Österreich: Online Glücksspiel obenauf

Die Coronakrise hat die Glücksspielbranche weltweit hart getroffen. Dies gilt auch für den österreichischen Markt, der sich zurzeit in einer Reform befindet. Das ganze Ausmaß der Verluste zeigt eine aktuelle Studie des Wiener Marktforschungsunternehmens Branchenradar. Hiernach war 2020 vor allem der landbasierte Sektor von massiven Umsatzeinbrüchen betroffen. Im Online Glücksspiel konnten hingegen zunehmende Gewinne verbucht werden. Wie sehen die Entwicklungen im Detail aus?

Die Spielautomaten einer Spielhalle.

Illegale Spielautomaten haben während der Pandemie stark zugenommen. ©djedj/Pixabay

2020: Wachstum nur im Internet

Der Glücksspielmarkt Österreich hatte im letzten Jahr vor allem mit Skandalen um Novomatic AG und Casinos Austria für Schlagzeilen gesorgt, woraus Pläne für eine Gesetzesreform und eine neue Glücksspielbehörde resultierten. Doch auch die Coronakrise und die damit verbundenen Lockdowns haben den Markt schwergetroffen: Sowohl bei Novomatic als auch beim teilstaatlichen Monopol Casinos Austria kam es zu hunderten Entlassungen.

Wie schwerwiegend sich die Pandemie ausgewirkt hat, zeigt eine aktuelle Studie des Wiener Marktforschungsunternehmens Branchenradar: Hiernach gingen die Bruttospiel- und Wetterträge 2020 um 14,9 Prozent auf 1,66 Milliarden Euro zurück. Hauptgründe sind laut Studie die Lockdowns für Spielhallen und Wettbüros sowie die zeitweise Aussetzung des globalen Spitzensports. Nur im Bereich des Online Glücksspiels konnten weiterhin Umsatzsteigerungen erzielt werden.

Der Entwicklung auf dem terrestrischen Glücksspielmarkt entgegen habe sich, so die Studie, ein beinahe ungebremster Wachstumsschub im Internet vollzogen. Laut Branchenradar sei demnach fast ausschließlich der stationäre Glücksspielsektor von den Auswirkungen der Pandemie betroffen gewesen. Zu diesem gehören die landbasierten Spielbanken, Wettbüros und Spielautomaten außerhalb der Casinos, welche vorwiegend von Novomatic betrieben werden.

Gerade Sportwetten stellen in Österreich inzwischen einen wichtigen Wirtschaftszweig dar: Wie aus einer im September 2020 veröffentlichten Studie von market und GAW (Gesellschaft für angewandte Wirtschaftsforschung) hervorging, tragen Sportwetten inzwischen über 380 Mio. Euro zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei. Laut Aussagen der GAW-Ökonomen Friedrich Schneider und Stefan Jenewein erzielt die Wettbranche einen jährlichen BIP-Effekt von durchschnittlich 382,9 Mio. Euro. Daraus ergeben sich immer höhere Steuereinnahmen für den Staat. Die hohen Erträge seien unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Höhe der Einsätze immer weiter ansteigt. Drei Prozent der österreichischen Bevölkerung soll regelmäßig tippen.

Spielbanken von Verlusten betroffen

Die Erlöse, das heißt, die Spieleinsätze unter Abzug aller ausgeschütteten Gewinne, sanken 2020 bei terrestrischen Glücksspielanbietern durchschnittlich um 39 Prozent auf 516 Millionen Euro. Am härtesten betroffen waren die Spielbanken, deren Einnahmen auf lediglich 160 Millionen Euro einstürzten. Ein Hauptgrund dafür, so die Studie, waren die drastischen Reisebeschränkungen, wodurch weniger internationale Gäste spielen konnten.

Moderater ging es hingegen beim Automatenglücksspiel außerhalb der Casinos zu. Beim sogenannten Kleinen Glücksspiel, zum Beispiel in Bars und Kneipen, fielen die Bruttospielerträge im Vergleich zu 2019 um 30,5 Prozent auf 257 Millionen Euro. Die Entwicklung unterliegt jedoch einem Manko: 2020 sei es laut Branchenradar zu einem sprunghaften Anstieg von illegalen Spielautomaten gekommen. 16 Prozent mehr illegale Automaten seien von der Finanzpolizei beschlagnahmt worden.

Regelmäßig kommt es zu großangelegten Glücksspiel-Razzien in Österreich. Durch Versäumnisse in der Gesetzgebung ist binnen letzter Jahre eine regelrechte Automatenmafia entstanden, die konfiszierte Spielautomaten teils über Nacht ersetzt. Städte wie Wien, Wels und Salzburg gelten inzwischen als Hochburgen des illegalen Glücksspiels. Bei den Razzien werden teils hunderte illegale Spielautomaten sichergestellt. Diese wurden in der Vergangenheit auch schon mit Reizgas präpariert, um den Ermittlern ihre Arbeit zu erschweren.

Die Wettbüros mussten 2020 ebenfalls erhebliche Umsatzeinbußen verkraften – die Bruttospielerträge an den integrierten Spielautomaten sanken um 36 Prozent auf etwa 100 Millionen Euro. Bei Sportwetten hat sich hingegen ein moderater Rückgang von etwa 13,3 Prozent vollzogen. Grund dafür ist, dass Sportwetten sich zunehmend ins Internet verlagern.

Online Glücksspiel legte um 7,5 Prozent zu

Laut Studie lag das Volumen des Online Glücksspiels und von Online Sportwetten 2020 nur noch um etwa zehn Prozent unter dem des terrestrischen Sektors – dies, obwohl in Österreich offiziell nur die teilstaatlichen Casinos Austria Online Glücksspiele anbieten dürfen. Die Bruttospielerträge des Online Glücksspiels konnten 2020 insgesamt um rund 7,5 Prozent auf 467 Millionen Euro gesteigert werden.

Eine weitere Sparte die 2020 trotz Coronakrise eine positive Entwicklung zeigte, waren die Lotteriespiele. Die Einnahmen legten um 1,2 Prozent zu und kletterten damit auf 680 Millionen Euro. Für 2021 wird erwartet, dass sich die Bruttospielerträge des Gesamtmarktes um 3,1 Prozent erhöhen. Dazu könnte die anstehende Fußball-Europameisterschaft einen wichtigen Beitrag leisten. Eine Rückkehr zum Niveau vor der Pandemie erwartet Branchenradar jedoch erst 2022. Die Entwicklungen bleiben vorerst abzuwarten.

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