Sparta Rotterdam: Fall von Matchfixing?

Gegen den niederländischen Fußballspieler Tom Beugelsdijk (30), Verteidiger beim Erstligisten Sparta Rotterdam (Eredivisie), wird wegen des Verdachts auf Spielmanipulation ermittelt. Beugelsdijk hatte im letzten Januar eine unnötige gelbe Karte provoziert – darauf wurden auffallend hohe Wetteinsätze platziert. Die Staatsanwaltschaft und der Fußballverband KNVB haben nun Untersuchungen eingeleitet. Der Fußballer selbst bestreitet die Vorwürfe.

Ein Fußballschiedsrichter mit einer gelben Karte macht sich Notizen.

Ein Fan setzte angeblich 3.000 Euro auf die gelbe Karte. Der Gewinn lag bei 13.000 Euro. ©planet_fox/Pixabay

Ein potenzieller Wettskandal?

Die Verhinderung von Wett- und Spielmanipulationen steht momentan ganz oben auf den Agenden von Fußballverbänden, Klubs und Ermittlungsbehörden. Das Überwachungsgremium Global Lottery Monitoring System (GLMS) hatte im Januar einen Anstieg der Verdachtsfälle von 41 Prozent für das Jahr 2020 gemeldet. Auch Interpol hatte wenige Monate zuvor vor eine Zunahme an Spielmanipulationen, sogenannten Matchfixings, gewarnt.

Was die Niederlande angeht, war das Land in punkto Spielmanipulation bisher ein grauer Fleck, doch nun bahnt sich auch dort ein potenzieller Skandal an: Der 30-jähige Spieler Tom Beugelsdijk, Verteidiger bei Sparta Rotterdam, soll in einen Wettbetrug verwickelt sein. Während des Spiels gegen PSV Eindhoven am 16. Januar, durch ein unnötiges Foul außerhalb des Strafraums, soll Beugelsdijk eine gelbe Karte provoziert haben. Auf die Verwarnung hatten einige Fans Wetten abgeschlossen.

Ein Tipper hatte satte 13.000 Euro gewonnen, im Vorfeld wurden 3.000 Euro auf die gelbe Karte platziert. Zwei weitere Tipper verdienten laut Recherchen der Nachrichtenportals NOS jeweils 1.000 Euro. Für die niederländische Polizei und den Fußballverband KNVB Grund genug, um eine Ermittlung wegen des Verdachts auf Wettbetrug gegen Tom Beugelsdijk einzuleiten. Diese hatte jüngst alle Vorwürfe abgestritten. Für ihn war es, bis zu diesem Zeitpunkt, die erste gelbe Karte der Saison.

Den Namen des Spielers hatten Polizei, Verband und Verein über mehrere Wochen verschwiegen. Erst seit kurzem ist bekannt, um welchen Spieler und um welche gelbe Karte es sich handelt. Da sich die strafrechtlichen Ermittlungen noch in einem frühen Stadium befinden, liegen bislang nur wenige Informationen darüber vor, ob hinter der Aktion tatsächlich ein Wettbetrug steckt. Sparta Rotterdam erklärte zuletzt, mit dem Verteidige gesprochen zu haben – das Foul sei demnach nur in der Hitze des Gefechts geschehen. Im Rahmen der Untersuchung wolle man mit den Behörden kooperieren.

Polizei nimmt Ermittlungen ernst

Laut NOS sollen mehrere Buchmacher infolge der gelben Karte bei den Behörden Alarm geschlagen haben: Es seien verdächtige Wettmuster erkannt worden, die auf Matchfixing hinweisen. Hierbei handelt es sich um eine Form der Spielmanipulation, bei der absichtlich eine Spielhandlung durchgeführt wird, um involvierte Tipper gewinnen zu lassen oder Wettquoten in bestimmte Richtungen zu lenken. Beispiele wären das Verursachen eines Elfmeters oder das Erhalten einer Karte.

Laut Aussagen eines Polizeisprechers, sei es bedeutsam, dass die Untersuchung mit Integrität und Sorgfalt durchgeführt wird. Man nehme den Fall sehr ernst, denn es gehe um die Glaubwürdigkeit des Spitzenfußballs. Unmittelbar nachdem die Warnungen eingegangen waren, habe man eine Untersuchung eingeleitet. Die Polizei ermittele nun unter der Leitung der Staatsanwaltschaft.

Im Ausland wurden in den letzten Jahren mehrere Fälle von Spielmanipulationen untersucht, vor allem im Fußball und im Tennis. Nach Angaben der Polizei sei ein derartiger Fall in den Niederlanden aber bisher noch nicht vorgekommen. Sollte sich die Staatsanwaltschaft für eine Anklage entscheiden, wäre es auch das erste Mal, dass ein Fall von Spielmanipulation in den Niederlanden vor Gericht kommt.

Dass Niederlande bisher nicht von illegalen Spielabsprachen betroffen war, verwundert Marjan Olfers, Professorin für Sport und Recht. Niederlande sei in diesem Punkt eine Art blinder Fleck – bisher seien tatsächlich keine Fälle von Spielmanipulationen bekannt geworden, die zu einer strafrechtlichen Verfolgung geführt haben. Dass die Staatsanwaltschaft den Fall Beugelsdijk nun näher untersucht, sei lobenswert, denn bei den betroffenen Sportarten dominiere der Fußball. Über 75 Prozent aller wettbezogenen Auffälligkeiten werden laut GMLS in diesem Sport registriert. 2020 waren 832 von 1.113 Meldungen.

Tipper wohnt in Beugelsdijks Nähe

Der Fußballer Tom Beugelsdijk erklärte zuletzt gegenüber NOS, sich keines Fehlverhaltens bewusst zu sein. In der Tat sei es ein ungeschicktes und unnötiges Foul gewesen, doch er habe schon fragwürdigere Fouls begangen. Warum mehrere Tipper größere Beträge auf seine gelbe Karte gesetzt hatten, sei ihm nicht bekannt.

Da auf gelbe Karten in der Regel wenig gewettet wird, waren die Beträge sowohl für die Buchmacher als auch für die Polizei sofort auffällig. Wie sich im Zuge der Ermittlungen herausstellte, wohnt einer der Tipper, der den höchsten Einsatz platziert hatte, nicht weit von Beugelsdijk entfernt. Zudem teilen sich beide mehrere gemeinsame Freunde bei Social Media.

Unmittelbar vor dem Spiel platzierte der besagte Tipper fünf Wetten im Gesamtwert von 3.000 Euro hintereinander bei einem ausländischen Wettanbieter. NOS hat inzwischen mit dem Tipper gesprochen – der erklärte, dass sein Spielverhalten in seinen Augen nicht auffällig sei. Er platziere häufig hohe Summen auf außergewöhnliche Ereignisse, doch normaler verliere er. Dann stünde niemand vor seiner Tür.

Die Frage, ob er schon einmal auf eine gelbe Karte gesetzt hat, wollte er allerdings nicht beantworten. Sein Konto sei nach dem Gewinn des dubiosen Geldpreises gesperrt worden. Der Fußballer und der Fan behaupten indessen, sich nicht zu kennen. Es bleibt daher abzuwarten, was die Ermittlungen der Polizei ergeben.

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