Staatshilfen für MV Werften

Die MV Werften haben vom Land Mecklenburg-Vorpommern eine Bürgschaft von 900 Mio. Euro bewilligt bekommen. Die Genehmigung des umfassenden Rettungspakets sei nach Angaben der Wochenzeitung Die Zeit gemeinsam mit der Bundesregierung beschlossen worden. Die endgültige Bewilligung des 900-Millionen-Euro-Darlehens stehe zum aktuellen Zeitpunkt allerdings noch aus. Genting Honkong, der Mutterkonzern der MV Werften, war durch die pandemischen Auswirkungen der Corona-Krise in finanzielle Schieflage geraten und ist bereits zum zweiten Mal auf eine staatliche Finanzspritze angewiesen.

Impfdosen gegen den Coronavirus.

Trotz fortschreitender Corona-Impfungen lasse sich auf lange Sicht nicht abschätzen, ob sich die Auftragslage der MV Werften nach überstandener Pandemie wieder stabilisiert. ©torstensimon/Pixabay

Einbruch durch Covid-19

Nach über anderthalbjähriger Pandemie scheint allmählich wieder Normalität im globalen Treiben einzukehren. Dank flächendeckender Testungen und fortschreitender Impfungen können sowohl Gesellschaft als auch Wirtschaft langsam wieder aufatmen. Die durch Covid-19 angerichteten Schäden bleiben jedoch. Viele Wirtschaftszweige mussten unter den pandemischen Auswirkungen immense Verluste und Einbußen hinnehmen. Auch die Glücksspiel- und Tourismusbranche stand vor großen Herausforderungen. Als Konzern, der beide Industrien miteinander verbindet, wurde Genting Honkong besonders hart getroffen.

Der chinesische Konzern ist in Mecklenburg-Vorpommern mit den MV Werften vertreten. Im vergangenen Jahr ist die Tochtergesellschaft mit ihren Standorten in Schwerin, Wismar und Rostock in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Die langen Restriktionen für den Glücksspielsektor und der komplette Shutdown von Kreuzfahren, die aus den globalen Corona-Maßnahmen resultierten, haben den Mutterkonzern beinahe in den finanziellen Ruin getrieben. Bis tief in den Winter 2020 schien die Zukunft des Unternehmens ungewiss.

Bereits im Sommer läutete der Glücksspiel- und Kreuzfahrtkonzern die Alarmglocken und ließ per Mitteilung verlauten, dass die Corona-Pandemie eine nie dagewesene Bedrohung für alle Bereiche des Unternehmens darstelle:

“Die Covid-19-Pandemie hatte und wird weiterhin erhebliche Auswirkungen auf die Finanz- und Ertragslage des Konzerns haben. Wir haben eine Reihe von Maßnahmen zur Senkung von Kosten zur Liquiditätsschonung getroffen, um die Auswirkungen des daraus resultierenden Umsatzverlustes aus dem operativen Geschäfts zu mindern.”Tan Sri Lim Kok Thay, Chairman und Chief Executive von Genting Honkong, Offizielle Meldung von Genting Honkong

Rettung durch Staatshilfen

Die MV Werften standen trotz Sparkurs im Dezember 2020 mit dem Rücken zur Wand. Um das absolute Horrorszenario abwenden zu können, nahm das Unternehmen bereits im zurückliegenden Jahr erste Staatshilfen in Anspruch. Die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern bewilligte zum damaligen Zeitpunkt rund 200 Millionen Euro. Die erneute Finanzspritze soll das Rettungspaket nun um 900 Millionen Euro erweitern und den Kredit auf 1,1 Milliarden Euro anwachsen lassen. Dabei würden rund 500 Millionen aus dem Topf der Bundeshilfen kommen, 400 Millionen steuere Mecklenburg-Vorpommern selbst bei.

Die Bewilligung des umfangreichen Rettungspakets musste vorab den kritischen Blicken der Bundesregierung standhalten. Diesbezüglich gaben die Fraktionen der CDU und SPD zu Protokoll, dass der Rettungsschirm des Bundes nur über Unternehmen, Personen und andere Wirtschaftsträger gespannt werde, die eine system- und wirtschaftsunterstützende Funktion einnehmen.

Als großer Arbeitgeber und Innovationsstandort würden die MV Werften in den Augen der Politik bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie über eine gute Auftragslage verfügt haben. Zudem habe das Unternehmen kontinuierlich Personal aufbauen und so erheblich in die Werftstandorte investieren können.

Sicherung von Arbeitsplätzen. Mit der Finanzspritze von 900 Millionen Euro wollen der Bund und die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern in erster Linie die Arbeitsplätze der MV Werften erhalten. Derzeit beschäftigt das Unternehmen über die Standorte verteilt circa 3.100 Mitarbeiter.

Auftragslage stellt Weichen für Zukunft

Das Rettungspaket soll unter anderem den Bau des neuen Kreuzfahrtschiffes „Global 1“ finanzieren. Der Mutterkonzern Genting Honkong hatte diesen Großauftrag an die MV Werften vergeben. Mit den Kredithilfen soll der Bau des Schiffs realisiert und so zumindest 2.100 der insgesamt 3.100 Mitarbeiter vorerst gesichert werden. Wie Die Zeit berichtet, plane der Bund, die Finanzierung eines weiteren Schiffes zu subventionieren.

Trotz des immensen Rettungsschirms hänge die Zukunft der MV Werften jedoch auf lange Sicht von der Auftragslage ab. Diese war zwar vor Ausbruch der Corona-Pandemie stabil und auf dem aufsteigenden Ast, doch die Welt hat sich seit der Krise verändert. Daniel Friedrich, Bezirksleiter der IG Metall Küste, betonte diesbezüglich, dass nur mit guter Auftragslage sich die hiesigen Standorte langfristig sichern lassen.

Zukunftsaussichten. Im offiziellen Bericht für das erste Quartal 2021 übte sich Genting Honkong in puncto Zukunftsaussichten in Zurückhaltung. So seien die Prognosen für die Tourismus, Freizeit- und Glücksspielbranche weiterhin ungewiss. Vor allem der Tourismussektor werde aufgrund der anhaltenden Reisebeschränkungen weiterhin mit großen Herausforderungen konfrontiert. Aber auch der regionale Glücksspielmarkt werde mit Problemen zu kämpfen haben.

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