Online Glücksspiel-Boom in Spanien

Der spanische Online Glücksspielmarkt boomt wie selten zuvor. Für das zweite Quartal 2020 präsentierte die Glücksspielbehörde DGOJ (Dirección General del Ordenación del Juego) in der letzten Woche ein Umsatzwachstum von 17,7 Prozent im Vorjahresvergleich. Gleichzeitig plant das Land seine Glücksspielgesetze immer weiter zu verschärfen. Dies sorgte zuletzt für erhöhte Kritik an den staatlichen Anbietern. Mit welchen Entwicklungen ist zu rechnen?

Spanische und europäische Flaggen an einem Gebäude.

Bevorzugt die spanische Gesetzgebung die staatlichen Betreiber ONCE und SELAE? ©NickBondarev/Pexels

Zugpferde: Online Casino und Poker

Parallel zur Reform des spanischen Glücksspielmarktes, die mit etlichen neuen Regularien einhergeht, verzeichnet das Land einen Boom im Onlinesektor. Obwohl die Umsätze des zweiten Quartals 2020 im Vergleich zum ersten Quartal um knapp 4,2 Prozent rückläufig sind, ist ein Umsatzwachstum von satten 17,7 Prozent im Vergleich zum zweiten Quartal 2019 festzustellen.

Laut Berichten der DGOJ konnten Wachstumsschübe in den Bereichen Online Casino und Online Poker einen Einbruch bei Sportwetten ausgleichen. Die Buchmacher litten vor allem unter der Corona-Krise, welche zeitweise zur weltweiten Aussetzung aller Sportveranstaltungen führte. Die Wetteinnahmen beliefen sich daher auf lediglich 68,1 Mio. Euro, was einem Rückgang von 20,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr und 38,4 Prozent gegenüber dem ersten Quartal entspricht.

Die Spieleinsätze bei herkömmlichen Sportwetten fielen um ganze 49 Prozent auf 288,9 Mio. Euro, während Live-Wetten um 39,6 Prozent auf 698,6 Mio. Euro abflachten. Über alle Wettprodukte hinweg ist zudem ein Rückgang der Einsätze um 40,4 Prozent auf 1,05 Mrd. Euro zu verbuchen. Der Sektor erholt sich zurzeit nur langsam, parallel drohen schärfere Restriktionen für Wettwerbung.

Die Leistung der Online Casinos legte im zweiten Quartal erheblich zu. Die Einnahmen wuchsen im Vorjahresvergleich um 36,5 Prozent und kletterten auf 93,5 Mio. Euro. Die Kundeneinsätze stiegen um 25,3 Prozent auf 2,86 Mrd. Euro. DGOJ vermutet, dass viele Kunden ihr Spielverhalten während der Corona-Krise geändert haben. Diese Entwicklung bestätigt sich auch beim Online Poker. Mit einem Anstieg von 97,4 Prozent auf 38,2 Mio. Euro konnten die Einnahmen hier fast verdoppelt werden.

Welche Spielarten waren beliebt?

Die starke Leistung der Online Casinos ist vorrangig auf zwei Sparten zurückzuführen: Erstens auf die Spielautomaten, wobei diese Umsätze in Höhe von 51,9 Mio. Euro generierten – 30,4 Prozent mehr als im Vorjahr und 19,9 Prozent mehr im Quartalsvergleich. Einen weiteren beachtlichen Wachstumsschub verzeichnete die Sektion Live-Roulette. Hier nahmen die Umsätze im Vergleich zum Vorjahr um 75,7 Prozent zu und kletterten auf 27,0 Mio. Euro.

Trotz der Zuwachsraten ist die durchschnittliche monatliche Zahl aktiver Kunden im Quartalsverlauf rückläufig. Dasselbe gilt für die Eröffnung neuer Spielerkonten. Die durchschnittliche Zahl der aktiven Spieler im zweiten Quartal belief sich auf 642.938, was einen Rückgang von 25,4 Prozent gegenüber 2019 markiert. Die monatlichen Neuregistrierungen beliefen sich im zweiten Quartal auf durchschnittlich 137.930, ein Rückgang von 41,0 Prozent.

Die in Spanien lizenzierten Online Glücksspielanbieter verbuchten im zweiten Quartal außerdem erheblich geringere Marketingausgaben. Die Gesamtausgaben für alle Kanäle und Formate beliefen sich auf lediglich 40,6 Mio. Euro – 50,6 Prozent weniger als im Vorjahr und 65,7 Prozent weniger als im ersten Quartal. Der Rückgang ist vor allem auf eine Reihe strenger Werberegeln zurückzuführen, die unter anderem die Ausstrahlung im Fernsehen und Radio auf 01:00 bis 05:00 Uhr morgens beschränken.

Verbot von Sponsoring in Planung

Die Bonuszahlungen gingen im zweiten Quartal ebenfalls stark zurück, da diese von Ende März bis Anfang Juni gemäß den verschärften Werbevorschriften verboten waren. Insgesamt haben die Betreiber 12,5 Mio. Euro an Boni ausgezahlt, was einem Rückgang von 57,3 Prozent im Vorjahresvergleich entspricht. Die Ausgaben für Affiliate-Marketing gingen im Laufe des Quartals ebenfalls um 23,4 Prozent auf 6,7 Mio. Euro zurück.

Das einzige Segment, in dem die Ausgaben im Jahresvergleich zunahmen, war das Sponsoring. Hierfür zahlten die Anbieter im zweiten Quartal rund 4,3 Mio. Euro, ein Anstieg von 16,2 Prozent. Die Thema Sponsoring könnten allerdings schon bald der Vergangenheit angehören, denn die spanische Regierung hat der Europäischen Kommission jüngst ein Dekret vorgelegt, das ein allgemeines Verbot von Sponsoring vorsieht.

Zurückzuführen ist die stringente Maßnahme auf ein parteiübergreifendes Abkommen, welches Premierminister Pedro Sánchez (PSOE), der Podemos-Chef Pablo Iglesias sowie der Verbraucherschutzminister Alberto Garzón im Juli unterzeichneten. Das Dekret sieht dabei eine legislative Angleichung der Werberichtlinien für Glücksspiele an die der Tabakindustrie vor. Der europäische Branchenverband EGBA hatte die spanische Regierung folglich zu mehr Mäßigung aufgefordert.

Kritik an staatlichen Anbietern wächst

Die EGBA nahm gegenüber den neuen Vorschriften eine kritische Position ein und unterstützte damit gleichsam den nationalen spanischen Online Glücksspielverband Jdigital. Maßnahmen für den Verbraucherschutz seien zu begrüßen, dennoch wären die Beschränkungen und das Sponsoringverbot unwirksam, da beides die Spieler zu nicht-lizenzierten Anbietern drängen würde. Zudem sei das öffentliche Glücksspiel bei der Planung bevorzugt worden.

In diesem Sinne hatte Jdigital die Werbebeschränkungen scharf kritisiert, insbesondere wurde im September gegen die beiden staatlichen Anbieter des Landes, ONCE und SELAE, geschossen. Es sei bedenklich, dass staatliche Glücksspielbetreiber nicht den gleichen Regelwerken unterliegen wie private Betreiber. Überdies stellte Jdigital die Frage, ob es sich bei den beiden Unternehmen tatsächlich um gemeinnützige Organisationen handelt. Die Entwicklungen bleiben abzuwarten.

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