Paul Gauselmann tritt als VDAI-Vorstandschef zurück

Nach über 38 Jahren im Amt ist der Gründer der Gauselmann-Gruppe und Merkur-Inhaber Paul Gauselmann (84) als Vorstandschef des VDAI (Verband der Deutschen Automatenindustrie) zurückgetreten. Die Entscheidung fiel auf der diesjährigen Mitgliederversammlung der VDAI in Berlin. In Zukunft übernimmt ein dreiköpfiges Führungsteam seine Aufgaben. Hier ein Überblick zu den Entwicklungen.

Ein Pressefoto des Merkur-Inhabers Paul Gauselmann.

Der „Spielemacher“ Paul Gauselmann zieht sich nach über 38 Jahren aus dem Vorstand der VDAI zurück. (©PressePortal)

Gauselmann verzichtet auf Wiederwahl

Bereits seit 1981 stand der Unternehmer und Glücksspielmilliardär Paul Gauselmann an der Spitze der VDAI, als Vorstandschef wurde der Merkur-Gründer noch im letzte Jahr ohne Gegenstimmen wiedergewählt. Auf der diesjährigen Mitgliederversammlung verkündete der „Automatenkönig“ jedoch überraschend seinen Rücktritt und stellte sich für eine Wiederwahl nicht mehr zur Verfügung. Nach über 38 Jahren übernimmt nun ein dreiköpfiger Führungsstab, bestehend aus Daniel Henzgen (Löwen Entertainment), Lars Rogge (Bally Wulff) und Manfred Stoffers (Manger der Espelkamper Gauselmann AG), die Aufgaben des ehemaligen Vorsitzenden.

Der Rücktritt Paul Gauselmanns wurde durch eine Satzungsänderung ermöglicht. Die weiteren Vorstandmitglieder des größten deutschen Interessenverbands für Automatenglücksspiel, Uwe Christiansen (Löwen Entertainment), Christian Trenner (wh-Münzprüfer) und Schatzmeister Theo Kiesewetter (Kiesewetter Import GmbH) kommentierten indessen den Verzicht des scheidenden Branchensprechers und bekundeten Respekt und Wertschätzung gegenüber Gauselmanns Engagement. Im Wortlaut hieß es:

“Paul Gauselmann ist immer für eine Überraschung gut – dafür allerhöchsten Respekt. Unter seiner Branchenführung haben sich deren Umsätze verzwanzigfacht. Wir sind zu größtem Dank verpflichtet.”

Zum Verständnis: Der Verband der Deutschen Automatenindustrie gilt als größte Dachgesellschaft für Importeure und Hersteller von Glücksspielautomaten. Die Aufgaben des Verbands bestehen laut eigenen Aussagen darin, die sowohl technischen als auch wirtschaftlichen Entwicklungen des Geldspielautomatenwesens in Deutschland voranzutreiben. Dabei sollen sämtliche Interessen aller Mitglieder wahrgenommen werden. Der Verband kann darüber hinaus als Bindeglied und Vermittler zwischen Industrie und politischen Institutionen bezeichnet werden. Inzwischen unterstehen den VDAI-registrierten Unternehmen über 70.000 Arbeitsplätze.

An der positiven Branchenentwicklung hatte der bereits 84-jährige Paul Gauselmann erheblichen Anteil. VDAI-Vorstandsmitglied Manfred Stoffers (Gauselmann AG) betonte an dieser Stelle, dass sein ambitionierter Geschäftsführer bereits 1957 den „Grundstein für den heute größten Anbieter gewerblicher Spiele“ gelegte hat. Gauselmann betreibe demnach schon seit 53 Jahren „Verbandsarbeit mit Leib und Seele“. Ohne Paul Gauselmanns Arrangement sei eine Verbandsspitze in dieser Art „nicht vorstellbar“ gewesen. Zukünftig wolle man nun als „Troika“ (Drei-Pferde-Gespann) den „Karren aus dem Dreck ziehen“ und „gut zusammenarbeiten“. Der Verband befindet sich auf Grund immer strengerer Regulierungen seit Jahren im Clinch mit den deutschen Gesetzgebern.

Ernennung zum Ehrenpräsidenten

In diesem Sinne meldete sich auch der scheidende VDAI-Vorstandschef persönlich zu Wort und äußerte sich zu seinen Beweggründen. Über Monate hinweg habe er demnach beobachtet, dass die drei frisch involvierten Vorsitzenden, Henzgen, Rogge und Stoffers, in puncto Verbandsarbeit sehr gut miteinander arbeiten können, dies sei eine Grundlage für den langfristigen gemeinsamen Erfolg. Fortführend bescheinigte Gauselmann der neuen Vorstandsriege sein vollstes Vertrauen und unterstrich in diesem Kontext:

“Wichtig dabei ist, dass sie sich persönlich gut verstehen – das ist Voraussetzung für erfolgreiche Arbeit.”

Dass der Ausschied Paul Gauselmanns trotz aller Ambitionen einen tiefen Einschnitt für den VDAI bedeutet, steht außer Frage. Laut Stoffers sei sein Rückzug zwar absehbar, jedoch für alle Beteiligten eigentlich unvorstellbar gewesen. Ferner verwies Stoffers darauf, dass Gauselmann dem VDAI nicht völlig abtrünnig werden wird – da Gauselmann sich auch weiterhin für den VDAI engagieren wolle, führte die neuernannte Vorstandsriege an dieser Stelle gleich einen neuen Titel ein und ernannte Paul Gauselmann zum Ehrenpräsidenten des Vorstands. Ob es der besagten Troika auf diesem Wege gelingen wird, aus dem gigantischen Schatten des ehemaligen Vorsitzenden herauszutreten, bleibt abzuwarten.

Erfolgsgeschichte Paul Gauselmann

Paul Gauselmann wurde 1934 in Borghorst, Nordrhein-Westfalen, geboren. Als gelernter Fernmelderevisor, begann er ab 1957 damit selbstgebaute Musikautomaten aufzustellen, 1974 eröffnete er die erster Merkur-Spielothek in Delmenhorst, ab 1977 produzierte er selbstständig verschiedene Geldspielautomaten. Sein Unternehmen wuchs seitdem kontinuierlich. Paul Gauselmann avancierte zum deutschen Pionier für moderne Spielhallen. Das Logo seiner Firma, die lachende Merkur-Sonne, wurde deutschlandweit bekannt. Inzwischen arbeiten für die Espelkamper Gauselmann-Gruppe über 13.300 Arbeitnehmer, das Unternehmen erwirtschaftete 2018 einen Gesamtumsatz von sagenhaften 3,6 Mrd. Euro.

Darüber hinaus gilt Paul Gauselmann als sozial engagiert und Top-Arbeitgeber am deutschen Markt. Auf Gauselmanns Zuruf etablierte die Industrie- und Handelskammer (IHK) im Jahr 2008 sogar einen neuen Ausbildungsberuf zum offiziellen Automatenfachmann/-fachfrau. Nach einer erfolgreich absolvierten Ausbildung werden in der Regel sämtliche Azubis von Gauselmann übernommen. Zudem setzt sich Unternehmen für die Karrierechancen von Frauen ein. Für sein soziales Engagement wurde die Gauselmann-AG unter anderem mehrfach von dem Magazin Focus Money ausgezeichnet.

Als sei dies nicht genug, ist Paul Gauselmann obendrein als offizieller Sportförderer der NRW-Landeshauptstadt Düsseldorf aktiv. Zuletzt sorgte in diesem Kontext die Umbenennung der Esprit-Arena in Merkur Spiel-Arena für Schlagzeilen. Der gewohnt offensive Schachzug sorgte natürlich auch für Kritik, die weiteren Entwicklungen sind an dieser Stelle ebenfalls abzuwarten.

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