Sportradar plant globale Reform

Um wirtschaftliches Wachstum zu generieren, plant Sportradar eine umfassende globale Reform seiner Unternehmensstruktur. Der globale Marktführer für Sport- und Wettdaten will dafür sein Management in mehreren Ländern reorganisieren. Parallel dazu hat Sportradar seine Geschäfte in Australien ausgedehnt, doch auch das Konkurrenzunternehmen Genius Sports befindet sich auf Expansionskurs. Wie sehen die Entwicklungen aus?

Ein Basketball fliegt durch einen Korb.

Mitte der Woche ist Sportradar zum Partner der australischen Basketballliga NBL avanciert. ©EIDrmano/Pixabay

Drei regionale CEOs weltweit

Der Schweizer Sportdatendienstleister Sportradar (St. Gallen) reorganisiert sich weltweit, um seine Wachstumspläne voranzutreiben. Alle Geschäftsaktivitäten sollen umfassend reformiert werden, hierbei werden die unterschiedlichen Anforderungen an den vielen verschiedenen Standorten des Unternehmens berücksichtigt. Laut Aussagen des Anbieters wird die neue Struktur erhebliche Auswirkungen auf mehrere Vertikalen haben.

Darunter fällt die Entwicklung des globalen Wettgeschäfts, der Ausbau des Bereichs Sportentertainment, die Erweiterung des Gaming- und Gambling-Content-Portfolios sowie die Entwicklung der unterschiedlichsten Integritätsdienstleistungen. Die benannten Bereiche sollen infolge der Reform noch besser organisiert sein und noch umfassender unterstützt werden.

Um seine Ziele zu erreichen, wird Sportradar diverse Modifikationen an seinem Management vornehmen. Carsten Koerl wird das Geschäft aber weiterhin als Group Chief Executive leiten. Ab Januar wird er dabei von drei regionalen CEOs weltweit unterstützt. Arne Rees wird fortan als CEO für Nordamerika fungieren, während Werner Becher, bisher Geschäftsführer für den Bereich US-Wetten, die Geschäfte in Großbritannien, Europa und Lateinamerika übernimmt.

Darüber hinaus wird Eduard Blonk die Geschäftsführung in der Region Asien-Pazifik anvertraut, unterstützt von Michael Maerz als Stellvertreter. In der Region hatten die Schweizer dieses Jahr eine Reihe von Verträgen abgeschlossen, zuletzt wurde (u. a.) die bereits bestehende Partnerschaft mit der indischen Fußball Super League verlängert. Obendrein wurde Blonk zum Chief Commercial Officer des Unternehmens ernannt.

Laut Aussagen von Carsten Koerl sei Sportradar als führendes Unternehmen für Technologie und -innovation in den Bereichen Sportwetten und Sportunterhaltung fest entschlossen, allen Kunden und Partnern ein ebenso sicheres wie unvergleichliches Erlebnis zu bieten. Die aktualisierte Struktur werde das Niveau an Kundennähe, Agilität und allgemeiner Reaktionsfähigkeit enorm erhöhen. Gleichzeitig sei mit weiteren globalen Wachstumsschüben zu rechnen. Die Reorganisation sei ein entscheidender Schritt für weitere Expansionen, die Messlatte werde damit weiter nach oben geschraubt.

Weiterführende Personaländerungen

Zusätzlich zu den regionalen CEOs werden etwaige leitende Mitarbeiter eine Reihe von neuen Funktionen einnehmen und regelmäßig an die drei regionalen Geschäftsführer sowie an Koerl berichten. Dazu gehört Warren Murphy, der bisher Geschäftsführer für den Bereich Wetten und Gaming war und nun als Chief Product Officer für denselben Bereich fungieren wird.

Rainer Geier, bisher Geschäftsführer für audiovisuelle digitale Plattformen und Werbelösungen, übernimmt hingegen die Rolle des Chief Product Officer für den Bereich Entertainment, seine Berichte gehen direkt Koerl. Dasselbe gilt für den Chief Technology Officer Ben Burdsall, den Chief Financial Officer Alex Gersh und den Chief Strategy Officer Ulrich Harmuth. Künftig kann es zu weiteren Umstrukturierungen kommen.

Sportradar auf Expansionskurs

Neben seinen neuen Partnerschaften im asiatischen Raum und einem Abkommen mit dem europäischen Handballverband EHF im letzten Juli hat Sportradar jüngst auch in Australien expandiert. Dort wurde sowohl ein Deal mit dem nationalen Tennisverband erweitert als auch ein Deal mit der National Basketball League (NBL) abgeschlossen. Der mehrjährige Vertrag tritt mit Beginn der Saison 2021 in Kraft.

Im Rahmen der Vereinbarung wird Sportradar mit der NBL zusammenarbeiten, um sowohl den Vertrieb als auch die Berichterstattung über Rundfunk- und Onlineplattformen zu verbessern. Sportradar wird künftig auch die Over-the-Top-Plattform der NBL verwalten und plant, zum ersten Mal in der Geschichte, auch Spiele der NBL1 auf der Plattform zu zeigen.

Darüber hinaus avanciert Sportradar zum offiziellen Integritätspartner der Liga. Dies bedeutet, dass Sportradar eine Reihe von Quotenüberwachungssystemen zur Unterbindung von Wettmanipulationen und illegalen Spielabsprachen einführen wird. Alle Formen von Unregelmäßigkeiten sollen damit umgehend erkannt werden. Das Thema Wettmanipulation ist momentan auch in Europa ein vieldiskutiertes Thema.

Sportradar nutzt zur Kontrolle sein weltweit bewährtes Fraud Detection-System, womit 1.781 Spiele im professionellen und semiprofessionellen Basketball des Landes überwacht werden sollen. Laut Brad Joyne, Chief Commercial Officer der NBL, biete Sportradars Fokus auf Integrität und technologische Effizienz die ideale Basis, um der wachsenden Reputation des lokalen Wettmarktes sowie der wachsenden Fangemeinde der NBL zu begegnen. Gemeinsam könne man den Einflussbereich der Liga erweitern und die Abläufe weiter professionalisieren.

Die Konkurrenz schläft nicht

Hauptkonkurrent von Sportradar ist das britische Unternehmen Genius Sports, beide liefern sich seit Jahren einen harten Kampf um die Datenrechte an globalen Topligen, Vereinen und Sportverbänden. Auch Genius Sports, seit neuestem Partner der US-amerikanischen Profigolfliga PGA, befindet sich derweil auf Expansionskurs. So wurde jüngst ein Abkommen mit dem Deutschen Tennisbund (DTB) besiegelt.

Fortan ist Genius Sports offizieller Integritätspartner des Verbandes und hält zudem die exklusiven Rechte an den Daten- und Streamingdiensten. Das Unternehmen erhofft sich von der Partnerschaft, sein Profil weiter zu verstärken und mit Tennisfans auf der ganzen Welt in Kontakt zu treten. Der DTB hat über 1,4 Millionen spielende Mitglieder. Tausende Fans können fortan Wetten über mehr als 150 Sportwettpartner von Genius Sports abschließen.

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