Skandal um Crown: CEO zurückgetreten

Ein Skandal um Geldwäsche sorgt dafür, dass die Casinofirma Crown Resorts derweil im Chaos versinkt. Nach dem Lizenzentzug für ein drittes Casino in Barangaroo verlangte die zuständige ILGA (Independent Liquor & Gaming Authority) einen Umbau des Managements. Nun ist der Geschäftsführer Ken Barton zurückgetreten. Außerdem haben mehrere Vorstandsmitglieder ihre Positionen niedergelegt. Kann sich der australische Glücksspielmarktführer um James Packer noch retten?

Das Crown Casino Melbourne in Victoria, Australien.

Im Fokus des Skandals steht das Crown Casino Melbourne, doch auch in Perth laufen Ermittlungen. ©12019/Pixabay

Konsequenzen waren absehbar

Erst vor zwei Wochen hatte die ILGA in ihrem Abschlussbericht ein hartes Urteil gegen Crown gefällt: Der Casinokonzern wurde als ungeeignet eingestuft, um eine weitere Lizenz für ein Casino in Barangaroo, Sydney, zu erhalten. Das Casino wurde bereits gebaut und kostete rund 2,4 Milliarden Dollar. Für das Unternehmen eine Katastrophe. Die Forderung der Behörde nach einer Umstrukturierung des Managements sorgt nun für weiteres Chaos.

Geschäftsführer Ken Barton hat die zu erwartenden Konsequenzen gezogen und ist als CEO zurückgetreten. Kurz zuvor hatte das Vorstandsmitglied Andrew Demetriou seinen Posten niedergelegt. Parallel zu Barton traten auch Guy Jalland und Michael Johnston ab – beides ebenfalls Vorstandsmitglieder, die außerdem für eine private Firma (Consolidated Press Holdings) des Eigentümers James Packer arbeiteten.

Die ehemalige Ministerin Helen Coonan (73) ist nun vom Chairman zum Executive Chairman aufgestiegen und wird vorübergehend die Leitung von Crown übernehmen. Coonan dankte Barton für sein jahrelanges Engagement. Barton, der vor etwa zehn Jahren zu Crown kam und zunächst als CFO tätig war, habe die Interessen des Unternehmens immer an erste Stelle gesetzt. Unterdessen sucht der Vorstand nach einem langfristigen Nachfolger.

Der scheidende CEO Barton, der im September 2020 erstmals massive Sicherheitslücken bei Crown eingestanden hatte, bedankte sich bei dem Konzern für die jahrelange Zusammenarbeit. Das Unternehmen sei nach dem Abschluss der Untersuchungen auf einem soliden Weg, um das verlorene Vertrauen wiederzuerlangen. Mit seinem Rücktritt könne er zu den gewünschten Veränderungen beitragen und den Übergang zu einer neuen Geschäftsführung maßgeblich erleichtern. Laut Arbeitsvertrag erhält Barton infolge des Rücktritts eine Vergütung von drei Millionen Dollar.

Was führte zu Bartons Rücktritt?

Die Vorwürfe gegen Crown Resorts sind schwerwiegend, es geht um Geldwäsche und unzureichende Sorgfalt bei der Auswahl der Geschäftspartner. So kam es unter anderem zu Kooperationen mit chinesischen Junket Operator-Agenturen, die in Kontakt mit Verbrechersyndikaten stehen. Die ILGA unterstellte Crown in ihrem Abschlussbericht einen ungerechtfertigten Glauben an sich selbst, unternehmerische Arroganz sowie einen Mangel an gründlichen Überprüfungen.

Junket Operators sind Agenturen, die superreiche Casinogäste anwerben und diese auf organisierten Glücksspielreisen betreuen. Zum Beispiel werden Auskünfte über hohe Gewinnchancen geliefert. Die Tätigkeit ist in Australien (noch) erlaubt, es dürfen aber keine Kunden aus Ländern in denen Glücksspiele verboten sind angeworben werden, wie zum Beispiel China. Crown hatte von Überprüfungen abgesehen, obwohl bereits 2014 Berichte über kriminelle Verbindungen aufgetaucht waren.

Geldwäsche und dubiose Aktiendeals

Inzwischen wurde nachgewiesen, dass die Gruppierungen die Casinos Melbourne und Perth infiltrierten und dort Geldwäsche betrieben haben. Dafür wurden nicht nur die High Roller-Räume der Casinos missbraucht, sondern auch mindestens zwei Bankkoten von Crown. Lange hatte Crown die Vorwürfe abgestritten, unter anderem bekundete der Compliance-Chef Joshua Preston von der Problematik nichts geahnt zu haben.

Ausgelöst wurde der Skandal im August 2019 durch investigative Berichte der australischen Zeitungen The Sydney Morning Herald, The Age und 60 Minutes. Seitdem spitze sich die Affäre immer mehr zu und zog weite Kreise: Sogar das australische Konsulat, zuständig für die Ausstellung von Visa, soll teilweise involviert gewesen sein. Die Zeitungen beriefen sich dabei auf hunderte E-Mails und Insiderinformatione

Ein weiterer Punkt, der ausschlaggebend für den Lizenzentzug in New South Wales (NSW) war, sind die dubiosen Aktiendeals zwischen Crown-Eigentümer und Multimilliardär James Packer und dem Melco-Chef Lawrence Ho (Hongkong). Dessen Vater, Stanley Ho, soll ebenfalls mit Verbrechersyndikaten kooperieren. Trotz eines ausdrücklichen Verbots mit Melco zu kooperieren, soll Packer Ho 20 Prozent seiner Aktien zu einem Preis von 1,8 Milliarden Dollar angeboten haben. Ein Teil der Transaktion wurde sogar abgeschlossen, womit eindeutig gegen die Lizenzvorschriften von NSW verstoßen wurde.

Ermittlungen gegen Casino Perth gestartet

Kurz nach dem vernichtenden Urteil der ILGA hat Westaustralien nun auch Ermittlungen gegen das Crown Casino in Perth eingeleitet. Bisher hatten sich die Untersuchungen vorwiegend auf Melbourne konzentriert. Auch in Perth steht nun die Casinolizenz auf dem Spiel. Überprüft werden sollen unter anderem die Finanzkontrollsysteme des Konzerns sowie die Eignung der zuständigen Mitarbeiter. Die Entwicklungen bleiben vorerst abzuwarten.

Die neue Geschäftsführerin Coonan steht indessen enorm unter Druck. Jüngst stellte sie klar, dass Crown fortan alle Anstrengungen unternehmen werde, um die Forderungen der ILGA in Bezug auf die Neuausrichtung zu erfüllen. Der Vorstand sei festentschlossen, bedeutende Schritte zur Verbesserung des Managements und der Führungskultur einzuleiten. Man werde die Behörden weiterhin mit aller Energie bei ihren Untersuchungen unterstützen.

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