Englische Casinos vor Wiedereröffnung

Die britische Regierung hat den 01. August als Datum für die Wiedereröffnung der englischen Casinos festgelegt. Die Entscheidung wurde vom Industrieverband BGC (Betting and Gaming Council) begrüßt. Dieser hatte sich im Vorfeld vehement für die Wiedereröffnung eingesetzt. Auch Wales und Schottland werden dazu aufgefordert, dem Beispiel Englands zu folgen. Mit welchen Entwicklungen ist zu rechnen?

Ein vollbesetzter Spieltisch in einem Casino.

Laut BGC können hohe Sicherheitsvorkehrungen in den Casinos garantiert werden. ©JavonSwaby/Pexels

12.000 Beschäftigte kehren zurück

Nach über drei Monaten im Lockdown dürfen die englischen Casinos ab August wieder öffnen, so lautet die letztwöchige Entscheidung von Premierminister Boris Johnson. Der Schritt ließ lange auf sich warten und wurde daher vom BGC begrüßt. Der 2019 etablierte Industrieverband stellte gleichsam die wirtschaftlichen Beiträge der Casinos, unter anderem die hierdurch bereitgestellten Arbeitsplätze in den Vordergrund.

Im Vorfeld hatte sich der neue Glücksspielverband mit Nachdruck dafür eingesetzt, dass die am 20. Mai geschlossenen Spielstätten bereits im Juli wiedereröffnen dürfen. Kritisiert wurde, dass die Casinos länger geschlossen bleiben mussten, obwohl andere landbasierte Glücksspielbetriebe, zum Beispiel Wettbüros (15. Juni) und Bingohallen (04. Juli), schon wieder Kunden empfangen durften.

Laut BGC-Chef Michael Dugher sei es fantastisch zu sehen, dass die Casinos ihre Pforten am 01. August wieder öffnen dürfen. Auf diese Weise ließe sich die Erholung des Tourismussektors sowie des Gastgewerbes maßgeblich unterstützen. Über 12.000 Casino-Angestellte aus ganz England können nun an ihre Arbeitsplätze zurückkehren.

Eine persönliche Danksagung richtete Daugher in diesem Sinne an DCMS-Außenminister Oliver Dowden, Staatsekretär Nigel Hiddleston und viele der parteiübergreifenden Abgeordneten, die dazu beigetragen haben, ein endgültiges Wiedereröffnungsdatum festzulegen. Die BGC-Casinos hätten innerhalb des Lockdowns alles daran gesetzt, die strengen Covid-19-Schutzvorgaben zu erfüllen, wurden jedoch zu lange darüber im Dunkeln gelassen, wann sie wieder öffnen dürfen.

Ungewissheit in Wales und Schottland

Darüber hinaus forderte Dugher auch Wales und Schottland dazu auf, dem englischen Beispiel ohne Verzögerung zu folgen. In diesen Ländern würden derzeitig über 2.000 weitere Angestellte im Unklaren darüber gelassen, wann es zu einer Wiedereröffnung kommt. Die Beschäftigten sind momentan arbeitsunfähig. Für die 12.000 Menschen, die in den Casinos von England arbeiten, sei diese Ungewissheit nur schwer erträglich gewesen.

Die walisischen und schottischen Behörden sind es, so Dugher weiter, den 2.000 Angestellten der Casinos schuldig, die Unsicherheit zu beenden und ihnen bei der Rückkehr an den Arbeitsplatz zu helfen. Hierfür müssten ähnliche Covid-19-Schutzprogramme in den Etablissements eingeführt werden wie in England.

Dass die Unsicherheit begründet ist, zeigt sich am Beispiel des Marktgiganten Genting UK, der Anfang letzter Woche erklärte, bis zu 1.642 Mitarbeiter zu entlassen, um der Corona-bedingten Umwälzung standzuhalten. Der Betreiber erklärte, alles tun zu wollen, um diese Zahl zu reduzieren, dennoch sorge das Fehlen eines festen Wiedereröffnungsdatums für düstere Prognosen. Auch das Fehlen eines offiziellen Covid-19-Schutzrahmens sorge für Unklarheiten.

BGC setzt sich gegen Schäden ein

Wie bereits angedeutet, drängte das BGC die britische Regierung schon seit längerem dazu, einen genauen Termin für die Wiedereröffnung zu fixieren. Die schrittweise Rückkehr des englischen Profisports heizte die Debatte zusätzlich an. In der Zwischenzeit unternahm der Glücksspielverband alles, um seine Mitgliedsunternehmen samt ihren Mitarbeitern vor wirtschaftlichen Schäden und Entlassungen zu schützen.

Dugher befürchtete, dass weitere Verzögerungen dem Sektor nachhaltige Schäden zufügen können. Aus diesem Grund hatte das BGC, zu dem unter anderem William Hill, Flutter Entertainment, GVC Holdings, Rank Group und Playtech gehören, einen offenen Brief an den britischen Schatzkanzler übersendet. Hierin wurde erklärt, dass der Lockdown die Regierung jede Woche rund 5 Mio. Pfund allein aus dem landgebundenen Casinosektor kostet.

Außerdem wurde darauf hingewiesen, dass die Casinos 2019 durchschnittlich 5,7 Mio. Pfund an Steuerabgaben gezahlt haben. Man sei daher enttäuscht darüber, dass der Casinosektor nicht zu den Branchen gehörte, die bereits am 04. Juli wieder öffnen durften. Casinos wollen wieder ins Geschäft kommen und einen Beitrag zur Wirtschaft leisten, ohne das Finanzministerium Geld zu kosten, so das Kredo des BGC.

Finanzielle Unterstützung gefordert

Geschäftsführer Dugher legte indessen auch seine Überzeugungen dar, dass die Casinos bereit sind, Mitarbeiter und Kunden sicher zu empfangen, nachdem eine Reihe von Maßnahmen zum Schutz vor Ansteckung eingeführt worden sind. Dazu gehören die Installation von Plexiglas-Bildschirmen und Desinfektionsgeräten sowie die Einrichtung von Track-and-Trace-Systemen und die Einhaltung sozialer Distanzierungsvorschriften.

Auf finanzieller Ebene wurde von der Regierung der Aufschub von Mehrwertsteuer- und Einkommenssteuerzahlungen gefordert. Außerdem ein Entlastungspaket zum gesetzlichen Krankengeld für kleine und mittlere Unternehmen (KMU), ebenso wie ein 12-monatiger Urlaub zum Geschäftstarif für alle Einzelhandels-, Gaststätten-, Freizeitbetriebe in England, zu denen auch die Casinos gehören.

Laut Dugher sind die Kosten für das Verbleiben in einer Wiedereröffnungs-Warteschleife wesentlich höher, da dies bedeutet, dass die Unternehmen in einem Zustand der Bereitschaft gehalten werden, einschließlich der Instandhaltung der Räumlichkeiten für die Wiedereröffnung, der Reinigung, der Wiederauffüllung der Vorräte und der Personalausstattung. Mit der Bekanntgabe ist nun endlich wieder Licht am Ende des Tunnels zu sehen.

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