Glücksspiel beginnt, wird zu wenig hingeschaut“, lautet an dieser Stelle die klare Devise der Bundes-Drogenbeauftragten Mortler – die hier eindeutig mehr auf Stringenz als auf Kohärenz setzt. Auch eine prominente Fußballlegende á la Schweini wird den drastischen Regulierungsvorhaben der Politikerin wohl nur bedingt entgegenwirken können. Weitere Entwicklungen in der Branche, besonders im Hinblick auf das offiziell noch immer als illegal deklarierte Online-Glücksspiel, bleiben wie immer abzuwarten.

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