Norwegen: EGBA übt Kritik an Monopol

Seit Jahren kritisieren Experten und Branchenvertreter das norwegische Glücksspielmonopol – eine Studie der EGBA (European Gaming and Betting Association) belegt nun das potenzielle Scheitern des Modells: Trotz drastischer Regulierungsmaßnahmen sei eine massive Abwanderung der Kundschaft in den Schwarzmarkt festzustellen. Norwegen habe die Kontrolle über den Markt verloren. Wie sehen die Entwicklungen im Detail aus?

Ein Mann am Laptop hält seine Kreditkarte bereit.

Offiziell dürfen Norweger online nur bei Norsk Tipping und Norsk Rikstoto spielen. ©rupixen/Unsplash

66 Prozent spielen abseits des Monopols

Mit Zahlungssperren und Werbeverboten kämpft das Land Norwegen seit Jahren mit harten Bandagen gegen Online Glücksspiele. Ziel der Regierung ist der Schutz der staatlichen Anbieter Norsk Tipping und Norsk Rikstoto. Dementgegen fordert der norwegische Verband für Online Glücksspiele (NBO) seit Anfang 2020 die Einführung eines modernen Lizenzsystems nach europäischen Standards. Unterstützung erhält der NBO nun vom größten Glückspielverband Europas.

Die in Brüssel stationierte EGBA hat eine Studie zu den Auswirkungen des norwegischen Glücksspielmonopols durchgeführt, die Ergebnisse sprechen eine deutliche Sprache: Norwegen verliert zunehmend die Kontrolle über seinen Glücksspielmarkt. Über 66 Prozent der Kunden sollen das staatliche Monopol ablehnen und stattdessen bei internationalen Online Glücksspielanbietern spielen. Hauptgrund dafür sei das begrenzte Angebot der beiden staatlichen Firmen Norsk Tipping und Norsk Rikstoto.

Laut EGBA sei es ein Trugschluss zu glauben, dass das staatliche Monopol notwendig sei, um das boomende Online Glücksspiel besser kontrollieren können. Ebenso sei es ein Trugschluss zu glauben, mit Verboten das staatliche Glücksspielmonopol besser schützen zu können. Mit diesen beiden Grundsätzen hatte Oslo argumentiert, doch aktuelle Zahlen würden diese Argumente entkräftigen. Wie viele digitale Sektoren, sei das Online Glücksspiel ein stark verbraucherorientierter Markt – und die norwegischen Verbraucher seien internetaffin und sensibel in Bezug auf Preise und Innovationen. Monopole würden die Auswahl einschränken seien mit der modernen Glücksspielindustrie unvereinbar.

Steuerverluste von 2 Milliarden Euro

Ferner ist in der Studie die Rede von einem veralteten Modell, welches die Bedürfnisse moderner Glücksspielkunden längst nicht mehr befriedigt. Norwegische Spieler würden aktiv nach Alternativen und einer größeren Spieleauswahl suchen. Beides sei im Internet leicht verfügbar. Des Weiteren würden bei internationalen Anbietern bessere Konditionen geboten. Die massive Abwanderung der Kunden sei daher nicht verwunderlich.

Da inzwischen über 66 Prozent der Kunden auf dem Schwarzmarkt spielen, könne davon gesprochen werden, dass Norwegen die Kontrolle über mehr als die Hälfte seines Glücksspielmarktes verloren hat. Knapp 2 Milliarden Euro an zusätzlichen Steuereinnahmen würde der Regierung damit abhandenkommen. Zudem seien etliche norwegische Spieler, die bei ausländischen Anbietern spielen, nicht hinreichend durch die Gesetzgebung im eigenen Land geschützt.

Vor allem der unzureichende Schutz sei ein bedeutendes Problem, denn die norwegische Regierung argumentiert, mit der Aufrechterhaltung des Monopols einen besseren Spielerschutz zu gewährleisten. In Wahrheit habe der Staat jedoch keine Möglichkeit, Spieler die bei internationalen Anbietern spielen zu schützen oder ihre Spielaktivitäten zu kontrollieren.

Die Abwanderung der Kunden wird außerdem dadurch befördert, dass Norwegen selbst beim staatlichen Anbieter Norsk Tipping weitere Beschränkungen vorgenommen hat. Seit 2021 gelten im Marketing strengere Vorschriften. Die Reklamen sollen auf das Nötigste begrenzt werden, unter anderem gilt, dass die Vermarktung von Lotterie- und Gewinnspielen abgeschwächt wird. Parallel wurden die Anforderungen für verantwortungsvolle Werbung erhöht, wobei jede Art von Glücksspielwerbung seit Januar Kontaktinformationen für eine Glücksspiel-Helpline enthalten muss. Die Maßnahmen sind, laut Regierung, Teil der norwegischen Präventivarbeit gegen Glücksspielprobleme.

Zuwachs an problematischen Spielern

Obwohl der Spielerschutz zu den Hauptzielen der norwegischen Glücksspielpolitik gehört, haben sich die problematischen Spieler, laut EGBA, innerhalb der letzten sieben Jahre verdoppelt. Die Zahl sei viermal so hoch wie die in Spanien oder Großbritannien. In beiden Ländern gebe es kein Glücksspielmonopol, sondern stattdessen ein modernes Lizenzsystem für internationale Anbieter.

In diesem Sinne könne nicht bestätigt werden, dass Norweger durch das Monopol besser geschützt sind als andere Europäer. Eher sei das Gegenteil der Fall: In Norwegen spitze sich die Situation zu, weshalb schnellstens ein effektives Lizenzierungssystem eingeführt werde müsse. Vor denselben Gesichtspunkten hatte die EGBA im Dezember 2020 auch das finnische Glücksspielmonopol kritisiert und eine Reform vorgeschlagen.

Vorteile eines modernen Lizenzsystems

Ein modernes Lizenzsystem sorge laut EGBA für den notwendigen Wettbewerb und eine größere Auswahl an Casinospielen. Kunden erhielten somit die Möglichkeit sicher zu spielen und müssten nicht auf Seiten ausweichen, die nicht hinreichend durch nationale Aufsichtsbehörden geschützt sind. Zudem sei die Lizenzvergabe an Vorschriften für den Verbraucherschutz geknüpft. Die Einhaltung würde von einer Regulierungsbehörde überwacht.

Hierzu verwies die EGBA auf die skandinavischen Länder Dänemark und Schweden, die ihre Märkte bereits erfolgreich für Online Glücksspielanbieter geöffnet haben. Die Aktivitäten auf illegalen Seiten konnten durch die Liberalisierung deutlich reduziert werden. Spieler würden außerdem durch nationale Gesetze geschützt, was die Spielsucht verringert habe. Zudem würden internationale und staatliche Anbieter problemlos koexistieren. Es bleibt abzuwarten, ob sich Oslo zu diesen Argumenten äußert.

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