Negreanu und Polk auf Kriegsfuß

Die Situation zwischen den beiden Heads-up-Kontrahenten Daniel Negreanu (46) und Doug Polk (32) ist erneut eskaliert, auf Twitter kam es zu einem beleidigenden Schlagabtausch der beiden Pokerprofis. Im Zentrum stand die Frage, ob Preflop-Charts bei dem bevorstehenden Match erlaubt sein sollen. Polk nutze die Bühne außerdem dazu, um gegen andere Profispieler zu pöbeln und diese zu Duellen herauszufordern.

Pokerchips und Spielkarten auf einer Laptoptastatur.

Pokerprofi Doug Polk ist seit jeher für sein rüpelhaftes Verhalten in sozialen Netzwerken bekannt. ©MVB-Creative/Pixabay

Hitzige Debatte um Echtzeit-Unterstützung

Das bevorstehende Heads-up zwischen Negreanu und Polk ist momentan in aller Munde. Eine jahrelange erbitterte Fehde findet mit dem High Stakes-Duell ihren vorläufigen Höhepunkt. Anfang Oktober einigte sich das verfeindete Duo darauf, ihr Spiel am 01. November auszutragen. Gespielt wird ein Heads-up-No-Limit-Hold’em an zwei Tischen. Die Blinds liegen zwischen 200 und 400 US-Dollar bei 10.000 bis 25.000 Händen.

In angespannter Stimmung vereinbarten die Spieler später, das Spiel von Kane Kalas, einem weiteren High Stakes-Profi, kommentieren zu lassen. Zudem wurde festgelegt, dass das Duell auf wsop.com stattfinden wird. Am letzten Montag wollten die Streithähne alle restlichen Details auf Twitter klären. Bei der Frage, ob Preflop-Charts während des Spiels erlaubt sein sollen, eskalierte die Situation erneut, es kam auch zu Beleidigungen.

Bei Preflop-Charts handelt es sich um Tabellen, die Informationen und Empfehlungen über vorteilhafte Pokerhände liefern. Polk sprach sich für diese Form der Echtzeit-Unterstützung aus. Negreanu entgegnete, dass derartige Hilfsmittel nicht dem Geist eines echten Pokerspiels entsprechen würden. Es sei albern, dass Polk seine Entscheidungen nicht selbst treffen wolle. Polk reagierte darauf mit einer wüsten Schimpftirade und warf Negreanu Kalkül vor.

“Vor einer Woche war es dir noch egal, ob Preflop-Charts verwendet werden oder nicht. Jetzt regst du dich darüber auf und sprichst von Betrug. Du bist so ein kleines Miststück, ich kann es nicht erwarten, dir dein Geld wegzunehmen.”Doug Polk, US-Profipokerspieler Twitter

Negreanu startete Twitter-Umfrage

Tatsächlich erklärte Negreanu in einem Tweet vom 07. Oktober, dass das Spiel keine Preflop-Charts beinhalten würde, da die Webseite des neuen WSOP Online-Partners GGPoker.com diese nicht zulassen. Der Anbieter lehnt Formen der Echtzeit-Unterstützung ab und begründet dies mit einem amateurfreundlichen Spielumfeld. Negreanu arbeitet für GGPoker als Markenbotschafter, was seine Ablehnung in der Angelegenheit erklären könnte.

Im selben Tweet erklärte Negreanu allerdings sowohl für ein Verbot von Preflop-Charts als auch für eine Erlaubnis offen zu sein. Nur in Bezug auf das Duell gegen Polk sollten Preflop-Tabellen entfernt werden, da diese eine unnötige Krücke darstellen würden. Das Heads-up könne damit kein Indikator dafür sein, welcher Spieler tatsächlich besser ist. Polk reagierte und erklärte Preflop-Charts hingegen zu einer Realität des modernen Pokers.

Negreanu konterte folglich mit einer Umfrage auf Twitter und fragte die Community, ob die seiner Meinung nach betrügerischen Preflop-Charts auf den Bildschirmen erlaubt sein sollten oder nicht. An dieser Stelle erhielt der Profispieler mehrheitliche Unterstützung: 67,7 Prozent der Teilnehmer sprachen sich dagegen aus.

Inzwischen einigten sich die beiden Pokerlegenden darauf, keine Preflop-Charts oder sonstigen Echtzeit-Unterstützungen zu verwenden. Außerdem erklärten sie sich bereit, ihre Starthände, die Hole Cards, zu zeigen. Dies hatte Negreanu, der indessen selbst eine Pokerserie plant, im Vorfeld kategorisch abgelehnt. Polk sei ohnehin im Vorteil, so der Kanadier. In der Szene wurde folglich darüber spekuliert, ob Negreanu mit dem Schritt verhindern wolle, dass Polk sein Spiel anschließend öffentlich auseinandernehmen kann.

Polk im Netz unter Strom

Die mehrtägige Debatte endete damit, dass Negreanu bekannt gab, schon jetzt 1 Mio. US-Dollar für das Heads-up bei wsop.com hinterlegt zu haben. Polk betonte hingegen, die letzten Wochen nur gespielt zu haben, um sich auf seinen Erzfeind vorzubereiten. Zuletzt habe er zehn Stunden am Stück gespielt und dabei 100.000 US-Dollar abkassiert. Doch Polk ließ bei weitem nicht seine ganze Energie in die Vorbereitungen fließen.

Der Sieger des High Roller for One Drop bei der WSOP 2017 nutzte die öffentliche Bühne für einen Rundumschlagen gegen mehrere seiner Meinung nach minderwertige Pokerspieler. So feuerte er bei Twitter auch gegen Matt Berkey, den Gründer der Solve for Why-Poker-Trainingsakademie sowie gegen Christian Soto, den Solve for Why-Podcast-Moderator. Polk betonte, es mit jedem aufzunehmen zu können, der sich ihm in den Weg stellt.

Folglich beleidigte Polk, der sich auf Twitter inzwischen Truck Driver (z. dt. Lastwagenfahrer) nennt, Matt Berkey als Feigling und forderte ihn zu einem Duell heraus. Berkey reagierte jedoch nicht, stattdessen sprang Soto ein, den Polk derartig beleidigte, dass Soto am Ende sogar einen Faustkampf in Erwägung zog. Dass es zu einem derartigen Szenario kommt, ist glücklicherweise eher unwahrscheinlich.

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