Schweden plant neue Wettregeln

Schweden plant die Einführung neuer Wettregeln gegen Spielmanipulation. Hierfür hat die nationale Glücksspielbehörde (Spelinspektionen) einen Korpus mit spezifischen Richtlinien und Beschränkungen beim Handelsministerium vorgelegt. Sollten die Regeln genehmigt werden, müssten sie im nächsten Schritt von der EU-Kommission ratifiziert werden. Wie sehen die Maßnahmen im Detail aus?

Der schwedische Regierungssitz in Stockholm.

Seit Anfang 2019 steht der schwedische Glücksspielmarkt internationalen Betreibern offen. ©Qimono/Pixabay

Wetten auf vier Ligen beschränkt

Schwedens Glücksspielbehörde Spelinspektionen hat neue Regeln gegen Spielmanipulation beim nationalen Handelsministerium eingereicht. Nach einer Folgenabschätzung sollen die Vorschriften an die EU-Kommission zur Genehmigung übermittelt werden. Die neuen Regeln würden unter anderem Wetten auf die ersten vier Ligen des schwedischen Fußballs beschränken. Dasselbe gilt für Wetten auf den schwedischen Pokal, diese wären ebenfalls auf die Mannschaften der ersten vier Ligen begrenzt.

Die Regeln sollen auch auf internationaler Ebene gelten. Das Wetten auf Spiele, an denen ausländische Vereine beteiligt sind, wäre nur erlaubt, wenn die Mannschaften aus den ersten vier Liegen des jeweiligen Landes stammen. Zudem sollen die Buchmacher nur noch Wetten auf Länderspiele über der U21 annehmen dürfen. Weiterhin schlägt Spelinspektionen vor, Wetten auf Trainingsspiele oder Freundschaftsspiele vollständig zu verbieten.

Die Aufsichtsbehörde entschied sich zugleich dafür, Wetten auf internationale Freundschaftsspiele weiterhin zuzulassen. Wetten auf Zwischenfälle und Regelverstöße, zum Beispiel Gelben Karte oder Elfmeter, sollen jedoch untersagt werden. Dasselbe gilt für Wetten auf individuelle Leistungen von Personen unter 18 Jahren. Zusätzlich wird von allen lizenzierten Sportwettanbietern erwartet, dass sie einen Jahresbericht über potenzielle Spielmanipulationsaktivitäten vorlegen.

Untere Ligen stärker betroffen

Die Pläne, Wetten auf obere Ligen zu beschränken, gab die Aufsichtsbehörde im vergangenen Monat bekannt. Ähnlich der deutschen Glücksspielnovelle können die neuen Vorschriften jedoch erst nach einer Ratifizierung durch die EU-Kommission in Kraft treten, was voraussichtlich etwas mehr als drei Monate dauert. Spelinspektionen geht zurzeit davon aus, dass die Regeln frühestens Ende 2020 eingeführt werden.

Die Umsetzung der Vorschriften sei notwendig, da die unteren Ligen stärker von Manipulationen betroffen seien als die höheren Spielklassen. Die Behörde erklärte, dass die Beeinflussung von Sportereignissen eine der „größten Bedrohungen“ für den Sport und damit auch für das Wetten und die Wettanbieter ist. Ein Sprecher erklärte diesbezüglich im Rahmen einer Pressemitteilung:

“Das Wetten auf Spiele in den unteren Ligen ist, soweit man das beurteilen kann, mit großen Risiken verbunden Die Überwachung durch die Sportverbände und die Medien ist eher gering, die Athleten verdienen außerdem kein Geld und sind daher anfälliger.”

Schwarzmarkt könnte wachsen

Des Weiteren erklärte Spelinspektionen, dass die Gefahr bestünde, dass Athleten oder sogar ganze Verbände mit Manipulationen auf niedrigerem Niveau in Kontakt kommen. Das Problem würde dann mit jedem sportlichen Erfolg durch die Pyramide nach oben getragen. Laut Behörde könnten strengere Vorschriften, beispielsweise eine größere Beschränkung von Live-Wetten, dazu führen, dass die Buchmacher insgesamt weniger riskante Produkte anbieten.

Dies würde sogar dazu führen, dass bestimmte Betreiber den schwedischen Markt verlassen. Man sei sich aber auch über das Risiko bewusst, dass derartige Beschränkungen dafür sorgen könnten, dass mehr Spieler auf nichtlizenzierten Seiten spielen. „Der Markt für nichtlizenzierte Spiele ist nie weiter entfernt als ein Klick auf Ihrem Computer oder Telefon“, so die Behörde gegenüber dem Nachrichtendienst iGamingBusiness.

Gefahr durch nichtlizenzierte Firmen

Im Zuge der schwedischen Glücksspielreform wurde der Markt im Januar 2019 für internationale Online Glücksspielanbieter geöffnet. Alle Betreiber, die die strengen Sicherheits- und Spielerschutzauflagen erfüllen, erhalten eine Lizenz. Laut Spelinspektionen geht die Gefahr des Wettbetrugs daher vor allem von nichtlizenzierten Anbietern aus, da diese „weniger Grund“ haben, gegen illegale Beeinflussungen vorzugehen oder diese zu melden. Die Behörde erklärte diesbezüglich:

“Nach dem Glücksspielgesetz haben lizenzierte Glücksspielfirmen Anreize, vermutete Manipulationen zu melden und werden von den Branchenorganisationen dazu gedrängt, dies zu tun, während nichtlizenzierte Glücksspielfirmen weniger oder keinen Anreiz haben, bei der Polizei Anzeige zu erstatten oder anderweitig mit den schwedischen Behörden oder den entsprechenden Gremien zusammenzuarbeiten.”

Werden die Maßnahmen genehmigt?

Trotz der Risiken weiterer Beschränkungen, und obgleich die Maßnahmen Auswirkungen auf die lizenzierten Betreiber haben, geht Spelinspektionen davon aus, dass die Regelungen von der EU-Kommission genehmigt werden. Die Mehrzahl der Beschränkungen seien demnach „einmalige Maßnahmen“ und erfordern „minimale Aufwendungen“ bei der Umsetzung. Es gebe daher keine Bedenken, dass die „Maßnahmen gegen das EU-Recht verstießen“.

Spelinspektionen verwies in diesem Kontext darauf, dass die EU-Staaten ihre eigenen Regeln zur Regulierung des Glücksspiels aufstellen dürfen, vorausgesetzt, der Vertrag über die Allgemeine Geschäftsordnung der Europäischen Union wird eingehalten. Dieser betrifft die vier Eckpfeiler Warenverkehr, Kapitalverkehr, Personenverkehr und Dienstleistungserbringung unter Berücksichtigung sogenannter sekundärer Rechte.

Diese besagen, dass auch einzelstaatliche Entscheidungen, die diesen Freiheiten nicht Rechnung tragen, dennoch gerechtfertigt sein können, sofern sie in „nichtdiskriminierender Weise aus zwingenden Gründen des öffentlichen Interesses“ angewandt werden. Laut Spelinspektionen werden die vorgeschlagenen Regelungen nicht diskriminierend sein und dürfen daher zur Anwendung kommen. Die weiteren Entwicklungen bleiben vorerst abzuwarten.

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