Österreichs Automatenmafia: Bewaffneter Kampf

Die Kontrolleure der Finanzpolizei sehen sich zunehmend mit Gewalt konfrontiert. Unter anderem ist die Rede von Türen unter Strom und Reizgas.

Feuerwehrleute entfernen einbetonierte Automaten

Mit einbetonierten Automaten ging es los. Mittlerweile werden die Geräte sogar mit Fallen ausgestattet. (Quelle: BMF/Finanzpolizei)

Erstmals verschärfte Österreich seine Glücksspielgesetze im Jahr 2012. Lizenzen wurden lediglich noch an den in Österreich ansässigen Branchenriesen Novomatic sowie an dessen Tochterfirmen, zum Beispiel Admiral Sportwetten, vergeben. So wollte man unter dem Schlagwort Spielerschutz mehr Kontrolle über den Glücksspielsektor gewinnen, doch im Hinblick auf illegale in Glücksspielautomaten, zum Beispiel in Kneipen und Tankstellen, ist hier in den letzten Jahren ein lukrativer Schwarzmarkt entstanden.

Die Situation wirkt grenzwertig: Die Rede ist von einer Automatenmafia – organisierten Banden, die binnen Stunden, konfiszierte Automaten ersetzten. Um der Finanzpolizei hier ein noch härteres Durchgreifen zu ermöglichen, wurden die Gesetzte seit Beginn 2017 weiter verschärft. Die Kriminellen zeigen sich jedoch dazu bereit, diesen Weg mitzugehen und machen ernst. Nachdem bereits von einbetonierten Automaten, um den Beamten den Abtransport zu erschweren, berichtet wurde, sind die neusten Meldungen weitaus drastischer.

Wie die österreichische Kronen-Zeitung und das Newsportal Heute vermeldet, sehen sich die Kontrolleure der Finanzpolizei immer öfter mit tätlichen Angriffen konfrontiert, wobei perfide Methoden Anwendung finden. Berichtet wird von präparierten Geräten, welche bei Öffnung Reizgas verströmen. Außerdem seien bestimmte illegale Lokalitäten durch massive Spezialtüren, zum Beispiel durch Magnetplatten, gesichert. Manchmal kann daher ein Zugriff nur mit Hilfe der regulären Polizei oder der eines Schlossers erfolgen. Manche Türen würden zudem unter Strom gesetzt, sobald sich die Beamten nähern. Auch habe man erst kürzlich bei einer Razzia gar eine Nebelgranate sicherstellen können, heißt es. Um die Gesetzeshüter rechtzeitig und langfristig identifizieren zu können, nutzt die Glücksspielmafia ein großflächiges Videoüberwachungssystem.

Politik wie Polizei geben sich jedoch ebenso optimistisch wie kämpferisch:

Der massive Widerstand der illegalen Glücksspiel-Betreiber wird uns nicht abhalten, unsere gemeinsame Arbeit entschlossen fortzusetzen.Wilfried Lehner, Leiter der Finanzpolizei

Die Zusammenarbeit zwischen Finanz- und regulärer Polizei soll weiter ausgebaut werden. In der Kronen-Zeitung betonte der Finanzminister Hartwig Löger: „Die Beamten leisten trotz widrigster Umstände einen unverzichtbaren Dienst an der Gesellschaft, insbesondere im Hinblick auf den Spielerschutz.“

Wie sich die Situation entwickelt, ob noch schwereres Geschütz aufgefahren wird, bleibt abzuwarten. Unter dem Strich lässt sich Österreichs Kampf gegen die Glücksspielmafia jedoch, trotz aller Schikanen, als ein Erfolg verbuchen: Bei 3000 Kontrollen, wurden im Vorjahr über 2800 Automaten beschlagnahmt, insgesamt wurden Geldstrafen von knapp 53 Millionen Euro verhängt.

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