Neue Sportwett-Studien in UK

Laut Berichten der UKGC (UK Gambling Commission) nehmen die Sportwetten in Großbritannien seit der schrittweisen Rückkehr des Profisports wieder zu. Im Mai wurden bedeutende Zuwachsraten erzielt, während der virtuelle Sport rückläufig ist. Hauptgrund ist die Wiederaufnahme des europäischen Spitzenfußballs. Gleichzeitig warnt eine Studie der University of Bath vor den gesundheitlichen Auswirkungen von Sportwetten. Wie sehen die Erhebungen im Detail aus?

Zwei Fußballspieler kämpfen um den Ball.

Die Premier League startete am 17.Juni, dem FC Liverpool gelang es die Meisterschale zu holen. ©flooy/Pixabay

Plus von 64 Prozent seit Mai

Die britische Glücksspielkommission hat neue Daten veröffentlicht, die sich mit den Auswirkungen von Covid-19 auf den Glücksspielsektor beschäftigen. Im Bereich Sportwetten erweist sich die schrittweise Wiederaufnahme des europäischen Profifußballs als Rettungsanker. Im April waren die Bruttoerträge von Wetten auf reale Sportevents im Vergleich zum März um 62 Prozent eingestürzt. Im Mai wird hingegen ein fulminanter Zuwachs von 64 Prozent erzielt.

Den Startschuss für das Comeback der Branche gaben die Bundesliga-Wetten im Mai. Es folgten im Juni die Wiederaufnahmen der englischen Premier League, der italienischen Serie A und der spanischen Primera Division. Die Gesamtteilnahme an Sportwetten ist dabei zurückgegangen, aber einige engagierte Spieler investierten mehr Zeit und Geld. Die durchschnittlichen Gesamtausgaben pro aktiven Kunden sind im Mai im Vergleich zum April um 17 Prozent gestiegen.

Viele Buchmacher und Kunden setzten während des Lockdowns auf Virtual Sports. Die Aktivitäten in dieser Sparte stiegen laut UKGC von März bis April um ganze 41 Prozent. Allerdings sind die Umsätze seit Mai wieder um 12 Prozent rückläufig. Eine ähnliche Entwicklung zeigte sich beim Online Poker, die Umsätze stiegen von März bis April um 66 Prozent, seit der schrittweisen Aufhebung des Lockdowns sind die Umsätze jedoch um 9 Prozent zurückgegangen.

Negative Beeinflussung durch Lockdown?

Die von der UKGC veröffentlichten Daten sind auf die britische Markt- und Meinungsforschungsagentur YouGov zurückzuführen. Diese führte eine Umfrage unter den marktführenden Glücksspielbetreibern Großbritanniens durch, zugleich wurden über 2.000 Personen zu ihrem Spielverhalten in den Corona-Monaten befragt. In der Zeit des Lockdowns nutzten demnach mehr Menschen die Onlinemedien als zuvor.

17 Prozent der Befragten Glücksspieler gaben an, mehr Geld in das Online Entertainment investiert zu haben. Der Durchschnitt aller Befragten Erwachsenen lag hingegen bei 13 Prozent. 50 Prozent der Befragten erklärten zudem, mehr Fernsehen geschaut zu haben, während 48 Prozent angaben, Kunden von etwaigen Streaming-Anbietern gewesen zu sein.

Des Weiteren berichtete die UKGC über eine aktuelle Studie des Marktforschungsunternehmens Savanta. Untersucht wurden hier die psychologischen Auswirkungen der Corona-Krise. In diesem Zusammenhang erklärten 25 Prozent der Erwachsenen von dem Lockdown negativ beeinflusst worden zu sein. 26 Prozent gaben an, sich während des Lockdowns teilweise einsam gefühlt zu haben. Obendrein ist das Einkommen von 40 Prozent der Menschen gesunken.

Gefährden Sportwetten die Gesundheit?

Vor dem Hintergrund der Rückkehr des Profisports untersuchte diese Frage kürzlich eine Studie der University of Bath. Das Wachstum von Online Sportwetten stellt demnach eine große Herausforderung für die öffentliche Gesundheit dar. Unter der Zunahme des Wettangebots im Sport könnte das Wohlbefinden von Einzelpersonen, Familien und der Allgemeinheit leiden.

Die Studie fordert die politischen Entscheidungsträger dazu auf, die zunehmende Nutzung von Online Sportwett-Plattformen und Werbeartikeln wie Gratiswetten zu diskutieren. Darüber hinaus vertritt Dr. Darragh McGee in einem Artikel im Journal of Public Health die Meinung, dass sich die Normalisierung der Online Sportwetten in den letzten Jahren nachteilig auf das Leben junger Männer ausgewirkt hat.

Insbesondere die Werbekampagnen der Buchmacher werden von der Universität kritisiert, da Glücksspielrisiken in den Reklamen oft verharmlost werden sollen. Auf der Grundlage von Interviews mit 32 jungen Männern im Alter von 18 bis 35 Jahren, die bis zu einem gewissen Grad an Online Sportwetten teilnehmen, ergab sich, dass junge Männer durch den Zuwachs an Wetten eher zum Sportfanatismus neigen.

Dr. Darragh McGee erklärte, dass das exponentielle Wachstum von Online Sportwetten daher weitreichende soziale, wirtschaftliche und gesundheitliche Auswirkungen hat, die in die Freizeitaktivitäten junger Männer eingreifen. Während die Covid-19-Pandemie den Sportwettmarkt vorübergehend zum Erliegen brachte, sollen die rekordverdächtigen Zuschauerzahlen seit der Wiederaufnahme des Live-Sports die nachteiligen Auswirkungen für viele junge Männer noch verschärft haben.

Verbesserungen des Spielerschutzes

Die Debatte um das vermehrte Aufkommen von Sportwettangeboten im Profisport wurde in den letzten zwei Jahren durch mehrere Zwischenfälle verstärkt. Unter anderem sorgten Wettangebote auf den Junior-Webseiten mehrerer englischer Profiklubs für Furore. Bei allen genannten 15 Vereinen fungieren derweil Glücksspiel- und Sportwettanbieter als Hauptsponsor. Die Logos werden bekanntermaßen auch auf den Trikots getragen, weshalb gerade Kinder und Jugendlich gefährdet werden.

Die Branche reagierte auf die Kritik indessen mit einer Verstärkung des Spielerschutzes. Erst vor kurzem haben sich die fünf größten Mitglieder des BGC (Betting and Gaming Council) – unter anderem GVC, William Hill und SkyBet, dazu verpflichtet – umgerechnet über 111 Mio. Euro zur Verbesserung der Behandlungsdienste für problematische Spieler in Großbritannien bereitzustellen.

Seit der Gründung des BGC wurden zudem eine Reihe bedeutender Veränderungen in der gesamten Branche vorangetrieben, so zum Beispiel bei der Einführung von Werbebeschränkungen, der Förderung von Einzahlungslimits, der Überwachung von Spielausgaben sowie bei der Einführung strenger Ausweis- und Altersverifizierungen. Man sei entschlossen weitere Änderungen vorzunehmen, um die Standards für sicherere Glücksspiele weiter zu erhöhen.

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