Norwegen: Mit harten Bandagen gegen Online-Glücksspiel

In Kooperation mit mehreren politischen Parteien treibt die norwegische Glücksspielaufsichtsbehörde eine Verschärfung der Gesetzeslage gegen ausländische Online-Anbieter voran. Zum Schutz des nationalen Glücksspielmarktes stehen Netzsperren und eine konsequentere Überwachung von Geldtransfers auf der Agenda.

Ein Schriftzug auf einem Fenster zeigt den Namen der norwegischen Glücksspielaufsicht.

Lotteri- og Stiftelsestilsynet. (Bildquelle)

Um Norwegens staatliches Glücksspielmonopol vor ausländischen Glücksspielbetreibern zu schützen, sieht die norwegische Aufsichtsbehörde Lotteri-og Stiftelsestilsynet eine Ausweitung des 2010 erlassenen Zahlungsverbots vor. Ein Katalog über die verschärften Maßnahmen wird dem norwegischen Parlament voraussichtlich am 7. Mai vorgestellt. Die Gesetztes-Novelle zielt darauf ab international lizensierte Anbieter gänzlich vom norwegischen Markt zu exilieren, sofern diese nicht über eine explizit norwegische Lizenz verfügen.

Hierfür wird eine sogenannte DNS-Blockierung gegen Online-Casinos ohne norwegische Lizenz in Betracht gezogen. Im Klartext bedeutet das schlichtweg die Sperrung der jeweiligen IP-Adressen sowie die völlige Unterbindung von Geldtransaktionen, insbesondere über dritte Zahlungsanbieter. Demzufolge soll die norwegische Glücksspielaufsicht den Zahlungsverkehr zwischen Gambling-Kunden, Online-Casino-Betreibern und Zahlungsanbietern in Zukunft streng kontrollieren und genauestens protokollieren.

„Die Lotteriebehörde ist befugt Zahlungsvorgänge zwischen Glücksspielunternehmen zu verweigern sowie auch diejenigen Zahlungsvorgänge von Unternehmen, welche Transaktionen im Auftrag eines Glücksspielunternehmens durchführen“, lautet die konkrete Formulierung des Vorschlags.

Der Gesetzesentwurf beinhaltet zusätzlich eine Reihe von Werbebeschränkungen gegen Agenturen und Plattformen, die ihre Kanäle dazu nutzen nicht lizenzierte Online-Casinos zu promoten. Im Fall von Missachtung soll die Lotteri- og stiftelsestilsynet zukünftig dazu befugt sein, Bußgelder gegen die entsprechenden Betreiber zu verhängen.

Rückendeckung zur Umsetzung der neuen Richtlinien erhält die Regulierungsbehörde aus der norwegischen Politik: Unter anderem sprechen sich die mittige „Senterpartiet“, die sozialistisch-links orientierte „Sosialistisk Venstreparti“ und die sozial-demokratische „Arbeiderpartiet“, für strengere Regulierungen aus. Innerhalb der letzten Monate hatten die besagten die Parteien die Debatte immer wieder im norwegischen Parlament aufkeimen lassen.

Die Dinge beim Namen nennen

Zur Untermauerung der Notwendigkeit nennt der Maßnahmenkatalog auch konkrete Namen jener Betreiber, die „keine Lizenz zur Erbringung von Dienstleistungen im Land“ besitzen. Hierbei handelt es sich um die schwedischen Glücksspiel-Anbieter Betsson und Kindred, den britischen Buchmacher Unibet sowie die Online-Casinos von ComeOn und Guts.

Ein Foto des Betsson-Chefs Pontus Lindwall.

Betsson-CEO Pontus Lindwall hält die Pläne Norwegens für nicht zeitgemäß und gibt sich gelassen. (Bildquelle)

Betsson-CEO Pontus Lindwall hat derweil zu Norwegens Regulierungsplänen Stellung bezogen. Im Rahmen der Bettson-Q1-Ergebnispräsentation gibt sich der Geschäftsführer jedoch unbeeindruckt:

„Die Nachfrage nach Betsson-Produkten ist hoch in Norwegen, weshalb die Änderungen wahrscheinlich auch nicht verabschiedet werden. Alle müssen erkennen, dass derartige Initiativen nicht modern sind und daher auch unmöglich in derartige Strukturen zu implementieren“, so Lindwall.

Auch Kindred äußerte sich indessen zu den ‚Vorwürfen‘: „Nicht leicht, aber fast wie immer“, lautet die fast sarkastisch anmutende Antwort an Norwegens Glücksspielaufsicht. Das auf Malta ansässige Unternehmen wies außerdem darauf hin, dass die geplanten Gesetzesänderungen „Bedenken hinsichtlich der Datenschutz- und Informationsfreiheitsgesetze aufwerfen“, daher hätten sie auch nur geringe Auswirkungen.

Angesichts der geplanten Werbeverbote betonte der ebenfalls von Malta aus geleitete Affiliate-Riese Catena Media hingegen, dass Norwegen zwar kein Schwerpunktbereich für das Unternehmen sei, die Maßnahmen aber dennoch einen nicht unbedeutenden Einfluss auf zukünftige Einnahmen haben könnten.

Weitere Stellungnahmen über die geplanten Regulierungen blieben bisher aus. Laut Medienberichten könnte die Gesetzes-Novelle jedoch schon nächsten Monat in Kraft treten. In diesem Fall wären lediglich die beiden norwegischen Gambling-Anbieter Nosrk Tipping und Norsk Rikstoto, als einzige Unternehmen, nicht von den strengen Richtlinien betroffen.

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