Paddy Power Betfair ohne Power?

Nach einer Reihe komplizierter Umstrukturierungen zeigte sich PPB vergangenen April erst wieder optimistisch, doch an der Londoner Börse zeichnet sich aktuell der gravierendste Aktieneinsturz des irischen Buchmachers seit Jahren ab – eine unmittelbare Folge der PPB-Q1-Ergebnispräsentation. Was steckt hinter der Regression?

Das Foto eines Handydisplays auf dem Paddy Power Betfair-Apps aktiviert sind.

Die betfair Homepage. (Bildquelle)

Nicht nur an der London Stock Exchange (LSE), auch auf dem britischen Markt und darüber hinaus macht sich derzeit Pessimismus gegenüber dem Wettanbieter aus Dublin breit. Durch den rapiden Einbruch seiner Aktien (02.05) büßte PPB zuletzt über 7% seines Marktwerts ein. Der Preis pro Aktie fiel umgerechnet auf etwa 77.50 Euro, was den geringsten Score seit der Fusion zwischen Paddy Power und Betfair im Jahr 2016 markiert – trotz fünf neuer öffneter Filialen in Großbritannien und Irland binnen der letzten drei Monate.

Zum Vergleich: Kurz nach der Verschmelzung beider Unternehmen wurde die PPB-Aktie für rund 140 Euro gehandelt, gemessen an diesem Höchststand liegt indessen ein Minus von über 40% vor. Die Entwicklung wird offiziell mit „erhöhten Steuerausgaben bei gedämpfter Leistung“ begründet. Als direkter Katalysator für diese indexikalische Talfahrt wirkt das unmittelbar zuvor veröffentlichte Q1-Geschäftsergebnis des Unternehmens.

PPBs Online-Umsätze sind im ersten Quartal 2018 demnach auf 219 Mio. Pfund gesunken, ein Abfall von 2% gegenüber dem Vorjahr. Der Gesamtumsatz hat sich ebenfalls um 2%, auf 408 Mio. Pfund vermindert. Das EBITDA – eine betriebswirtschaftliche Kennziffer zum Bruttogewinn – ist derweil um 6%, auf 102 Mio. Pfund gefallen, während das operative Q1-Geschäftsergebnis summa summarum einen Verlust von 12% gegenüber dem Vorjahr aufweist. Darüber hinaus haben sich allein die Gaming-Einnahmen der Paddy Power-Marke um auffallende 4% reduziert.

Ursachen-Index

Das Foto eines Börsen-Flipcharts über die derzeitige Entwicklung von Paddy Power Betfair.

Der Aktienkurs war seit Jahren nicht mehr so im Keller: £ 68,65 das Stück.

Der vermeintliche aktuelle Niedergang des Wettriesen wird durch eine Reihe an „Einmaleffekten“ beeinflusst, die in der Abstraktion eines Aktienindexes kaum Ausdruck finden können.

Noch zum Jahresabschluss 2017 konnte PPB ein rekordverdächtiges Wachstum von über 18% verbuchen, daher mag „die Umsatzentwicklung im ersten Quartal überraschen, aber sie muss im Zusammenhang mit einer Reihe einmaliger Faktoren gesehen werden“, wie Irlands Traditions-Börsenmakler Goodbody Stockbrokers angesichts der letztmonatigen Entwicklungen betont. Hier zeichnet sich ein dubioses PPB-Baustellen-Mosaik ab:

So kam es von November bis Februar vermehrt zur Annullierung von Pferdewetten, die Rennen wurden aufgrund der Wetterlage abgesagt – Pferderennen generieren bei PPB aber 45-50% des Umsatzes. Zudem musste seit Jahresbeginn sowohl ein neuer CEO als auch CFO ernannt werden, infolge überraschender a href=” http://www.onlinecasinosdeutschland.com/news/paddy-power-betfair-gibt-neuen-cfo-bekannt.html” target=”_blank”>Rücktrittsverkündungen beider Führungskräfte.

Risikofaktoren sehen viele Anleger unterdessen in den Expansionsplänen der Geschäftsführung: Die australische 15%-Glücksspielsteuer sehen viele Investoren als potenzielles Verlustrisiko an. Ebenso werden die Investitionen auf dem US-Markt, wo Sportwetten bislang in nur vier Staaten legal sind, als fraglich eingestuft.

Zuletzt wirkte sich die 2 Pfund-pro-Spin-Limitierung der umstrittenen FOBT-Automaten (fixed-odds-betting-terminals) höchst geschäftsschädigend aus. Die Virtual-Roulette-Slots wurden bis heute in über 600 Filialen installiert – bislang lag der Maximaleinsatz hier bei 100 Pfund.

Going the distance

Ein Pressefoto des Paddy Power Betfair-CEOs Peter Jackson

Erst seit Januar im Amt: Paddy Power Betfair-CEO Peter Jackson ist muss den Kopf wortwörtlich über Wasser halten. (Bildquelle)

Trotz der enttäuschenden Q1-Ergebnisse hat PPB weiterhin Aktienrückkäufe für die nächsten 12 bis 18 Monate angekündigt, womit in Gänze 500 Mio. Pfund an die Anleger zurückgeführt werden soll. Darüber hinaus wird von PPB-CEO Peter Jackson gefordert, sich auf langfristige Ziele zu fokussieren:

“Obwohl unsere Performance im ersten Quartal enttäuschend ausfiel, haben wir in den wichtigsten, unserer im März festgelegten strategischen Prioritäten, gute Fortschritte erzielt”, gibt sich der seit Januar amtierende Geschäftsführer kämpferisch. Allen Kennzahlen zum Trotz, sieht Jackson „Anzeichen für Erfolg.“ Für das Gesamtjahr prognostiziert er daher ein Ergebnis „zwischen leichtem Rückgang und fünf Prozent Wachstum“.

Jackson bezieht sich hierzu auf die im März verkündeten Pläne, die Marketingausgaben 2018 um insgesamt 20 Mio. Pfund zu erhöhen, wobei allein 10 Mio. Pfund in den Australien-Etat fließen sollen, wo PPB durch seine Marke Sportsbet aktiv ist. Zudem werde aktuell an einer neuen Technologieplattform gearbeitet, die zu einer „bedeutenden Verbesserung für das Produkt Paddy Power“ führe, wie es heißt.

Angesichts der momentanen Entwicklung an der LSE, weist die PPB-Führung darauf hin, dass eine Investitionsoffensive zwar willkommen sei, aber dennoch zu kurzfristigen Gewinneinbußen führen kann.

Optimistische Rückendeckung erhält der Wettanbieter dabei von Irlands größtem Börsenmakler Davy Stockbrokers, der im Kontext der dramatischen Konjunktur seine Einschätzung veröffentlichte: „Die Rückkehr zu einem zweistelligen Wachstumsbereich wird Zeit brauchen, aber das nächste Quartal sollte sich verbessern“, so die Davy-Analysten, die dazu auch die kommende Fußball-WM, als Gelegenheit für Kundenkontakt und Produktinnovation pointieren.

PPB zählt nach wie vor zu den größten britischen Glücksspielanbietern und steht nach dem Aktieneinbruch europaweit im Fokus. Im jährlichen „Power 50“-Ranking des Branchenmagazins eGaming Review (EGR) wurde PPB in den Jahren 2016 und 2017 jeweils auf Platz 2 der mächtigsten Online-Glücksspielbetreiber des Landes gelistet. Inwiefern sich der gegenwärtige Pessimismus gegenüber der Marke rechtfertigt, bleibt abzuwarten.

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