Streik im Crown Casino Melbourne

Zum ersten Mal nach 16 Jahren sind die Angestellten des australischen Crown Casinos Melbourne in Streik getreten. Eine erste zweistündige Streikwelle erfolgte am Freitag (01.11.), außerdem planen die Mitarbeiter an diesem Wochenende keine alkoholischen Getränke zu servieren. Grund für den Streik ist der Stillstand der Tarifverhandlungen zwischen der Gewerkschaft United Voice und dem Betreiber Crown Resorts Limited. Was genau steckt dahinter?

Der Crown Casino-Komplex in Melbourne.

Das Crown Casino Melbourne zählt mit einer Fläche von rund 510.000 m² zu den größten Casinos der Welt. (©Donaldytong [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)

Schmälerung der Umsätze im Fokus

Die rund 1.000 Mitarbeiter des Crown Casinos Melbourne, darunter Croupiers, Barkeeper, Dealer, Sicherheitspersonal und Hotelangestellte, sind in Streik getreten. Ein erstes Intervall wurde am Freitag eingeläutet, sämtliche Mitarbeiter legten ihre Arbeit für insgesamt zwei Stunden nieder. Wann es zu einer nächsten Streikwelle kommen soll, ist bis dato noch nicht bekannt. Klar ist indessen, dass die Mitarbeiter an diesem Wochenende 24 Stunden lang keine alkoholhaltigen Getränke servieren werden, womit die Umsätze des Marktgiganten erheblich geschmälert werden könnten.

Grund für die Arbeitskampfmaßnahmen ist der Stillstand der Tarifverhandlungen zwischen der Gewerkschaft United Voice und dem australischen Casino-Marktführer Crown Resorts Limited. Im Vorfeld hatte man sechs Monate lang über Gehaltserhöhungen diskutiert, jetzt gelten die Verhandlungen als gescheitert, zu einer Vereinbarung kam es nicht. Laut Gewerkschaft werden man daher die Bars, Restaurants und Spielhallen des Resorts über mehrere Streiketappen hinweg „unbeaufsichtigt lassen“.

Zielorientierte Streiks zur Rennsaison

Dass der erste Streik ausgerechnet zu diesem Wochenende angesetzt wurde, ist kein Zufall, denn der AAMI Victoria Derby Day auf der australienweit berühmten Pferderennbahn Flemington steht auf dem Plan. Dieser wird die beliebte Melbourne Cup-Woche einläuten. In diesem Kontext hatte die Gewerkschaft die Betreiber schon im Vorfeld davor gewarnt, dass sich eventuelle Streiks besonders auf die Eröffnung der australischen Spring Racing-Pferderennsaison auswirken könnten.

Der Victoria Derby Day gilt dabei als besonders preisträchtiger Renntag des Melbourne Cups. Die Bedeutsamkeit wird deutlich, wenn man bedenkt, dass für die Besucher hier sogar eine entsprechende Kleiderordnung gilt: Damen tragen traditionellerweise elegante Kleider in Schwarz-Weiß-Tönen, während von Männern ein grauer Anzug und Zylinder erwartet wird.

Die United Voice-Sprecherin Carolyn Smith erklärte in Bezug auf die Zielsetzung des Streiks, dass die besagte Pferderennveranstaltung zu den geschäftigsten wie umsatzstärksten Zeiten des Crown Casinos zählt: Das Event erfordere demnach den Einsatz sämtlicher Mitarbeiter, Tausende Gäste müssen pro Tag bedient werden. Smith betonte außerdem, dass die Gäste nun mit Störungen rechnen müssen, öffentlich forderte sie Sportfans dazu auf, keine Crown-Tickets für die Veranstaltung zu erwerben, um Ärgernissen vorzubeugen. Gegenüber der australischen Tageszeitung The Sydney Morning Herald hieß es fortführend:

“Der Geldbetrag, den Crown durch diesen Streik verlieren wird, übersteigt den Betrag, für den die Angestellten derzeitig verhandeln.”

Kampf um Gehalt und Jobsicherheit

Hintergrund des Streiks sind wie bereits angedeutet länger anhaltende Tarifstreits, neben Gehaltserhöhungen fordern die Mitarbeiter außerdem auch mehr Jobsicherheit. Laut Aussagen der Gewerkschaft befinden sich zurzeit rund 70 Prozent der Angestellten in Teilzeit- oder Gelegenheitsarbeitsverhältnissen. Angesichts dieses Sachverhalts sieht die Gewerkschaft einen Bruch des Sozialvertrags zwischen Crown und dem australischen Bundesstaat Victoria. Dieser sieht vor, dass Crown aufgrund seiner Monopollizenz einen bestimmte Zahl an festen Arbeitsplätzen gewährleisten muss.

Laut Tim Kennedy, Generalsekretär bei United Voice, hätten die Mitarbeiter einen „angemessenen Anteil am Erfolg des Unternehmens“ verdient. Der Gewerkschaft ginge es in erster Linie um „sichere und stabile Arbeitsplätze. Die Realität sehe jedoch anders aus, United Voice werde den Streik daher über die gesamte Rennsaison weiterlaufen lassen, so lange, bis die Mitarbeiter ihre Forderungen erhalten. Kennedy erklärte diesbezüglich:

“Stattdessen leben die Angestellten von Woche zu Woche, bemühen sich, ihre Rechnungen zu begleichen und müssen Zweitjobs annehmen, um irgendwie durchzukommen. Es ist an der Zeit, dass das aufhört.”

Crown bestreitet Vorwürfe

Unlängst hat auch Crown Resorts Limited zu den Streiks und den Forderungen der Gewerkschaft Stellung bezogen. Demnach arbeite man zurzeit bereits „konstruktiv“ an einem neuen Tarifvertrag. Eine Sprecherin verwies jedoch auch darauf, dass es sich bei Crown um einen „preisgekrönten Arbeitgeber“ handle, der seinen Angestellten bekannterweise flexible Arbeitszeiten sowie etwaige Schulungsmöglichkeiten bietet. Zudem seien sogar 83 Prozent der Belegschaft festangestellt. Die Sprecherin erklärte darüber hinaus:

“Wir bieten einen flexiblen Arbeitsplatz für Tausende von Mitarbeitern, die es vorziehen, in Teilzeit oder auf Freizeitbasis zu arbeiten. Wenn die Mitarbeiter zusätzliche Stunden arbeiten möchten, bemühen wir uns darum, ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre Stunden zu erhöhen.”

Crown Resorts in der Krise?

Nicht nur aufgrund der Streiks steht der börsennotierte Glücksspielkonzern derweil unter Druck: Erst Anfang August sorgten investigative Berichte der australischen Zeitungen The Age, The Sydney Morning Herald und 60 Minutes für einen australienweiten Skandal um Crown Resorts. Seitdem sieht sich Crown mit Vorwürfen der Geldwäsche und Korruption konfrontiert. Im Zentrum der Ermittlungen stehen angebliche Verbindungen zu kriminellen Glücksspiel-Syndikaten aus China.

Als sei dies nicht genug, sorgte der australische NBA-Basketballspieler Ben Simmons (Philadelphia 76ers) Ende August mit Diskriminierungsvorwürfen gegen Crown für negative Publicity. Angeblich habe das Sicherheitspersonal im Freundeskreis des Basketballers nur die Ausweise farbiger Personen kontrolliert.

Obendrein hat die australische Glücksspielaufsichtsbehörde Anfang September angekündigt, die im Jahr 2014 ausgestellte Lizenz für das dritte Crown Resort Casino in Barangaroo, Sydney, erneut überprüfen zu wollen. Grund für die Maßnahme ist der Verkauf eines 20 prozentigen Aktienanteils von Crown an den Casino-Mogul Lawrence Ho aus Hongkong, dessen Vater angeblich mit chinesischen Verbrechersyndikaten in Verbindung stand. Dass Crown angesichts derartig vieler Negativ-Schlagzeilen in der Krise steckt, steht außer Zweifel. Die Entwicklungen bleiben vorerst abzuwarten.

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