Neuer FIU-Geldwäschebericht liegt vor

Laut Aussagen des neuesten Jahresberichts der FIU (Financial Intelligence Unit) sind die Geldwäsche-Verdachtsfälle im Jahr 2019 um 49 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Ein großer Teil der Meldungen entstammt dem Glücksspielsektor. Die lizenzierten Anbieter sind zur Verhinderung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung verpflichtet. Es scheint, als kommen die Betreiber den gesetzlichen Anforderungen nach.

Eine Bitcoin-Münze auf einem Geldhaufen.

Auch in Bezug auf Krypto-Währungen wie Bitcoin zeigt sich ein leichter Aufwärtstrend. ©MichaelWuensch/Pixabay

Immer mehr Glücksspielbetreiber registriert

Die FIU ist die deutsche Zentralstelle für die Entgegennahme, Sammlung und Auswertung von Meldungen über verdächtige Finanztransaktionen, die im Zusammenhang mit Geldwäsche oder Terrorismusfinanzierung stehen könnten. Wie aus dem jüngsten Bericht der Instanz hervorgeht, wurden 2019 deutlich mehr Verdachtsfälle gemeldet als im Vorjahr. Die meisten Meldungen entstammen dem Nicht-Finanzsektor, auch Glücksspielanbieter fallen in diese Sparte.

Insgesamt sind letztes Jahr 114.914 Meldungen über verdächtige Aktivitäten eingegangen, dies sind etwa 37.500 mehr Meldungen als 2018, was einem Zuwachs von rund 49 Prozent entspricht. Seit 2009 hat sich das Volumen damit fast verzwölffacht. Laut FIU zeigt dies, dass sich die kontinuierlich verbesserten Gesetze, die die Banken und Zahlungsdienstleister zu mehr Achtsamkeit verpflichten, bewährt haben.

Innerhalb des gestiegenen Meldevolumens wird zwischen Finanz- und Nicht-Finanzsektor unterschieden. 98 Prozent aller Meldungen entstammen dem Finanzsektor, hieraus allein gingen 35.000 Meldungen mehr hervor als im Vorjahr. Außerdem unterscheidet FIU auch zwischen Behörden und sonstigen Verpflichteten. Zu letzteren gehören auch die Glücksspielanbieter.

Im Glücksspielsektor hat sich die Anzahl der registrierten Verpflichteten innerhalb nur eines Jahres von 45 auf über 300 gesteigert. Viele der Glückspielunternehmen nutzen laut FIU die Webseite um entsprechende Informationen einzusehen und sich in Bezug auf die Unterbindung von Geldwäsche weiterzubilden. Die Instanz verweist in ihrem Bericht darauf, dass die Registrierung eines Verpflichteten nicht bedeuten muss, dass verdächtige Aktivitäten vorliegen.

Pflichtbewusstsein im Glücksspielsektor

Aus dem Nicht-Finanzsektor entstammen laut FIU zwar nur 1,3 Prozent der Gesamtmeldungen, dennoch sind die Verdachtsmeldungen in dieser Rubrik überproportional um satte 150 Prozent angestiegen. Neben dem Bereich der Güterhändler sind insbesondere die Glücksspielunternehmen für den Anstieg verantwortlich. Während aus dem Bereich Glücksspiel 2018 nur 24 Meldungen eingingen, waren es 2019 insgesamt 116 Fälle.

FIU führt diesen Erfolg unter anderem auf die Teilnahme der registrierten verpflichteten Unternehmen an diversen Messen zurück. In den letzten Jahren habe auf Messen immer wieder ein vielfältiger Informationsaustausch stattgefunden. 2019 war die FIU zum Beispiel auf der Fachmesse AdvoTec und bei der Leitmesse für die Finanz- und Versicherungsbranche DKM vertreten. Viele Besucher hätten sich umfassend über die bestehende Gesetzeslage informiert.

Vor allem für die Glücksspielbranche könnten die Erkenntnisse von Bedeutung sein, denn der Sektor bietet laut FIU viele Optionen zur Verschleierung von Geldern, zum Beispiel durch ein hohes Maß an Marken, Partnerunternehmen sowie eine hohe Umlaufgeschwindigkeit. Außerdem erhöhe der Bargeldeinsatz unter der Identifizierungsschwelle von 2.000 Euro das Risiko für kriminelle Aktivitäten.

Im selben Atemzug wird in dem Bericht auch auf einen leichten Anstieg der Meldungen im Bereich der Krypto-Währungen wie zum Beispiel Bitcoin hingewiesen. Hier kam es zu 2019 zu 760 gemeldeten Verdachtsfällen. Ein hohes Risiko stelle die Weiterleitung von Geldern an Handelsplattformen ins Ausland dar. Auch im Bereich des Online Glücksspiels wird längst mit Krypto-Währungen experimentiert.

Leiter der FIU zeigt sich zufrieden

Christof Schulte, der Leiter der FIU, hat die jüngsten Entwicklungen begrüßt. Die erhöhten Industriestandards zeigen demnach ihre Wirkung. Man werde allerdings nur die tatsächlich wertvollen Verdachtsfälle an die jeweiligen Strafverfolgungsbehörden weiterleiten, damit diese ihre verfügbaren Ressourcen so effizient wie möglich einsetzen können. Die Entwicklung zeige die Bedeutsamkeit eines gemeinsamen und schlagkräftigen Zusammenhalts aller Beteiligten.

“Die Tendenz der kontinuierlich steigenden Zahl der an die FIU übermittelten Verdachtsmeldungen zeigt, dass die umfangreichen Sensibilisierungs- und Koordinierungsmaßnahmen der FIU wirken. Die Aufmerksamkeit der Verpflichteten zur Identifizierung auffälliger Sachverhalte im Zusammenhang mit möglicher Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung wächst spürbar an. Dabei kommt dem risikobasierten Ansatz und der damit einhergehenden gesetzlichen Filterfunktion der FIU eine besondere Bedeutung zu.”Christof Schulte, Leiter, FIU, Pressemitteilung

Wettbranche kämpft gegen Manipulation

Das Thema Geldwäsche wird von der Glücksspielbranche zurzeit sehr ernst genommen. Vor dem Hintergrund der Corona-Krise ist die Branche noch offensiver vorgeprescht und hat kriminellen Aktivitäten den Kampf angesagt. Im Fokus steht momentan vor allem die Eindämmung von Korruption und Wettmanipulation, welche in enger Verbindung mit Geldwäsche betrachtet werden können. Diesbezüglich hatte die MGA neue Wettregeln veröffentlicht.

Weiter angeheizt wurde das Thema von einem kürzlich erschienenen Bericht von Europol. Das Polizeiamt der europäischen Union warnte darin vor Spielabsprachen und forderte eine stärkere Zusammenarbeit zwischen dem öffentlichen und privaten Sektor. Europol erklärte, dass sich die jährlichen Einnahmen aus kriminellen Aktivitäten zurzeit auf rund 120 Mio. Euro belaufen. Vor allem in niedrigeren Spielklassen sei das Risiko von Manipulationen groß.

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