PokerStars: Erneute Änderungen am Loyalitätsprogramm

Der Marktführer unter den Pokerräumen hat erste Details zur geplanten Überarbeitung seines Belohnungssystems bekannt gegeben. Unter dem Leitmotiv der Gamification sollen die monatlichen Spielziele durch kurzfristigere ersetzt werden. Vor allem für Vielspieler und Profis könnten die Änderungen drastische Auswirkungen haben.

Bereits im September 2016 hatte PokerStars anstehende Änderungen am VIP-Programm angekündigt. Das System dient der Förderung der Langzeitmotivation der Spieler und hat je nach Ausrichtung auch Einfluss auf die verwendeten Strategien. In einem Blogeintrag schildert Severin Rasset, Director of Poker Innovation bei PokerStars, nun die konkreteren Pläne des Unternehmens.

Man befinde sich zwar noch in der Vorbereitungsphase, sodass noch nicht sämtliche Details preisgegeben würden. Doch die bereits beschlossenen Änderungen dürften vor allem bei Vielspielern und Profis für Kopfschütteln sorgen. So soll das bestehende Rakeback-System komplett eingestellt werden. Dieses erlaubt Spielern bisher einen Anteil von bis zu 35% der gezahlten Abgaben an PokerStars (Rake) am Ende jeden Monats zurückzubekommen.

Berufsspieler werden am härtesten getroffen

Vor allem für „Grinder“, also Spieler, die täglich viele Stunden an mehreren Tischen gleichzeitig pokern, kann der Rakeback-Betrag einen erheblichen Teil ihres Einkommens ausmachen. PokerStars selbst spricht von bis 85% weniger Rakeback für einige ihrer Spieler. Diese seien bereits via E-Mail über die bevorstehenden Änderungen informiert worden.

Grund für die Reformierung des Loyalitätsprogrammes ist laut PokerStars ein stärkerer Fokus auf kurzfristige, zufällige Belohnungen während des Spiels. Von den bisherigen monatlich zu erspielenden VIP-Levels mit jeweils steigendem Rakeback möchte man Abstand nehmen. Durch diese „Gamification“ geht man vor allem auf Freizeitspieler zu, deren Spielerlebnis durch häufigere, kleine Belohnungen verbessert werden soll. Bereits vor einem Jahr hatte der Pokerraum, unter den neuen Eigentümern Amaya, Reduzierungen am Rakeback vorgenommen. Laut PokerStars habe sich das Spiel dadurch verbessert – neue Spieler würden regelmäßiger und länger spielen. Auch inhaltlich sei das Spiel interessanter geworden, da die Pokerspieler verstärkt versuchen, einzelne Hände zu gewinnen anstatt möglichst viele Hände zu spielen und so höhere Rakebackstufen zu erreichen.

Weiterhin wird eine Vereinheitlichung des Programms zwischen den bei PokerStars verfügbaren Glücksspielen vorgenommen. Die bislang nur im Poker erhältlichen StarsCoins werden unter dem neuen System auch für die Nutzung der Casino- und Sportwettensparte verteilt. Dies dürfte dem Zweck dienen, mehr Querverkäufe an die Kunden zu ermöglichen. Denn aus dem letzten Geschäftsbericht von Amaya gehen vor allem diese Sparten als Wachstumsbranchen des Unternehmens hervor.

Vielspieler könnten sich abwenden

Die Online Pokergemeinde dürfte diesen Änderungen gegenüber wenig aufgeschlossen sein. Seitdem Amaya PokerStars 2015 übernommen hat, werfen viele Spieler dem kanadischen Unternehmen einen zu starken Fokus auf Gewinnmaximierung vor. So würde es den wenigen professionellen Spielern zunehmend erschwert, profitabel zu spielen. Schon bei weniger drastischen Änderungen hatte es daher Spielerstreiks und Boykottaufrufe gegeben. Doch die Community steht vor dem Problem, dass PokerStars praktisch eine Monopolstellung erreicht hat und ein Wechsel zu einer anderen Plattform daher kaum in Frage kommt.

Dennoch könnten die Änderungen PokerStars teuer zu stehen kommen, falls sich die Pokerprofis vollständig vom Onlinespiel verabschieden würden. Denn gerade die Vielspieler sind wichtige Markenbotschafter für den Pokerraum. Sie produzieren Videos und LiveStreams, in denen sie ihre Vorgehensweise erläutern und Neulingen das Spiel näherbringen. Damit dienen sie als günstiges Marketinginstrument für PokerStars – allerdings nur solange, wie sie durch ihr Pokergeschick Gewinn machen können. Wenn man die Wellen, die vorangegangene Änderungen bei PokerStars geschlagen haben, als Maßstab nimmt, könnte der Bogen diesmal überspannt worden sein.

Das neue Loyalitätsprogramm soll zunächst im Mai in Dänemark gestartet und im Sommer auf sämtliche Märkte erweitert werden.

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