Schwedischer Online Glücksspielmarkt wächst rasant

Die erste Quartalsübersicht des schwedischen Glücksspielmarktes zeigt, dass auch hier immer mehr Online Angebote wahrgenommen werden. Ein Wachstum um 13 Prozent zeichnete sich in den ersten 3 Monaten 2017 in der Internetsparte ab. Die schwedischen Offline Spielbanken berichteten hingegen über einen Rückgang des Umsatzes von 3 Prozent. Stimmen für das Ende des schwedischen Glücksspielmonopols werden immer lauter.

Am vergangenen Donnerstag wurden die offiziellen Statistiken von der schwedischen Glücksspielbehörde „Lotteriinspektionen“ bekannt gegeben. Auf dem schwedischen Markt konnte man bis zum 31. März 2017 einen Umsatz von 5,4 Milliarden Kronen verzeichnen (umgerechnet etwa 552 Millionen Euro). Dies entspricht einem Plus von 0,2 Prozent gegenüber der gleichen Periode aus dem Vorjahr. Besonders alarmierend sei vor allem der Umstand, dass 53 Prozent des Gesamtumsatzes des wachsenden Onlinemarktes bei international lizenzierten Anbietern verzeichnet werden.

Internetglücksspiel wird immer beliebter in Schweden

Das Logo der größten schwedischen Lotterie

Das Logo der größten schwedischen Lotterie “Svenska Spel”

Auffällig ist vor allem, dass international lizenzierte Unternehmen, die den schwedischen Glücksspielmarkt bedienen, ein Wachstum von 13 Prozent verzeichnen und so 1,25 Milliarden Kronen (etwa 128 Millionen Euro) umgesetzt haben. Die in Schweden regulierten Anbieter berichten aber zur selben Zeit über einen Rückgang des Absatzes um 3 Prozent auf 4,2 Milliarden Kronen (circa 430 Millionen Euro).

Die inländischen Marken, die bereits Online Spiele anbieten dürfen, berichten von einem ähnlichen Phänomen. So verzeichnete „Svenska Spel“ beispielsweise eine Steigerung um 6 Prozent beim Umsatz der Internetangebote auf 519 Millionen Kronen (etwa 53 Millionen Euro), während der Offline Absatz um 9 Prozent stagnierte. Beim Unternehmen ATG, das für Pferdewetten verantwortlich ist, machte man die gleichen Erfahrungen. Man hatte hier einen Umsatz von 954 Millionen Kronen (etwa 97 Millionen Euro), wobei der Online Markt um 10 Prozent auf 536 Millionen Kronen (circa 55 Millionen Euro) wuchs, während die Offline Angebote um 10% einbrachen auf 417 Millionen Kronen (ungefähr 42 Millionen Euro). Bei der größten schwedischen Lotterie zeigt sich ein ähnliches Bild: Die „Svenska Postkod Lotteriet“ verzeichnete einen Anstieg des Umsatzes von 3 Prozent auf 623 Millionen (circa 63 Millionen Euro). Besonders die Online Angebote stiegen in der Beliebtheit – 23 Prozent betrug das Wachstum – dennoch machen sie bisher mit 11 Millionen Kronen einen eher kleinen Anteil aus.

Was soll sich in Zukunft auf dem Glücksspielmarkt ändern?

Bisher gibt es in Schweden ein Glücksspielmonopol, was den Online Bereich angeht. Nur der Anbieter „Svenska Spel“ darf bisher, als ein in Schweden reguliertes Unternehmen, Internetglücksspiel anbieten. Ansonsten können Unternehmen mit gültiger EU-Lizenz ihren Service auch in Schweden offerieren, es handelt sich dabei um einen ähnlich grauen Markt wie in Deutschland. Bereits Ende März 2017 haben aus diesem Grund verschiedene Experten die Liberalisierung und Öffnung des Marktes gefordert. In dem Bericht der Expertengruppe wurde eine 18-prozentige Steuer auf die Bruttoeinnahmen der Anbieter vorgeschlagen. Damit würde man ein wenig mehr als die 15 Prozent des Systems der Vereinigten Staaten veranschlagen, verlangt aber weniger als Dänemark mit 20 Prozent. Im Bericht wird es wie folgt dargelegt:

Durch einen Steuersatz von 18 Prozent und eine Regulierung, die keinen übermäßigen Verwaltungsaufwand mit sich bringt, erwartet die Untersuchung eine Regulierungsquote von 90 Prozent auf dem wettbewerbsorientierten Markt.

Insgesamt wurde dieser Vorschlag sowohl von privaten Anbietern als auch der „Svenska Spel“ und der Pferdewettenindustrie positiv aufgenommen. Wenn man diesen Vorschlag in ein Gesetz umwandelt, könnte bereits im Januar 2019 der schwedische Markt reguliert werden. Zunächst muss es einen Gesetzentwurf geben, der der Europäischen Kommission vorgelegt wird. Wenn diese damit einverstanden ist, kann Ende 2017 im Parlament darüber abgestimmt werden. Mitte 2018 könnte das Gesetz dann in Kraft treten, wobei dann sicherlich einige Übergangsfristen zur Beantragung und Vergabe der Konzessionen bewilligt werden.

In Hinblick auf den deutschen Markt kann dieses Vorgehen ein Vorbild sein, da hierzulande aufgrund des staatlichen Glücksspielmonopols ähnliche Probleme entstanden sind in Bezug auf die Regulierung von Internetanbietern in diesem Bereich. In Schleswig-Holstein hatte man bereits zu den Landtagswahlen 2017 die Liberalisierung des Glücksspielmarktes als Thema erkannt. Durch positive Erfahrungen der Regulierung in anderen EU-Staaten kann sich vielleicht auch eine deutsche Regierung zu Reformen in diesem Bereich durchringen, nicht zuletzt würde es dem Staat ein Plus an Steuern einbringen und zudem die Spieler vor den Gefahren des Glücksspiels durch strenge Auflagen schützen.

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