Spielautomaten-Apps: Klage gegen Apple

Der US-amerikanische Technologiekonzern Apple sieht sich in Kalifornien mit einer Sammelklage wegen der Verbreitung von Spielautomaten-Apps konfrontiert. Laut Klageschrift soll der iPhone-Hersteller durch illegales Glücksspiel profitieren. Gefordert wird Schadensersatz. Auch wegen der Verbreitung von Lootbox-Spielen steht Apple seit längerem am Pranger. Wie sehen die Vorwürfe im Detail aus?

Ein iPhone in den Händen seines Besitzers.

Durch Provisionen für In-App-Käufe kassiert Apple jährlich milliardenschwere Summen. ©JESHOOTS-com/Pixabay

Kläger fordern Schadensersatz

Im US-Bundesstaat Kalifornien ist es erneut zu einer Sammelklage gegen Apple gekommen. Dieses Mal geht es aber nicht um Lootboxen in Videospielen, sondern um Spielautomaten-Apps. Kläger sind zwei Apple-Kunden, die Vorwürfe sind schwerwiegend: Durch Provisionen würde der Konzern Milliarden an den In-App-Käufen verdienen und gleichzeitig das illegale Glücksspiel fördern. In der Klageschrift wird Schadenersatz gefordert.

Darüber hinaus wollen die Kläger eine Rückerstattung der Verluste erwirken, die durch die Spielautomaten-Apps entstanden sind. Obendrein wird auf eine Verfügung gegen die weitere Vermarktung der Apps gezielt. Apple soll Kenntnisse darüber besitzen, dass es sich bei zahlreichen Free to Play-Apps um Spielautomaten-Apps handle, deren Betreiber Spielchips gegen Echtgeld anbieten würden. Der App Store diene damit der Verbreitung illegaler Glücksspiele.

Werden Apps trotz Verbot angeboten?

Zugleich fungiere der App Store als Zahlungsdienstleister. Das Geld der Spieler würde hierüber eingezogen, Apple behalte dabei stets einen Anteil der Gelder. Die meisten der Apps seien in Kalifornien allerdings nicht erlaubt, würden aber dennoch von Apple angeboten. Der Fall wird nun vor dem United States District Court – Northern District of California unter dem Aktenzeichen 5:21-cv-00553 verhandelt.

Apple kassiert für In-App-Käufe eine Provision von 30 Prozent – eine Tatsache, die auch schon im Zusammenhang mit den kontroversdiskutierten Lootboxen kritisiert wurde. 2020 sollen Spieler weltweit etwa 6 Mrd. US-Dollar in virtuellen Spielchips, zum Beispiel von Social Casinos, investiert haben. Die beiden Kläger erklärten, dafür jeweils rund 15.000 US-Dollar ausgegeben zu haben. Mehrere Stunden am Tag hätten sie gespielt. Apple würde durch diese Einnahmen sogar noch mehr Geld verdienen als durch herkömmliche Glücksspiel-Apps.

Die beiden Kläger, Cheree Bibbs und Donald Nelson, erklärten, dass Apple mit dem Vertrieb der Apps die Glücksspielsucht ihrer Nutzer fördere. Zugleich würden die Spieler unter hohen finanziellen Verlusten leiden. In der Klageschrift werden Beträge zwischen 10.000 und 30.000 US-Dollar genannt. Im Gegensatz zu Apple würde selbst ein echtes Casino ein Verlustrisiko im Falle eines Jackpots tragen und nur 15 Prozent der Einsätze einbehalten.

Des Weiteren wird in der Klage darauf hingewiesen, dass Social Casino-Apps bisher nicht dem Glücksspielgesetz unterlägen, da vorwiegend mit Spielchips und Punkten gespielt würde. Das kalifornische Gesetze sehe vor, dass es für Spielautomaten feste Auszahlungsquoten geben muss. Diese Regel könnten Social Casinos jedoch umgehen, da keine Geldgewinne ausgeschüttet würden, sondern immer nur neue Chips oder Punkte.

Klagen wegen Lootboxen

Wie bereits erwähnt, ist die Klage gegen die Spielautomaten-Apps nicht die einzige, mit der sich der milliardenschwere Tech-Gigant Apple konfrontiert sieht. Mehrere Klagen von Eltern wegen Lootboxen in Videospielen standen bereits ins Haus, zu einer Sammelklage kam es ebenfalls in Kalifornien. Lootboxen würden bei Kindern und Jugendlichen eine Affinität zum Glücksspiel fördern, so die Kritik.

Während Apple 2019 damit begann alle Apps, die Glücksspiele simulieren, nur noch für Erwachsene zugänglich zu machen, stellen die geringen Altersfreigaben bei Lootbox-Spielen für viele Eltern immer noch ein großes Problem dar. In Belgien und den Niederlanden sind Lootboxen bereits verboten. In Ländern wie Großbritannien, Deutschland oder den USA wird bereits über Verbote diskutiert.

Lootboxen sind virtuelle Schatztruhen in Videospielen und Gaming-Apps wie zum Beispiel Mario Kart Tour, Stars Wars: Battlefront II oder Fifa. Sie beinhalten ein Sortiment an bestimmten Spielgegenstände, zum Beispiel Waffen, Werkzeuge, Trikots oder Kostüme, womit Spielvorteile gesichert werden können. Der Schlüssel für eine Truhe ist gegen kleinere Geldsummen, sogenannte Mikrotransaktionen erwerblich. Welcher Gegenstand sich in der jeweiligen Kiste befindet, bleibt dem Zufall überlassen.

Untersuchungen in UK

Laut Kritikern gleichen Lootboxen in ihrer Spielmechanik einer Lotterie, es handle sich daher um ein riskantes Glücksspielelement. Aufgrund der zunehmenden Vorwürfe hatte Großbritannien jüngst einen Vorstoß unternommen und eine umfassende Lootbox-Untersuchung eingeleitet. Zukünftig wolle man Beweismaterial über die Auswirkungen sammeln, danach soll entschieden werden, ob eine Beschränkung oder ein Verbot sinnvoll ist. Tech-Konzerne wie Apple oder Google, aber auch Spielehersteller wie EA wären davon massiv betroffen.

Der Fifa-Entwickler EA hat auf die wachsende Kritik bereits mit einem Spielerschutz-Tool reagiert: Fifa-Spielzeit gewährt Einblicke über die eigenen Spielgewohnheiten, zum Beispiel wie viel Zeit in das Spiel investiert wird oder wie viele Matches in einem bestimmten Modus gespielt werden. In einer Tabelle werden außerdem Infos darüber geliefert, wie viele Fifa-Points gekauft und wie viele Fifa Ultimate Team (FUT)-Lootboxen geöffnet werden.

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