Razzia in Österreich: 600 illegale Spielautomaten sichergestellt

Im Rahmen der „Operation Joker“ haben österreichische Polizeibeamte 600 nicht registrierte Spielautomaten in einer Halle in Niederösterreich sichergestellt. Die Staatsanwaltschaft geht von einem „Nachschublager für illegales Glücksspiel in Hinterzimmern“ aus. Zudem wurden 43 Hausdurchsuchungen vorgenommen, insgesamt kam es zu fünf Festnahmen. Was steckt hinter den Ereignissen?

Die Staatsanwaltschaft, Wien, Österreich.

Die Wiener Staatsanwaltschaft ermittelt bereits seit 2017 gegen die sogenannte „Wiener Gruppe“. © Youtube

Organisierte Spielautomaten-Mafia?

Laut Vizekanzler und Finanzminister Hartwig Löger (ÖVP) handelt es sich um den „größten Schlag gegen illegales Glücksspiel“ in der Geschichte Österreichs. An der sogenannten Operation Joker waren insgesamt 320 Beamte der Finanzverwaltung, der Polizei, des Bundeskriminalamtes und der Spezialeinheit Cobra beteiligt. Die Razzia wurde am Mittwochmorgen (22.3.) in mehreren Regionen Österreichs durchgeführt, unter anderem in Wien, Salzburg, Niederösterreich, dem Burgenland und der Steiermark.

Das Ergebnis der umfassenden Großrazzia: 600 beschlagnahmte Spielautomaten, außerdem: Gold, Silberbarren und Bargeld aus insgesamt 43 Wohnungen im Gesamtwert von 382.000 €. Zudem erhielten die Beamte Zugriff auf über 30 Bankkonten in Österreich und 13 weitere im Nachbarland Ungarn. Die Daten werden zurzeit noch ausgewertet, doch schon jetzt kam es zu fünf Festnahmen. Einer der Hauptverdächtigen wurde in Ungarn verhaftet, so die Behörden im Rahmen einer Pressemitteilung.

Unter den festgenommenen Personen befindet sich auch der „Kopf“ einer kriminellen Gruppierung, die von den Behörden „Wiener Gruppe“ genannt und als „mafiöse Organisation“ eingestuft wird. Bei dem Automatenbunker handelt es sich laut Aussagen der Wiener Staatsanwaltschaft um ein „Nachschublager für illegales Glücksspiel in Hinterzimmern“. In der Vergangenheit seien konfiszierte Automaten zumeist innerhalb von nur 24 Stunden ersetzt worden. Obendrein habe die Gruppierung inzwischen mindestens 1,6 Mio. € an Glücksspieleinnahmen unterschlagen. Der Leiter des österreichischen Büros zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität im Bundeskriminalamt, Dieter Csefan, zieht mit Blick auf die Strukturen sogar einen Vergleich zum wohl bekanntesten Ganoven aller Zeiten:

“Die Tätergruppierung weist zweifelsfrei alle Merkmale von organisierter Kriminalität auf und erinnert an die Machenschaften von Al Capone in den 1920er Jahren. Nur durch die ausgezeichnete Zusammenarbeit der Justiz, dem Finanzministerium und dem Innenministerium konnte dieser großartige Erfolg erzielt werden.”

Österreich im Kampf gegen Windmühlen

Dass sich Österreich schon seit einigen Jahren im Kampf gegen eine illegale „Automaten-Mafia“ befindet, ist kein Geheimnis. Die Freude der Behörden über den Erfolg der Operation ist daher nur verständlich. Die Probleme in dem Sektor sind dabei vorwiegend auf die strengen Glücksspielregelungen des Landes zurückzuführen, bereits seit 2012 unterhält Österreich ein Staatsmonopol. Ausnahmeregelungen existieren nur für den Marktgiganten Novomatic und seine Sportwett-Tochter Admiral.

Aufgrund der strengen Vorschriften und eines 2014 erlassenen Verbots des sogenannten „kleinen Glücksspiels“ für nicht staatlich lizenzierte Anbieter, ist in Österreich binnen letzter Jahre ein millionenschwerer Schwarzmarkt für Spielautomaten in Kneipen, Gaststätten und Spielhallen entstanden. Erst Anfang des Monats sind in dem Kontext 12 illegal betrieben Automaten in einem Salzburger Lokal beschlagnahmt worden. Allein 2018 beschlagnahmte die Polizei des Landes 860 Spielautomaten. Im Rekordjahr 2017 waren es sogar 2.800 Geräte, bei 3.000 Kontrollen. Geldstrafen in Höhe von insgesamt 53 Mio. € wurden verhängt.

Bei allen Ambitionen scheinen sich die Behörden hier dennoch in einem Kampf gegen Windmühlen zu befinden: Die Gruppierungen gehen geschickt vor und tun alles, um es den Ermittlern so schwer wie möglich zu machen. Die Spielautomaten werden inzwischen oft einbetoniert, letztes Jahr kam es sogar zu Berichten über gestellte Fallen: Demnach wurden Spielautomaten mit Reizgas präpariert, die Türen zu den besagten „Hinterzimmern“ standen unter Strom. Trotz aller Aufwendungen der Polizei, die Geräte dennoch zu entfernen, werden konfiszierte Spielautomaten teils über Nacht von den Gruppierungen ersetzt.

Die Strafverfolgung der Hintermänner gestaltet darüber hinaus schwierig, denn die entsprechenden Lokalitäten werden oftmals an ausländische Scheinfirmen untervermietet. Diese stecken letztlich auch hinter der Ausstattung mit Spielautomaten. Die Gewinne aus den Automaten werden gesammelt und ebenfalls über die Konten von Scheinfirmen aus dem österreichischen Umland gewaschen. Aufgrund des hohen Arbeitsaufwands hat die Regierung Österreichs im Juni 2018 bereits eine Sonderkommission, bestehend aus verschiedenen Behördenvertretern mit den Ermittlungen beauftragt.

Comeback des „kleinen Glücksspiels?

Um der Situation Herr zu werden – und um dem Schwarzmarkt die Grundlage zu entziehen – fordern österreichische Branchenvertreter inzwischen ein offizielles Comeback des „kleinen Glücksspiels“ in Kneipen und Gaststätten. Die Vorsitzende der Fachgruppe Freizeit- und Sportbetriebe in der Wiener Wirtschaftskammer, Gerti Schmidt, kämpft an dieser Stelle für die Einführung einer Gesetzesnovelle unter dem Stichwort „Bagatellausspielungen“. Das Modell sieht vor, Spielautomaten unter strengen Auflagen wieder zu erlauben. Mit Blick auf die momentane Marktsituation lautet Schmidts knappes, aber deutliches Statement:

“Das Aus der Automaten hat nur ein Abdriften in die Illegalität gebracht.”

Darüber hinaus verweist Schmidt auf die Gewährleistung eines besseren Spielerschutzes, was mit der Legalisierung von der Automaten einhergehen würde. Man habe sich in der Vergangenheit zu wenig auf die modernen technischen Möglichkeiten eingestellt. Daher seien Spielabläufe oft mit weit höheren Einsätzen und Verlustmöglichkeiten angeboten worden als erlaubt. Dies soll durch ein Comeback des Automaten-Glücksspiels zukünftig unterbunden werden. Ein Kommentar vonseiten der Politik zu den Forderungen steht bislang noch aus. Die Entwicklungen bleiben somit vorerst abzuwarten.

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