Novomatic AG startet Neuausrichtung

Wie auch den Rest der Glücksspielbranche hat die Coronakrise Novomatic AG hart getroffen. Um sich den internationalen Marktbedingungen anzupassen, hat der in Gumpoldskirchen stationierte Glücksspielriese nun eine Neuausrichtung im Bereich Global Operations eingeleitet. Die Abteilung untersteht ab sofort dem langjährigen Novomatic-Manager Thomas Komnacky. Was sind die Pläne des europäischen Glücksspielmarktführers?

Drei Spielautomaten in einem Casino.

Novomatic AG verkauft Glücksspieltechnologien in rund 90 Ländern. ©Bru-nO/Pixabay

Bündel aus 1.900 weltweiten Spielstätten

Es ist kein Geheimnis, dass die Coronakrise und die damit verbundenen Lockdowns Novomatic AG stark unter Druck gesetzt haben. Das landbasierte Geschäft stand über längere Zeit still, die Verluste bei internationalen Kunden lagen 2020 bei rund 80 Prozent. Wegen den pandemiebedingten Einbrüchen kam es unter anderem zu Kurzarbeit und 120 Kündigungen am Hauptstandort Gumpoldskirchen.

Momentan wird ein Sanierungsprozess durchgeführt, der das nachhaltige Wachstum des rund 21.000 Mitarbeiter zählenden Giganten sichern soll. Darin enthalten ist die Neuausrichtung der Abteilung Global Operations, wo derzeitig eine neue Struktur eingeführt wird, mit welcher die Geschäftsprozesse des Unternehmens auf globaler Ebene verbessert werden sollen. Der langjährige Novomatic-Manager Thomas Komnacky wurde zum Leiter und Vizepräsidenten der Abteilung ernannt.

Unter Thomas Komnacky, vorher in der Marktanalyse und Strategieentwicklung tätig, sollen sich fortan alle Geschäftsbereiche bündeln, die in den Betrieb der rund 1.900 internationalen Spielstätten und die Vermietung von Glücksspielequipment involviert sind. Hierbei würde Komnacky direkt mit dem Novomatic-Vorstand Ryszard Presch in Kontakt stehen, so das Unternehmen, welches Standorte in über 45 Ländern hat.

“Klarer Fokus dieser Neustrukturierung ist die Schaffung einer gebündelten, bereichsübergreifenden Einheit, welche die Betreuung, Steuerung und Koordinierung zwischen dem Headquarter und den internationalen operativen Tochtergesellschaften übernimmt. Mit Thomas Komnacky übernimmt ein erfahrener Novomatic-Manager die Leitung dieses zentralen Bereichs, der nicht nur die Unternehmensgruppe bestens kennt, sondern auch schon bisher mit den Ländergesellschaften eng zusammengearbeitet hat.”Ryszard Presch, Vorstand, Novomatic AG, Pressemitteilung

Stärkere Vernetzung mit Tochterfirmen

Auch der neue Leiter der Global Operations, Thomas Komnacky, meldete sich zu Wort: Die Kernpunkte seiner Tätigkeit sieht der künftige Vizepräsident im Ausbau der zentralen Ansprechpartner am Hauptstandort sowie in einer intensiveren Betreuung und besseren Vernetzung der Landes- und Tochtergesellschaften. Mit dem Ziel, neue Synergiepotentiale zu aktivieren, wolle er sich zudem für die Förderung eines strukturierteren Informationsaustausches einsetzen.

Neben den Bereichen Marktanalyse und Strategieentwicklung war Komnacky, der 2014 zu Novomatic wechselte, auch im Feld Business Development bei Novomatic tätig. Als Geschäftsführer zweier Tochtergesellschaften war er maßgeblich an etwaigen Markteintritte, Fusionen, Akquisitionen und globalen Konzessionsverfahren beteiligt. Der studierte Jurist und Betriebswirt hat vor seinem Wechsel zu Novomatic als Investmentbanker gearbeitet.

Novomatic AG wurde 1980 von Alleinaktionär Johann Graf gegründet. Das Unternehmen, zu dem auch die Marken Admiral und Greentube gehören, besitzt Standorte in 45 Ländern und beliefert rund 90 Länder mit Glücksspieltechnologien, darunter zum Beispiel Spielautomaten und Lotteriesystemlösungen. Tätig ist der Global Player aber in allen Segmenten der Glücksspielindustrie, inklusive Online Glücksspiel. Dazu betreibt Novomatic selbst weltweit rund 1.900 elektronische Spielbanken. Der Konzern vermietet zurzeit außerdem rund 214.000 Gaming- und Video Lottery-Terminals.

Schwere Verluste durch Coronavirus

Novomatic AG blickt derweil auf ein schwieriges Jahr 2020 zurück und veröffentlichte im April eine dunkelrote Bilanz: Die Umsätze brachen 2020 um etwa ein Drittel auf 1,74 Milliarden Euro ein, die Verluste liegen bei 262,8 Millionen Euro. Auf fast allen Märkten kam es zu gravierenden finanziellen Rückschlägen, basierend auf den Auswirkungen der Pandemie.

Der Konzern sieht sich selbst dennoch gut aufgestellt: Trotz der Krise sei es gelungen, die Nettoverschuldung um 10,2 Prozent zu senken. Außerdem liege die Eigenkapitalquote mit 27,7 Prozent nur leicht unter dem Niveau des Vorjahres. Um Kosten zu sparen, habe man beschlossen, 2020 keine Dividende auszuschütten.

Ermittlung des Ibiza-U-Ausschusses

Auch angesichts der sogenannten Ibiza-Affäre war 2020 für Novomatic kein einfaches Jahr – es kam zu etlichen Zeugenbefragungen im Novomatic-Umfeld, die sich bis heute – unter anderem mit Bundeskanzler Sebastian Kurz – fortsetzen. Dabei geht um dubiose Verstrickungen zwischen Politik und Wirtschaft. Ausgelöst wurde die Untersuchung vom sogenannten Ibiza-Video, welches für eine landesweiten Eklat gesorgt hatte.

Der Mitschnitt aus Mai 2019 zeigt den österreichischen Ex-Vize-Kanzler Heinz-Christian Strache 2017 auf Ibiza. In Gegenwart einer vermeintlichen russischen Oligarchin sprach er dort über millionenschwere potenziell illegale Parteispenden. Benannt wurde unter anderem der Glücksspielkonzern Novomatic AG, der versucht haben soll, das Glücksspielgesetz des Landes nach seinen Gunsten zu beeinflussen.

Im Februar musste diesbezüglich auch Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) vor den Ausschuss treten, dieser wies alle Vorwürfe scharf zurück: Weder habe Novomatic AG illegale Spenden an ÖVP-nahe Vereine noch an die ÖVP selbst geleistet. Auch illegales Sponsoring sei auszuschließen. Derartigen Verleumdungen wolle er entgegentreten, so der Politiker. Die Entwicklungen in dem Fall bleiben abzuwarten.

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